Yoga Helmuth Maldoner Karlsruhe - Spezielles
Yoga-Institut Helmuth Maldoner Karlsruhe

Spezielles

 

Wahnsinn Hirntod
Der Kundalinî-Yoga
Der Hatha-Yoga und die Chakras
Der Hormon-Yoga
Geistheilung (Prânaheilung)
Müssen Veganer fanatisch sein?
Die »5 Tibeter«
Der Hatha-Yoga ist wie geschaffen für Frauen
Frauen benötigen mehr Kraft- als Dehnübungen
Yoga-Nidrâ

 

 

Wahnsinn Hirntod

Als Anhänger der Yoga-Lehre bin ich natürlich ein Gegner der Organspende. Ich werde aber nicht auf das Thema »Organspende – nein« eingehen, denn es gibt erstens viele fachkundige Menschen, die sich damit beschäftigen und unerschrocken ihre Meinung kundtun, und zweitens glaube ich, daß gegen die Wucht der medizinisch-politischen Propaganda momentan kein Kraut gewachsen ist; der Lobbyismus ist zu stark, und wie man an der Bevölkerung sieht, hat die Gehirnwäsche funktioniert. Obwohl ich das Engagement der oben genannten tapferen Personen bewundere, bin ich pessimistisch.

Nicht schweigen will ich, wenn mit Verweis auf unsere »Wissenschaft« behauptet wird, daß man einem Menschen Organe entnehmen darf, sobald sein Hirntod festgestellt wurde.

Der Hirntod hat nichts mit Wissenschaft zu tun. Er ist eine eiskalte juristische Spitzfindigkeit, und daß sich die Naturwissenschaft vor diesen Karren spannen läßt ist einer der vielen Beweise für die erschreckende Verblödung unserer angeblich aufgeklärten Gesellschaft.

Ein hirntoter Mensch ist nicht tot. Seit ewigen Zeiten gilt: Tot ist ein Mensch, wenn die Lebenskraft, die Seele den Körper verlassen hat. Ein Körper ohne Seele ist ein kalter Leichnam. Die Organe eines Toten sind von der ersten Sekunde an im Zustand der Verwesung und für eine Transplantation nicht mehr zu gebrauchen.

Ein Toter hat keine lebendigen Organe. Das versteht jedes Kind, aber nicht mehr jeder Erwachsene, seltsam. Gemäß der heutigen, vor Intelligenz platzenden Wissenschaft gibt es keine Seele; der Körper ist eine Maschine und ein ergiebiges potentielles Ersatzteillager. Dunkelste Verblendung einer wahnsinnig werdenden Gesellschaft.

Gehirn ist gleich Geist = das ist das Dogma der Naturwissenschaft, aber was hat diese mit dem wahren Wissen zu tun? Das Bewußtsein arbeitet auch im Gehirn, ist aber nicht das Gehirn. Kein noch so feines Instrument vermag die subtilen Vorgänge im Geist-Körper-Organismus zu messen. Gibt es deswegen diese subtilen Dinge nicht? Mittags sind keine Sterne am Himmel zu sehen. Gibt es diese Sterne also nicht? Törichter Stolz der Wissenschaft.

Zitat aus der Webseite www.organosprotection.com: »… kommt es in 3/4 aller Fälle während der Organentnahme zu Abwehrbewegungen. Zur Verhinderung werden die Patienten daher vorher am OP-Tisch festgeschnallt und die Muskeln zur Verhinderung von Muskelbewegungen medikamentös ruhig gestellt. Danach beginnt die Entnahme der Organe, Sehnen, Knochen, Augen, etc. (...) für den jetzt noch lebenden Patienten beginnt nun ein Martyrium, das bis zu 4 Stunden andauern kann. Danach ist der Patient tot.«

Beim Lesen dieser Zeilen erschauert man. Mit welchem Recht regen wir »aufgeklärte Wissende« uns über die Gräuel in irgendwelchen Gegenden der Welt auf? Warum herrscht keine Einigkeit darüber, was im Namen des Fortschritts in vielen Operationssälen geschieht? Warum wird die als »Wissenschaft« verkleidete Propaganda nicht durchschaut? Die Verdrehung der einfachsten Begriffe war erfolgreich; aus tiefster Barbarei wird »ein Akt der Nächstenliebe«. Und derartiges müssen wir uns sogar von Vertretern der christlichen Kirchen anhören.

Unfaßbar. Ich muß gestehen, daß mich der Satz »… für den noch lebenden Patienten beginnt nun ein Martyrium, das bis zu 4 Stunden andauern kann« bis ins Mark getroffen hat.

Noch einmal: dunkelste Verblendung einer wahnsinnig werdenden Gesellschaft. Möge Gott uns allen gnädig sein!

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Der Kundalinî-Yoga

Nein. Der Kundalinî-Yoga ohne rechte Führung und Praxis ist der sichere Weg in den Abgrund. [Gemeint ist der alte tantrische Weg, bei dem es um das Erwachen der Urkraft geht. Die im Westen bekanntere 3HO-Lehre von Yogi Bhajan ist eine besondere Form des Kundalinî-Yoga und bedürfte einer eigenen – kritischen – Erwähnung.]

Es ist zu beklagen, daß der Kundalinî-Yoga in so vielen Yogaschulen gelehrt wird. Und typisch für unsere Gesellschaft, die nichts Heiliges mehr kennt; die sich für so aufgeklärt hält, daß Geheimnisse nichts mehr zählen. Zum Schutze der Schüler auf dem gefahrvollen geistigen Pfad war einst das Wissen von der Urkraft das Geheimnis der Geheimnisse.

Die Kundalinî ist die Urkraft der Schöpfung und damit auch die Ursache des Geistes. Im weltlichen Menschen beschränken sich die Aktivitäten der im untersten Chakra ruhenden Kundalinî auf die Versorgung von Körper und Geist mit Energie. Ihr durch ein reines Leben und durch die Übung der Konzentration bewirktes Erwachen und Aufsteigen führt den Yogin über immer höhere Ebenen des Bewußtseins zurück an den Ausgangspunkt der Schöpfung und am Ende, durch vollkommene Konzentration, in das Einswerden mit dem grenzenlosen Meer des Bewußtseins. Nach dieser Definition ist der Yoga ein tantrischer Prozeß; so wird alles genannt, was mit der Erweckung der Kundalinî zu tun hat. Da keine andere indische Lehre zu mehr Fehldeutungen geführt hat, sei festgehalten: Der wahre Yoga ist rein geistiges Tantra; hier wird als Bedingung für den spirituellen Weg die völlige Selbstbeherrschung und damit auch ein Leben in Enthaltsamkeit gefordert.

Der Begriff Tantra sollte nicht mißverstanden werden. Durch die Aktivitäten östlicher Sekten und westlicher »Yogis« ist eine einst moralisch hochstehende Disziplin zu einem magischen Yoga verkommen. Die oft zitierte und meist mißverstandene »Vereinigung des männlichen und weiblichen Prinzips« hat nichts mit dem grobstofflichen Akt zu tun. Sie bezieht sich auf einen geheimnisvollen, geistigen Vorgang – den Aufstieg der als weiblich betrachteten dynamischen Urkraft und ihr Einswerden mit dem als männlich angesehenen statischen Aspekt des Bewußtseins im Kopfzentrum, das Erreichen des finalen Zustands der Erleuchtung.

In allen rein lebenden Menschen wird die Urkraft wach und steigt auf, aber nur wenige wissen es. Jede Art von Yoga ist genaugenommen ein Kundalinî-Yoga, aber in den meisten Yogarichtungen und in anderen religiösen Gemeinschaften wird dieser Aspekt nicht in den Vordergrund gestellt. Gewöhnlich betrachtet man die auf dem religiösen Weg auftretenden, durch den wechselvollen Aufstieg der Urkraft bedingten Phänomene als von Gott gesandt; man ist dankbar für die guten Dinge (Zuversicht, Freude, Inspirationen, Visionen), demütig akzeptiert man die schlechten (Krankheit, Depression, Zweifel, geistige Verwirrung). Diese sympathische Haltung entzieht sich jeder kritischen Bemerkung. Auf der höchsten Ebene jedoch heißt es, wie in der Bhagavad-Gîtâ zu lesen ist: Alles Leiden verdankt der Mensch dem eigenen unreinen  Geist. Gott ist das alldurchdringende Meer des Bewußtseins und hat mit Gut und Böse, mit Freude und Leid, mit dem Glück und Unglück der Wesen nichts zu tun. Das Wissen wird von Unwissenheit verhüllt, allein dadurch leiden die Geschöpfe.

Den Meistern des Kundalinî-Yoga verdanken wir die Erkenntnis, daß man die Urkraft aktiv, durch eigene Bemühung lenken und zu ihrem Ursprung zurückführen kann. Sie offenbarten die verborgenen Zusammenhänge zwischen der Urkraft und dem Körper, dem Atem, dem Geist. Mittels bestimmter Körperhaltungen, Atemtechniken und psychischer Methoden ist es möglich, auf die Kundalinî einzuwirken.

Solche Techniken bezeichnet man als Kundalinî-Übungen, um sie von den anderen, rein gesundheitlichen Aspekten des Yoga zu unterscheiden. Zu den Kundalinî-Übungen gehören der Prânâyâma einschließlich der Mudrâs und Bandhas, die Konzentration und auch einige Körperstellungen (Âsanas).

Das Erwecken der Urkraft ist mit Gefahren verbunden und darf nur von intensiv Übenden im persönlichen Kontakt mit einem wahren Guru erlernt werden. Wer ist ein intensiv Übender? Ein völlig Gesunder mit widerstandsfähigem Körper und Geist, ein zurückgezogen und in Enthaltsamkeit Lebender; einer, der ein reines und heiliges Leben führt, ständig das höchste Ziel vor Augen. Wer von uns im geschäftigen, nach außen gerichteten Westen kann sich dazu zählen? Die meisten Menschen, die sich leichtfertig mit Übungen zur Erweckung der Urkraft beschäftigen, wissen wenig von den Gefahren, die durch ihr zu frühes und unbeherrschtes Erwachen drohen. Sie gleichen Kindern, die mit Rasierklingen spielen. In ihrer Naivität sind sie unschuldig, aber sie werden weinen, sobald sie sich verletzt haben. Soll man Kinder kritisieren? Nein; man darf aber jene »Meister« tadeln, die durch das öffentliche Lehren solcher Techniken sich und andere schwache Menschen ins Unglück treiben. »Schwach« bedeutet: Das Ego solcher Meister und ihrer Schüler, ihr falsches Selbstbewußtsein ist stark; ihre Kraft zur Unterscheidung, ihr guter Wille zur Einsicht und daher ihr Charakter sind schwach.

»Wieso Unglück«, wird oft entgegnet, »ich arbeite mit der Kundalinî, und mir geht es gut!« Nun, alles hat seine Zeit. Die ersten Erlebnisse sind schön und erfüllend, aber irgendwann kommt die Reaktion des Geistes, und dann wird man sehen. Das wahre Glück, sagt uns die Bhagavad-Gîtâ, schmeckt am Anfang wie Gift, und erst am Ende wie Nektar. Das schwankende, täuschende Glück schmeckt am Anfang wie Nektar, und am Ende ist es Gift. Die Erweckung der Urkraft ist, so lesen wir in den Schriften, der schnellste aller religiösen Wege; er führt direkt zum Himmel oder direkt in die Hölle.

Wie kann das sein? Weil es eine rechte und eine unrechte Art gibt, die Urkraft zu erwecken. Was ist recht? Ein reines Leben unter Führung eines wahren Gurus; unter ständiger Achtsamkeit, das Ego nicht wachsen zu lassen; das Verwerfen von Ehre und Ruhm (daß man etwa der Versuchung widersteht, selbst ein Guru zu werden und andere in Prânâyâma und Meditation einzuweihen); das Ablehnen der Wunderkräfte, welche man durch den Aufstieg der Kundalinî erhält (dies schließt mit ein, daß man nicht zum Geistheiler, Hellseher und ähnliches wird) … Was ist unrecht? Daß man die Kräfte des Yoga benutzt, um die Sinnenfreuden intensiver erleben zu können; daß man aufgrund kleinerer Erkenntnisse meint, die Wahrheit gefunden zu haben und sie verkünden zu müssen; daß man im Wunsch, der Menschheit zu »helfen« Schüler annimmt, obwohl man selber so gut wie nichts erreicht hat; daß man die erlangten übernatürlichen Fähigkeiten mißbraucht, indem man Kranke energetisch-geistig »heilt« und ähnlichen Aktivitäten nachgeht. Das Ego, sagen die indischen Weisen, ist die Wurzel allen Übels, und solange diese Wurzel nicht vernichtet ist, gibt es keine Erlösung aus dem Kreislauf der Geburten und Tode.

Kundalinî-Übungen gehören nicht an die Öffentlichkeit, und ein Lehrer des Yoga oder anderer geistiger Disziplinen, der sich nicht an diesen Grundsatz hält, verstößt gegen die alten ethischen Prinzipien. In den Heilwirkungen werden zwar einige Kundalinî-Übungen genannt, aber nicht erklärt, wobei eine strikte Trennung zwischen den Wirkungsbereichen nicht immer einfach ist. Die Kobra dient in normaler Ausführung der Gesundheit; zudem wird sie traditionell über längere Zeit mit einer bestimmten Art des Atmens gehalten, dann beeinflußt sie die Kundalinî. Auf solche Dinge wird genau eingegangen, um Mißverständnisse zu vermeiden.

Ich lese (Oktober 2007) in einer Karlsruher Zeitung folgende Anzeige: »Yogameister XY in Karlsruhe. Der bekannte Verfasser mehrerer Yoga-Fachbücher lädt zum aktiven Mitmachen von speziellen Atemübungen (Prânâyâma) ein, welche einen wichtigen Stellenwert zur Energieerweckung (Kundalinî) im Yoga haben.« Im alten Indien wäre so etwas nicht möglich gewesen.

Diese Worte des Psychiaters C. G. Jung (1875–1961) sollten zum Nachdenken anregen:

«One often hears and reads about the dangers of yoga, particularly of the ill-reputed Kundalini Yoga. The deliberately induced psychotic state, which in certain unstable individuals might easily lead to a real psychosis, is a danger that needs to be taken very seriously indeed. These things really are dangerous and ought not to be meddled with in our typically Western way. It is a meddling with fate, which strikes at the very roots of human existence and can let loose a flood of sufferings of which no sane person ever dreamed.» [C. G. Jung, Introduction to The Tibetan Book of The Dead] »Man hört und liest oft über die Gefahren des Yoga, insbesondere des verrufenen Kundalini-Yoga. Der absichtlich hervorgerufene psychotische Zustand, der bei instabilen Menschen leicht zu einer echten Psychose führen kann, ist eine Gefahr, die in der Tat sehr ernst genommen werden muß. Diese Praktiken sind wirklich gefährlich und sollten nicht mit unserer typisch westlichen Lebensweise zusammengebracht werden. Sie sind eine Einmischung in das Schicksal, die die Wurzeln der menschlichen Existenz trifft und eine Flut von Leiden freisetzen kann, von denen kein vernünftiger Mensch jemals geträumt hat.«

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Der Hatha-Yoga und die Chakras

Je moderner der Yoga wird, desto mehr ist von der Wirkung der Âsanas auf die Chakras die Rede. Ich halte das für eine freie und beliebige Anschauung, die sich mit keiner der alten Schriften deckt. Klingt aber attraktiv, geheimnisvoll. Das letzte ist auch der Grund dafür, daß man hier keine Möglichkeit zum Widerspruch hat. Man erhält zur Antwort: »Wenn du das in Frage stellst beweist dies, daß du es noch nicht erfahren hast.« Klar.

In einer alten Schrift (Hathayoga-Pradîpikâ) heißt es zum Hatha-Yoga allgemein: »Er ist die Zuflucht für die von allen Schmerzen Geplagten.« Und speziell zu den Âsanas sagt die Pradîpikâ: »Sie bewirken Stärke, Freiheit von Krankheit und Leichtigkeit in den Gliedern.« Genauer und motivierender kann man es nicht ausdrücken. Das ist klassisch – und seriös.

Unseriös und gedankenlos sind dagegen moderne Aussagen wie »das Âsana X öffnet das Herz-Chakra«. Chakras sind psychische Zentren und öffnen sich durch den Aufstieg der Kundalinî. Die Reinigung der Elemente (bhuta-shuddhi) und das Durchdringen der Chakras (chakra-bheda) sind eine geistige Arbeit. Wie naiv muß man sein um zu behaupten, daß Gomukhâsana und Vajrâsana das Âjñâ-Chakra, das dritte Auge öffnen. Aber mit so etwas kann man mühelos Zuhörer finden, denn wir alle sind empfänglich für derartige (leere) Versprechungen.

Vajrâsana (Diamantsitz, Fersensitz) würde das Âjñâ-Chakra öffnen können – wenn man täglich mehrere Stunden über viele Jahre darin verweilt und sich mit perfekter Konzentration auf die Kundalinî fokussiert. Dies hat mit Konzentration zu tun, nichts mit einem Âsana. Und schon gar nicht, wenn man ein Âsana, wie es die Regel ist, dreimal in der Woche für wenige Minuten einnimmt.

Asanas öffnen Chakras? Wunschdenken. Wobei schon die Frage »was bedeutet öffnen?« zu seltsamen Erklärungsversuchen führt. »Aktivierung« ist ebenso nebelhaft. Über die Funktion der Chakras wissen wir Normalsterblichen nichts; wir lassen der Fantasie freien Lauf. Chakras aktivieren, was genau ist das? Es heißt zwar in den Schriften, daß bestimmte Mantras in bestimmten Chakras eine Resonanz finden; aber ein subtiler Klang ist etwas anderes als ein Âsana. Und: Daß ein Chakra beim Äußern eines Klanges einen Stoß erhält will nichts sagen, denn aktiviert ist es dadurch nicht; dazu bedürfte es, wie gesagt, einer machtvollen Konzentration.

Der Prânâyâma öffnet Chakras? Ja; aber warum? Weil der Prânâyâma durch das Anhalten des Atems eine der direktesten Methoden ist, die Kundalinî zu erwecken. Und nur wenn die Urkraft den Aufstieg bis zum dritten Chakra schafft, öffnet sich das dritte Chakra; nur wenn sie den Aufstieg bis zum sechsten Chakra schafft, öffnet sich dieses Chakra. Es kommt noch hinzu: wenn sie vollständig aufsteigt, nicht teilweise.

Es ist eine Frage der Seriosität, über die Sache nachzudenken bevor man etwas sagt. Würde ich den Kursteilnehmern beim Ausführen der Kobra erläutern »öffnet das zweite und dritte Chakra«, dann müßte ich gleichzeitig innerlich lachen.

Man mißverstehe es nicht wenn die Hathayoga-Pradîpikâ schreibt, daß zum Beispiel die Kobra die Kundalinî erweckt. Denn alte Schriften meinen mit solchen Aussagen ausnahmslos den vollen Weg des Yoga (Âsanas, Prânâyâma, Konzentration, Meditation), nicht die simple Ausführung einer Körperhaltung.

Die Verwechslung des Grobstofflichen mit dem Subtilen ist noch zu steigern, wie man dem Buch The key muscles of Yoga von Ray Long entnehmen kann. Man mag begeistert sein von dem Werk, die Darstellungen sind sehr gut. Als Wermutstropfen betrachte ich die Behauptungen zu den Chakras. Long gibt bei jedem Muskel den Hinweis »Innervation & Chakra Illuminated«. Innervation ist eindeutig, das sind physiologische Tatsachen. Chakra illuminated? Abwegig. Beispiel »Oberarmbizeps – Chakra illuminated: fifth«. Klar, oder? Gewichtheber, Boxer, Muskelprotze aktivieren durch ihre täglichen Bizeps-Curls das Vishuddha-Chakra; daher sind sie auch so rein, weise und von überströmender Sehnsucht nach Gott erfüllt (= Charakteristiken des Vishuddha-Chakra) …

Nachtrag November 2017:

Es geht noch absurder. Im französischen »YOGA Magazine« 15/2017 steht man fassungslos vor dem Artikel »Nourissez vos Chakras – Ernährt eure Chakras«. Zitat: »Se stabiliser à l'aide d'un curry de lentilles. Ou stimuler sa créativité grâce à un smoothie. Pas besoin de s'en tenir au yoga ou aux couleurs pour ouvrir ses chakras – l'alimentation ça marche aussi! Laissez-vous inspirer par l'energie de ces recettes. Tous le plats qui suivent renforcent les deuxième, sixième et septième chakras – c'est garanti! Sich stabilisieren mit Hilfe von Linsencurry. Oder die Kreativität anregen dank eines Smoothies. Sie  brauchen sich nicht an Yoga zu halten oder an Farben, um die Chakras zu öffnen – mit der Ernährung funktioniert es auch! Lassen Sie sich  inspirieren von der Energie dieser Rezepte. Alle folgenden Gerichte stärken das zweite, sechste und siebte Chakra – garantiert!«

Das siebte Chakra (Sahasrara), welches sich erst am Gipfel des Yogaweges, mit dem Eingehen in den höchsten Samâdhi »öffnet« und in Wirklichkeit kein Chakra im eigentlichen Sinn ist, sondern ein potentieller Zustand, man kann es »stärken«, indem man gewisse Speisen vermeidet und sich an »entgiftende pflanzliche« Nahrungsmittel hält … Der degenerierte Westen hat aus dem tiefgründigen, ernsten Ur-Yoga einen Witz gemacht. Was man auch an zahlreichen anderen Beispielen sehen könnte.

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Der Hormon-Yoga

Anstatt meine Haltung zum Hormon-Yoga immer wieder einzelnen Interessenten zu erklären verweise auf diesen Artikel, das ist praktischer.

Traditioneller Yoga bedeutet: ursprünglich, nicht dem Zeitgeist angepaßt. Das deutlichste Merkmal unseres Geistes ist: Er hält es nie länger bei einer Sache, einem Gedanken aus. Unaufhörlich sucht er neue Eindrücke und Reize, springt er von einem Gedanken zum anderen. Mit dieser Natur des Geistes ist zu erklären, warum es unter anderem ständig neue Formen des Yoga geben muß, denn das Alte ist ja so quälend langweilig.

Der Geist hat vier Grundeigenschaften: Denken, Fühlen, Wollen (Handeln), Konzentrieren. Entsprechend teilten die alten Rishis den Yoga in vier Arten ein: Jñâna-, Bhakti-, Karma-, Râja-Yoga. Vier Eigenschaften, vier Wege: klassisch. Wieviele Yogas gibt es angeblich noch? Laya-Yoga, Siddha-Yoga, Kundalini-Yoga, Tantra-Yoga, Mantra-Yoga, Dhyana-Yoga … Und in Bezug auf die Gesundheit: Früher gab es den einen Hatha-Yoga; heute auch noch Aku-Yoga, Luna-Yoga, Flow-Yoga, Ayur-Yoga, Vinyasa-Yoga, Chi-Yoga, Yin-Yoga, Tri-Yoga, Jivamukti-Yoga, Power-Yoga, Anusara-Yoga, Hormon-Yoga … Mit dem Alten, Einfachen geben sich wenige zufrieden.

Die anderen erfinden Neues. Ein Beispiel ist der Bikram-Yoga. Gründer Bikram Choudhoury besitzt die Dreistigkeit, auf jahrtausendealte Âsanas ein Patent anzumelden; auch seine grotesken Bestrebungen, Yoga zur olympischen Disziplin werden zu lassen sind ihm nicht peinlich. That’s american Yoga.

Bei der Lektüre von Dinah Rodrigues' Buch muß man sich wiederholt wundern. Über den theoretischen Teil genügen wenige Andeutungen: Wer die Nasenspitze als »vorderen Endpunkt der Sushumnâ« bezeichnet (hier bedient sich Rodrigues bei der chinesischen Medizin, aber der Kreislauf Ren-Mai/Du-Mai ist etwas anderes als die Sushumnâ-Nâdî), wer unter Khecharî-Mudrâ den Kontakt der Zungenspitze mit dem Gaumen versteht, wer einen »Pranâyâma zum Abnehmen« vorschlägt, der hat sich vom traditionellen Yoga weit entfernt, wie so viele moderne Yogis. Und ihre Behauptung »Der Unterschied zum Hatha-Yoga besteht darin, daß der Hormon-Yoga den Energiekörper nachhaltiger bearbeitet« tut direkt weh. Über Mißverständnisse solcher Art lohnt es sich aber kaum zu diskutieren.

Wichtiger sind Anmerkungen zur Praxis – als Warnung. Obwohl man in alle Details gehen müßte, will ich die Sache nicht zu sehr in die Länge ziehen und stelle als Merksatz fest: Die im Hormon-Yoga praktizierte Verbindung der Âsanas mit der Atemtechnik Bhastrikâ ist im Sinne des Yoga, der Physiologie, der Medizin unsinnig bis schädlich.

Bhastrikâ gehört zu den indischen Prânâyâmas und damit von vorneherein zu den Dingen, die mit Vorsicht zu handhaben sind. Die Technik ist als Tiefatmung nur dann »in Ordnung«, wenn man nach dem Blasebalg die Luft lange anhält, damit es zum Ausgleich zwischen Sauerstoff und Kohlendioxyd kommt. Nun meint Rodrigues zwar nicht die klassische Bhastrikâ, sondern eine Abart, »Bhastrikâ (K.D.)« genannt, was auf den Namen ihrer Yogalehrerin hinweisen soll. Aber das macht die Sache noch schlimmer, denn Bhastrika (K.D.) ist wegen des reinen Blasebalgs (ohne Ausgleich) in jedem Falle negativ. Was würde Professor Buteyko sagen wenn er Rodrigues’ Empfehlung lesen könnte, »Bhastrikâ macht man idealerweise 70mal pro Minute«, in diesem Fall in Verbindung mit Âsanas? Wo doch das Yoga-Ideal darin besteht, nur wenige Male pro Minute zu atmen?

Das ist, so wird entgegnet, nicht korrekt dargestellt, denn das Entscheidende ist die Wirkung der Kombination Âsana/Bhastrikâ auf die Anregung der Hormonproduktion im weiblichen Organismus. Nun, es ist insofern nicht korrekt dargestellt als man unmöglich den Wust an Spekulationen aufzählen kann, die in Rodrigues’ Buch und in den Werken einiger Trittbrettfahrer zu finden sind. Die prominente Idee ist, daß erstens durch die Bhastrikâ-Wirkung eine Massage des Unterleibs und eine Aktivierung des Prâna erfolgt, und daß zweitens durch Lenkung dieses Prâna in den Unterleib, genauer in die Eierstöcke, die Hormonproduktion angeregt wird. Zumindest zu diesen beiden Punkten sei Stellung genommen.

1. Bhastrikâ in Rodrigues’ Art massiert Darm und Unterleib; gegen eine Massage wäre prinzipiell nichts zu sagen. Nicht jedoch in Verbindung mit Âsanas, denn dies stört wiederum jenen spezifischen Fluß des Prâna, der durch ein spezifisches Âsana erzeugt werden soll. Als Massage ist Uddîyâna besser, das klassische Baucheinziehen. Und als Einzeltechnik scheitert dieses forcierte Atmen, weil es eine Hyperventilation ist. Daß Bhastrikâ den Prâna anregt stimmt ebenfalls; ich zähle das allerdings zu den problematischen Kundalinî-Übungen.

2. Die Lenkung des Prâna ist ein großes Thema (seit Jahrtausenden praktiziert), gründet hier aber in einem Mißverständnis. Ich zitiere aus dem Buch: a) Einatmen und die Luft anhalten; b) die Zunge an den Gaumen legen; c) Konzentration auf die Nasenspitze; d) Spannung des Beckenbodens; dies aktiviert die Energie, die dann über die Wirbelsäule bis zur Nasenspitze aufsteigt; e) Konzentration auf die Eierstöcke; f) Ausatmen und spüren, wie die Energie in die Eierstöcke gelangt. Damit sind wir an jenem Punkt, der weiter oben besprochen wird: die behauptete Wirkung der Âsanas auf die Chakras. Die Essenz dort gilt auch für den Hormon-Yoga: Dies hat mit Konzentration zu tun, nichts mit einem Âsana. Genauer: Das ist eine Heiltechnik, die mit dem traditionellen Prânâyâma verbunden ist. Die Âsanas haben eine andere Zielrichtung.

Man darf sagen: Durch Konzentration auf die Eierstöcke sende ich mehr Prâna dorthin. Man sollte nicht sagen: Durch forciertes Atmen in einem Âsana rege ich die Hormonproduktion an. Das ist ebenso Wunschdenken wie die Vorstellung, der Fersensitz würde bestimmte Chakras anregen. Nicht der Hormon-Yoga speziell regt die inneren Organe einschließlich der Hormondrüsen an, das schaffen alle Arten von Yoga. Andere Behauptungen entbehren jeglicher Grundlage. Gewiß lassen sich Menschen durch schöne Worte beeindrucken, aber das ist bei jeder Werbung so. Ein genaueres Hinschauen wird einiges als leere Versprechung entlarven. Man praktiziere die Âsanas, das Heilatmen und die Entspannung; man ernähre sich richtig, wende systematisch die sehr wichtigen Reinigungen an, beschäftige sich mit der psychischen Hygiene, und alles wird gut.

Zusammenfassend: Bhastrikâ klassisch = man atmet blasebalgähnlich und hält dann genügend lange die Luft an zwecks Ausgleich. Also ein typischer Prânâyâma (alle Prânâyâmas sind Kumbhakas) und sollte deshalb nicht öffentlich gelehrt werden. Bhastrikâ nach Rodrigues, als forciertes Atmen mit Bewegen des Bauches wäre als Einzeltechnik unvollständig, daher nicht korrekt und schädlich (Hyperventilation); in Kombination mit den Âsanas ist es gefährlich. Der Drehsitz mit Bhastrikâ, die halbe Kerze mit Bhastrikâ, die Brücke mit Bhastrikâ, die Rumpfbeuge mit Bhastrikâ – ist die Yogawelt verrückt geworden? Gewiß kann man über alle Dinge verschiedener Meinung sein. Für mich jedenfalls hat der Standpunkt von Prof. Dr. Buteyko einen tausendfach höheren Stellenwert  als der von Frau Rodrigues.

Ein besonderes Argument haben Liebhaber des Hormon-Yoga stets auf den Lippen: »Wenn eine über 85-jährige Frau wie Dinah Rodrigues dermaßen jugendlich aussieht, ist das ein Beweis für ihren Yoga!« Nun, es gibt viele Frauen, die jünger aussehen als es gewöhnlich ihrem Alter entspricht – und sie haben in ihrem Leben nicht eine Minute Yoga praktiziert. Und es gibt viele Frauen, deren Kinderwunsch in Erfüllung geht, die Regelstörungen aller Art, Wechseljahrbeschwerden und andere Frauenleiden in den Griff bekommen und einem gesunden Alter entgegensehen – durch tägliche Praxis des »normalen« Hatha-Yoga. Nicht alles Neue ist automatisch besser als das Alte. Der Hormon-Yoga beweist es.

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Geistheilung (Prânaheilung)

Folgendes ist im Internet zu lesen: »Wer Prânâyâma übt kann seinen Prâna weitergeben und Krankheiten heilen (…). Massiere sanft mit den Händen die Beine eines Rheumakranken. Beim Massieren mache Kumbhaka (Atemanhalten) und stelle dir vor, daß der Prâna von deinen Händen zum Patienten hinfließt. Verbinde dich mit … dem kosmischen Prâna, und stelle dir vor, daß die kosmische Energie durch deine Hände zum Patienten fließt. Der Patient wird sogleich Wärme, Erleichterung und Kraft verspüren. Du kannst Prâna durch den Raum an einen Freund weitergeben, der weit entfernt von dir lebt. Das nennt man ›Behandlung in Abwesenheit‹.«

Keine gute Empfehlung (der Name des Autors sei nicht genannt). Erleuchtete, die die Geheimnisse des Karma durchdrungen haben warnen davor, den eigenen Prâna auf Kranke zu übertragen; das Geistheilen gehört zu den größten Fehlern, die ein Übender auf dem spirituellen Weg machen kann.

Anfangs geht es dem Heiler gut; er ist im Vollbesitz der Kräfte, erhält die Schwingungen der Dankbarkeit und Liebe von den Patienten, sogar Geld, Ehre, Ruhm – alles scheint in Ordnung zu sein. Wie aber Hippokrates sagte: »Die Erfahrung ist trügerisch.« Zu gegebener Zeit kommt die Reaktion, und dann muß er für seine Fehler bezahlen. Soll das der Weg zur Freiheit sein, von dem im Yoga die Rede ist?

Im selben Artikel ist weiter zu lesen: »Denke nie daß du deinen Prâna erschöpfst wenn du ihn an andere weitergibst. Je mehr du gibst, desto mehr fließt er dir aus der kosmischen Quelle zu. Das ist das Naturgesetz. Sei nicht geizig.« Wer bei diesem Satz nicht nachdenklich wird wandelt auf allen möglichen Wegen, aber nicht auf dem des Yoga. Dort geht es darum, die Bindungen zu lösen anstatt sie durch Aktivitäten wie das Geistheilen zu verstärken, die »Freiheit vom Karma« zu erreichen, wie die Bhagavad-Gîtâ sagt.

Eine kosmische Quelle, von wo der Prâna herunterfließt – das kann man auch als mangelnde Selbstbeobachtung ansehen. Die Energie kommt von innen; es ist die Kundalinî, die eigene Kraft, die im Spiel ist. Das Universum ist eine Projektion des eigenen Geistes. Noch einmal: Anfangs fühlt sich der Heiler stark und gut. Irgendwann kommt die Reaktion, und er verliert seine Kräfte. Das ist das Naturgesetz, und das haben die Weisen wie Shrî Râmakrishna klargemacht. Die Fähigkeit zur Geistheilung gehört zu den – kleineren, relativ schnell erreichbaren – Siddhis (Wunderkräften) und muß wie die anderen Siddhis vom geistig Strebenden abgelehnt werden, wenn er Fortschritte machen will. Das »Gospel of Shrî Râmakrishna« enthält entsprechende Hinweise. Zum Beispiel:

Shrî Râmakrishna: »Ich zittere vor Furcht, daß ich jene Kräfte erwerben könnte. Wenn ich sie hätte, würde dieser Platz in ein Hospital oder in eine Ambulanz verwandelt. Die Menschen würden hierherströmen und mich bitten ihre Krankheiten zu heilen. Ist es gut okkulte Kräfte zu besitzen?« Der Schüler: »Nein, Herr. Du hast zu uns allen gesagt, daß ein Mensch nicht Gott verwirklichen kann, wenn er auch nur eine der okkulten Kräfte besitzt.« Shrî Râmakrishna: »Recht hast du. Nur die Niedrig-Gesinnten suchen sie …«

Von Swâmî Nârâyanânanda lesen wir in seinem unübertroffen klaren Prânâyâma-Buch, ich übersetze aus dem englischen Original:

»Sei darauf bedacht, dich nicht durch Übertragung von Prâna geistigen Heilungen hinzugeben. Dies ist ein unbewußtes Spiel mit dem eigenen spirituellen Fortschritt und beinhaltet auch eine Gefahr fürs Leben. Ein echter und aufrichtiger Sâdhaka (Strebender) muß von solchen Dingen um jeden Preis absehen wenn er vorankommen will im Prânâyâma und in der Spiritualität. Hat ein Sâdhaka die nötige Reinheit von Körper, Nâdis und Geist zu einem gewissen Grad erlangt, kann er leicht solche Wunder vollbringen, aber die Reaktionen hierauf sind gravierend und gefährlich. Oft muß der Heiler die Krankheit des zu Heilenden auf sich nehmen. Ist er nicht stark genug oder spirituell nicht genug fortgeschritten, wird er tiefersinken und das Erreichte zunichtemachen. Ohne Zweifel wird es ihm anfangs gelingen Kranke zu heilen, aber nach einigen erfolgreichen Behandlungen wird er kläglich versagen und dann oft unter unheilbaren Krankheiten und Schicksalsschlägen zu leiden haben. Viele Leute, die solche Wunder vollbrachten, haben ihr Ziel völlig verfehlt und ihre ganze spirituelle Laufbahn schmählich ruiniert.«

Die Mehrzahl der Heiler ist natürlich anderer Meinung. Für mich gilt: Macht ein Mensch Fehler die nur ihn betreffen, ist es halb so schlimm; dann geht es ihm schlecht, er wird krank, depressiv … Sobald andere Seelen im Spiel sind, kommt der Begriff Verantwortung, und es wird ernst. Waren es schlechte Ratschläge und Empfehlungen, Eingriffe in das Karma anderer, dann beginnt ein neuer Reigen mit weiteren Verstrickungen, die den Suchenden auf seinem Weg fesseln anstatt ihn zur Freiheit zu führen.

In der spirituellen Welt gibt es keinen anderen Begriff der so mißverstanden wird wie »Liebe«. Ein Suchender mit begrenzten Kräften, selber nicht frei von körperlichen und psychischen Problemen will einem anderen Kranken »helfen«? Er gleicht einem Bettler, der keinen Cent in der Tasche hat und andere Menschen zum Essen in ein Restaurant einlädt. Das ist keine Liebe, das ist absurd. Ein Mensch mit begrenztem Wissen vom Gesetz des Karma mischt sich beim Geistheilen in das Karma anderer ein ohne zu ahnen, was genau er damit anrichtet. Das ist keine Liebe, das ist aus Ignoranz geborener Hochmut. Wenn vom »Mitleid, Erbarmen« des Erleuchteten die Rede ist, geht es um die unergründliche höchste Weisheit. Das kümmerliche Helfersyndrom von uns Normalsterblichen dagegen bezeichnete Shrî Ramana Maharshi als eine der Spielarten des Egoismus.

Es gibt nicht wenige Strebende, welche einerseits aufrichtig und liebevoll sind, andererseits in diesem schwierigen Punkt die Tatsachen nicht kennen. Die rechte Bemühung führt dann zum rechten Verständnis. Und es gibt viele, die hier nicht verstehen wollen; ihnen können selbst die Worte der Weisen nicht helfen. Sie müssen von alleine lernen, durch Leid. Nach Kungfutse: »Es gibt drei Wege (zur Erkenntnis): Erstens durch Nachdenken, das ist der edelste. Zweitens durch Nachahmen, das ist der leichteste. Drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste.« Oder mit den Worten von Swâmî Nârâyanânanda: »Erst wenn sie tiefer gehen werden sie verstehen.«

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Müssen Veganer fanatisch sein?

In einem Yogaforum im Internet lief eine Diskussion über Ahimsâ (»Gewaltlosigkeit, Nicht-Töten, Nicht-Verletzen«). Nun ist Ahimsâ im Yoga einer der wichtigen Punkte, aber nicht der wichtigste, wie oft behauptet wird. Denn Ahimsâ kann nur ein frommer Gedanke sein. Etwas gesunder Menschenverstand reicht aus um zu erkennen, daß es nicht möglich ist sich des Tötens zu enthalten, weil ein Lebewesen nur auf Kosten anderer Lebewesen überleben kann.

Ahimsâ ist einzig dem Erleuchteten möglich. Er ist jenseits von Gut und Böse, hat die Gegensätze überwunden. Vor dem Erreichen des Nirvâna ist nicht nur alles Reden über Ahimsâ sinnlos, sondern auch der Versuch, eine echte Gewaltlosigkeit zu praktizieren. Wollte sich ein Normalsterblicher wirklich des Tötens enthalten, dann dürfte er nicht einmal an alltägliche Dinge wie Waschen, Putzen, Kochen denken. Zur Klarheit über diese Sache verhilft die Bhagavad-Gîtâ, mit den Worten Wilhelm von Humboldts »das Tiefste und Erhabenste, was die Welt aufzuweisen hat«.

Daß ein Leben nur auf Kosten anderer Lebewesen existieren kann versteht jedes Kind. Obwohl ein kurzes Nachdenken reicht um die Tragik der Sache zu begreifen, glauben viele »Yogis«, Vegetarier seien bessere Menschen, weil sie sich des Tötens enthalten. Wie soll das gehen, gewaltlos zu leben? Wer kein Fleisch ißt brüstet sich: Ich töte keine Lebewesen. Er reißt aber ohne Erbarmen eine Möhre aus dem Boden …

Es gibt aus diesem Dilemma zwei Auswege:

1. Man teilt die Lebewesen in höhere, mittlere und niedere, mit dem »beruhigenden« Ergebnis daß es Sünde ist, »höhere« Arten wie eine Kuh zu töten, aber keine Sünde, »schädliche« Kartoffelkäfer zu vergiften oder einen Salatkopf zu zerschneiden. Das ist verständlich, aber mit Ahimsâ hat es nichts zu tun.

2. Man verinnerlicht was die Bhagavad-Gîtâ sagt: Es ist einem Menschen nicht möglich das Handeln restlos aufzugeben, solange er an den Körper gebunden ist. Alle Handlungen sind eine Mischung aus gut und schlecht, produzieren Karma (wörtlich: »Alles Tun ist von Übel umhüllt wie Feuer von Rauch«). Und solange es das Karma gibt, solange gibt es keine Erlösung. Das klingt ausweglos, aber die Gîtâ liefert die geniale Lösung des Problems.

Die Einteilung in höhere und niedere Lebewesen ist in Ordnung solange man nicht behauptet, auf diese Weise gewaltlos zu leben. Insofern sind Vegetarier näher am Ideal, weil es ein Unterschied ist, ob man mit dem Messer auf ein Kaninchen losgeht oder auf einen Salatkopf. Dennoch: Man sollte Fleischesser nicht kritisieren wenn sie sagen: das brauche ich. Mit dem Kopf schütteln sollte man dagegen wenn jemand sagt: Ich esse kein Fleisch und bin ein besserer Mensch, weil ich Ahimsâ befolge. Hier fühlen sich die Veganer sogar den Vegetariern moralisch überlegen, denn sie nehmen nichts Tierisches. Was der Rest ihres Lebens mit Ahimsâ zu tun hat wollen sie aber nicht erklären.

In einer verwandten Diskussion findet die Heuchelei einen Höhepunkt. Dort beschwert sich eine fanatische Veganerin, daß auf der Homepage des Yogaforums durch seltsame Umstände Werbung für Milchprodukte gemacht wird, und daß sie sich dagegen verwahre, da dies ein Verstoß gegen die Regel des Ahimsâ darstellt und eine Yoga-Webseite sich danach zu richten hätte. Wie man sieht, ist die Gefahr des Fanatismus nicht nur in der Politik zu finden, sondern auch auf dem Feld der Ernährung und der Religion.

Dieselbe Veganerin zitiert dann »die guten alten Zeiten« in Indien, wo die Nutztiere angeblich gut behandelt wurden, das Kalb nicht von der Kuh getrennt wurde usw. Nutztiere sind aber seit jeher schlicht Gebrauchsgegenstände, da waren die Inder keine Ausnahme. Die himmelschreienden Zustände in der heutigen Viehwirtschaft unterscheiden sich nur dadurch von der alten Zeit, daß damals sehr wenige Menschen zu ernähren waren, heute hingegen Milliarden. Es ist die Bevölkerungszahl die alles unmenschlich macht, das hat mit Kultur nichts zu tun.

Die folgenden Sätze der Veganerin zeigen, daß man einerseits etwas schönreden muß, um ein Ideal nicht zu verlieren (das Ideal des »hehren vedischen Inders«, ebenso ein leerer Traum wie das Ideal des »edlen Indianers Nordamerikas«), und wie schnell man andererseits in den Glauben abgleiten kann, ein besserer Mensch zu sein: »Die glücklich streunende Kuh mit dem Kälbchen bei Fuß aus dem alten Indien, wo ab und zu mal in geringer Menge etwas Milch abgezapft und für den menschlichen Verzehr abgezweigt wurde, ansonsten aber die Milch ganz naturgemäß dem Kälbchen zur Verfügung stand und so das Kälbchen bei der Mutter verbleiben konnte, gibt es schon seit einer kleinen Ewigkeit nicht mehr und dennoch tun gerade viele sog. Meister noch immer so, als lebten wir in längst vergangener Zeit und sie haben keinerlei Skrupel, ihren Schülern den Milchverzehr zu empfehlen.« »… wo ab und zu mal in geringer Menge etwas Milch abgezapft wurde« – wenn es nicht traurig wäre könnte man über solche Schönfärbereien lachen.

Man halte sich lieber an die Worte der großen Meister. Zum Beispiel an Swâmî Brahmânanda (ein direkter Schüler von Shrî Râmakrishna). In dem Büchlein »The Eternal Companion – Brahmananda, His Life and Teachings« treffen wir auf folgenden Gespräch:

Schüler: »Should we avoid eating meat, since it entails killing?«»Sollen wir das Fleischessen meiden, da es Töten bedingt?»

Swâmî Brahmânanda: «Nonsense! The Buddhists say: ›Harmlessness is the highest virtue.‹ What does that mean? You can understand the significance only when you have attained Samadhi, when you have reached enlightenment and have seen God in all creatures. Until then mere talk is useless. When you can see the same God in the ant as in yourself, then you can practice this virtue. You may talk on not killing, but can you possibly avoid killing? What would you eat? Potatoes? Plant a potato underground, it shoots forth young sprouts. Has the potato no life? Would you eat rice? Plant the paddy grain in the earth, it grows into a rice plant. You want to drink water? Examine a drop of water under a microscope and see how many millions of tiny lives are there. You must breath to live. Yet with every breath you kill millions of creatures. Do you see any harm in that? You think you lose your religion if you take a little fish. Such arguments are foolish. The ancient Hindus held no such ideas. These are later Buddhist and Vaishnavite interpolations.» »Unsinn! Die Buddhisten sagen: ›Nicht-Verletzen ist die höchste Tugend.‹ Was heißt das? Die Bedeutung kann nur verstehen wer den Samadhi erreicht und Gott in allen Wesen gesehen hat. Vor dem Erreichen des Samadhi ist alles Reden sinnlos. Wenn ihr Gott in der Ameise wie in euch selbst seht, dann könnt ihr diese Tugend üben. Ihr mögt über das Nicht-Töten sprechen, könnt ihr es vermeiden? Was wollt ihr essen? Kartoffeln? Pflanzt eine Kartoffel, sie bringt junge Triebe hervor. Hat die Kartoffel kein Leben? Wollt ihr Reis essen? Pflanzt ein Reiskorn in die Erde, es wächst zur Reispflanze. Ihr wollt Wasser trinken? Untersucht einen Wassertropfen unter dem Mikroskop und seht, wieviele Millionen winziger Lebewesen er enthält. Ihr müßt atmen um zu leben. Doch mit jedem Atemzug tötet ihr Millionen von Geschöpfen. Seht ihr darin irgendein Verletzen? Ihr glaubt eure Religion zu verlieren wenn ihr einen kleinen Fisch eßt. Solche Argumente sind töricht. Die alten Hindus hatten keine derartigen Vorstellungen. Es sind spätere Änderungen seitens der Buddhisten und Vaishnavas.«

Hinzugefügt sei die Bemerkung: In diesem Artikel geht es um den Vegetarismus aus ethischen Gründen, und es wird kritisiert daß Vegetarier (von den Veganern nicht zu sprechen) sich als bessere Menschen fühlen. Sogar unter Nicht-Vegetariern findet man die törichte Haltung der Überlegenheit. Um ein Beispiel zu nennen: Viele bezeichnen das von Juden und Moslems praktizierte Schächten als barbarisch; sie selber finden aber nichts dabei, Hummer in kochendes Wasser zu werfen, verdrängend, welche Höllenqualen diese armen Geschöpfe erleiden müssen. Die Welt ist in der Tat, wie es im Christentum heißt, ein Jammertal. Oder, mit den Worten des großen Patañjali: »Für den Unterscheidenden ist alles nur Leid.«

Ein anderes Thema ist der Vegetarismus aus gesundheitlichen Gründen, heute eine Notwendigkeit. 99 Prozent der Bevölkerung kaufen das Fleisch aus der Massentierhaltung, weil es billig ist. Die Propaganda ihrer Interessenvertreter sollte nicht ankommen. Das Fleisch gequälter, widernatürlich gehaltener und daher mit Medikamenten vollgestopfter Tiere kann nicht gesund sein. Die von biologischen Höfen angebotene Ware ist gesundheitlich unbedenklich.

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Die »5 Tibeter«

Es wird des öfteren im Unterricht oder am Telefon gefragt, ob ich die sog. 5 Tibeter unterrichten würde. Die Antwort muß lauten: Ja und Nein.

Ja: Weil vier von fünf Tibeter typische Übungen des Hatha-Yoga sind, wobei ich eine von diesen vier für schädlich halte, eine zweite für tolerierbar; die anderen zwei sind in Ordnung, eine korrekte Ausführung vorausgesetzt (die letzte Bemerkung gilt auch für den angeblich 6. Tibeter, welche ebenfalls eine indische Yogaübung ist).

Nein: Weil es mir peinlich wäre, die Tibeter als System zu unterrichten, da sie kein System sind, sondern das Fantasieprodukt geschäftstüchtiger Menschen. Fantasieprodukt = Es genügt zu sagen, daß kein Mensch in Tibet die »5 Tibeter« kennt. Geschäftstüchtig = Zitat: »Die Namen ›Tibeter‹ und Fünf ›Tibeter‹ sind urheber- bzw. markenrechtlich geschützt und dürfen nur mit Genehmigung des Fünf ›Tibeter‹ Dachverbandes verwendet werden. Daher können die Fünf ›Tibeter‹ nur von unseren lizenzierten Trainern, die Mitglied in unserem Dachverband sind genutzt und weitervermittelt werden.«

Vor allem auf den letzten Punkt kommt es an. Konkret: Wer die 5 Tibeter gut findet, mag sie praktizieren, jeder ist seines Glückes Schmied. Wer glauben will, daß diese Übungen aus einem geheimnisvollen tibetischen Kloster stammen, der soll das glauben; die Gedanken sind frei. Wer solch komische Behauptungen für bare Münze nimmt, daß nach einiger Zeit der Übung aus grau-weißen Haaren wieder rabenschwarze werden, der möge daran festhalten; für leere Versprechungen jeder Art von Wunder sind wir alle empfänglich. Wer glauben will, daß in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts der Abt eines tibetischen Klosters ausgerechnet einem englischen Offizier das Geheimnis eines langen Lebens mit auf den Weg gegeben hat, der mag dieses Märchen glauben; er glaubt ja auch an die Existenz von Shangri-La und an andere Hollywood-Produkte. Weiter: Der englische Colonel erzählt die Geschichte einem Amerikaner (Peter Kelder); dieser wiederum verfaßt ein Büchlein (The eye of Revelation) und stellt die Übungen vor: in Ordnung, selbst wenn weniger Gutgläubige besagten Colonel als Fantasieperson ansehen und sogar die Existenz eines Peter Kelder anzweifeln.

Was dagegen nicht in Ordnung ist, das sind die Ereignisse einige Jahrzehnte später (1989) – die »Wiederentdeckung« von Kelders Buch durch einen deutschen Verleger. Man könnte sagen: Wie schön; ein Idealist entdeckt eine vergessene gute Sache (angenommen, alles ist so wie behauptet), will der Menschheit einen Dienst erweisen und stellt das »tibetische« Wissen selbstlos zur Verfügung. Nun, Tibeter würden das tun. Eine westliche, das Geld anbetende Welt kümmert das wenig. Bei den 5 Tibetern stehen wir heute vor dem Zeichen ®. Niemand war so dreist, dem traditionellen Hatha-Yoga ein Markenzeichen anzuhängen; mit »tibetischem Geheimwissen« aber kann man das machen. Dies ist für mich der klarste Beweis, daß es bei den 5 Tibetern schlicht um ein Geschäftsmodell geht.

Erneut sei zitiert: »Die Namen ›Tibeter‹® und Fünf ›Tibeter‹® sind urheber- bzw. markenrechtlich geschützt und dürfen nur mit Genehmigung des Fünf ›Tibeter‹® Dachverbandes verwendet werden. Daher können die Fünf ›Tibeter‹® nur von unseren lizenzierten Trainern, die Mitglied in unserem Dachverband sind genutzt und weitervermittelt werden. Die Lizenz und das Zertifikat haben eine Gültigkeit von 3 Jahren und werden nach Ablauf durch einen Qualifikationsnachweis erneuert. Wir weisen darauf hin, dass eine widerrechtliche Nutzung der Marke Fünf ›Tibeter‹® von unserer Rechtsabteilung abgemahnt wird, was mit erheblichen Kosten verbunden ist.«

Keine Bange. Weder bin ich bereit, 1500–2000 Euro für die Vermittlung von fünf (!) Übungen des indischen (!) Yoga zu bezahlen noch halte ich es für sinnvoll, diese Übungen zu lehren, denn es wäre mir, wie erwähnt, peinlich.

Peinlich, weil das Gerede von der Wirkung der 5 »tibetischen« Übungen auf die Chakras nur esoterisches Wunschdenken ist (siehe hier); peinlich, weil man die versprochenen »einzigartigen« körperlichen Wirkungen der 5 »tibetischen« Übungen auch mit jeder anderen Übung des Hatha-Yoga und mit simpler sportlicher Betätigung erreicht; peinlich, weil ich die Lizensierung uralter indischer Übungen (so stammt die 5. Übung aus dem Sonnengruß) als unanständig empfinde.

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Der Hatha-Yoga ist wie geschaffen für Frauen

Überblickt man die vielen Übungen des Hatha-Yoga und konzentriert sich auf das Wesentliche, dann fällt auf, daß der überwiegende Teil die Gesundheit a) des Verdauungssystems und b) des Beckenbodens und der Unterleibsorgane betrifft. Die wichtigsten Übungen des therapeutischen Yoga sind Uddîyâna/Agnisâra-Dhautî (das Baucheinziehen) und Ashvinî-Mudrâ/Mûla-Bandha (die Kraft für den Beckenboden)

»Frauengesundheit« betrifft vor allem die Gesundheit des Unterleibs und das naturgemäße, also gut brennende innere Feuer (Agni). Genau darauf liegt das Hauptgewicht des therapeutischen Yoga. Daß Beckenboden und Bauchorgane in gutem Zustand sein müssen, ist generell bekannt. Und das mangelnde innere Feuer, die herabgesetzte körperliche und geistige Energie ist jenes allgemeine Syndrom, welches indischen und chinesischen Ärzten an vielen Europäerinnen als erstes auffällt.

»Agni ist die Flamme des Lebens, der ständigen Bewegung und Umwandlung, der Körperwärme, der geistigen Energie und Widerstandskraft. Brennt diese Flamme in richtiger Weise, dann sind wir körperlich und geistig gesund.« Das ist die Grundaussage der östlichen Medizin.

Unter Störungen des Feuers ist zu verstehen: Es brennt zu stark oder zu schwach; es brennt nicht gleichmäßig, verbreitet sich nicht durch den ganzen Körper. Einer der Aspekte des Agni ist der Samâna-Vâyu. Er konzentriert sich als treibende Kraft des Verdauungssystems in Magen und Dünndarm und fließt wärmend durch alle Meridiane (samâna = gleichmäßig). Die Gründe für die Störungen des Feuers sind: zuwenig Bewegung, falsche Ernährung, nichtbeherrschte Gefühle, nichtgeordnete Gedanken. Das zu starke Feuer manifestiert sich in Entzündungen usw., sein in Europa bei weitem häufiger vorkommende Mangel in kalten Händen und Füßen, Abneigung gegen Kälte, Schmerzlinderung durch Wärme, allgemeine Schwäche, usw. Die Pflege des Agni ist entscheidend für die körperliche und geistige Gesundheit.

Gefördert wird Agni durch ein rechtes Leben (Bewegung, Ernährung, Selbstbeherrschung, Konzentration); durch energetisch wärmende Nahrungsmittel; durch den therapeutischen Gebrauch von Gewürzen; durch Darmreinigungs- und Fastenkuren; durch körperliche Bewegung jeder Art; durch die Übungen des Hatha-Yoga; durch naturheilkundliche Methoden wie Bäder, Sauna, Massagen, Wasserbehandlungen; durch bestimmte Atemtechniken. Die alles überragende Methode ist Agnisâra-Dhautî.

Der muskuläre Beckenboden ist der Gegenpol zum Zwerchfell; die beiden begrenzen den Bauchraum. Während das Zwerchfell eine über das Atmen frei schwingende Kuppel ist, wird der Beckenboden durch das Gewicht der Bauchorgane belastet. Eine Schwäche dieser Abschlußplatte hat gravierende Folgen. Sie führt zum Verlust der Spannkraft, zur Senkung von Organen und zum Organvorfall, zur stockenden Durchblutung, zum gestörten Fluß der Energien, zur Schwächung des Verdauungs- und des Nierenfeuers. Die Blutüberfüllung und Energiestauung im Bauchraum ist die Ursache zahlloser Krankheiten; schuld daran sind die mangelnde Spannkraft der Gewebe und die Fehlatmungen. Die Schwäche des Beckenbodens hängt mit der Mutter aller Leiden, mit der Verdauungsstörung zusammen, und ist daher genauso krankheitsfördernd.

Übungen für den Beckenboden gibt es viele; der Hatha-Yoga empfiehlt deren zwei, denn sie sind der Kern aller anderen Übungen: Ashvinî-Mudrâ und Mûla-Bandha.

Die tägliche Praxis des Hatha-Yoga, insbesondere der zwei wichtigsten therapeutischen Frauenübungen (Uddîyâna/Agnisâra-Dhautî und Ashvinî-Mudrâ/Mûla-Bandha), behebt Regelstörungen, bewirkt die gute Durchblutung und den harmonischen Fluß des Prana im Unterleib, fördert das innere Feuer, wirkt gegen die mangelnde Spannkraft der Gewebe im Bauchraum, gegen eine Schwäche des Beckenbodens, gegen Organsenkungen. Der Hatha-Yoga ist ein Segen für die Frauen.

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Frauen benötigen mehr Kraft- als Dehnübungen

Gleichgewicht der Kräfte bedeutet für den Körper Dehnung, Beweglichkeit, Entspannung einerseits; Widerstandsfähigkeit, Festigkeit, Spannkraft andererseits. Es entspricht nicht dem Ideal, als spindeldürrer Yogin zirkusreife Verrenkungen zu beherrschen, aber zu versagen wenn die Kraft gefordert ist. Das gleiche gilt für den umgekehrten Fall: der westliche Kraftmensch mit Muskeln, die selbst im Ruhezustand angespannt und aufgeblasen wirken, der aber mit den einfachsten Yogaübungen Schwierigkeiten hat, weil es ihm an Beweglichkeit fehlt. Beides ist als unnatürlich abzulehnen. Was bedeutet dies für Frauen? In der Regel ist es so: Männer haben viel Kraft und eine schlechte Dehnung; bei Frauen ist es umgekehrt. Die richtige Folgerung wäre: Männer müssen dehnen, Frauen kräftigen. In Wirklichkeit hört man von den Männern, sie würden die Kraftübungen des Yoga lieben, das Dehnen dagegen nicht; bei den Frauen wiederum umgekehrt. Was mir leichtfällt, das liebe ich; was mir schwerfällt, dem gehe ich aus dem Weg – vernünftig ist eine solche Anschauung nicht. Man mag einwenden, so ist die Natur; Frauen haben weniger Muskelmasse als Männer; Frauen neigen ungleich mehr zur Asthenie als Männer … Dennoch, man muß etwas tun. Wir haben genügend Beispiele von dynamischen Frauen und von asthenischen Männern um sagen zu können: Die Natur unaufhörlich dynamisch, wandlungsfähig. In den Kursen klagen Frauen oft über ihre »schwachen Handgelenke«. Dazu ist zu sagen: Wer bereits im natürlichen Vierfüßlerstand Schmerzen in den Handgelenken verspürt, darf sich nicht schonen (es sei denn, man leidet an einer fortgeschrittenen Arthrose der Handgelenke); die betroffenen Muskeln und Sehnen müssen trainiert werden. Jede Schonung macht die Sache noch schlimmer; die Knochen, die Gewebe wollen belastet, wollen in Anspruch genommen werden. Gerade für ältere Personen ist ein Krafttraining essentiell. Die meisten denken bei »Hatha-Yoga« an: Kopfstand, Entspannung, fakirisch anmutende Dehnungen. Die Urform sind aber die Kriegerübungen. Sie fördern die körperliche Kraft und die kämpferische Energie des Geistes. Und in Yogakursen sieht man täglich und immer aufs Neue, daß die Frauen auf diesem Gebiet  genauso gut, genauso ausdauernd, genauso kraftvoll sein können wie die Männer. Es ist anstrengend sich immer wieder auf das zu konzentrieren was einem fehlt, was man entwickeln muß; es gibt aber keinen anderen Weg, wenn man die Dinge verbessern will. Schließlich: Mühsam ist ja nur der Anfang; für jede gute Arbeit wird man nach einiger Zeit belohnt.

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Yoga-Nidrâ

Im modernen Yoga wurden viele Begriffe der alten Lehre aufgeweicht, verfremdet, anders interpretiert als ursprünglich gedacht; es mögen die Stichworte Tantra, Dhâranâ, Brahmacharya, Samyâma, Nirvikalpa-Samâdhi genügen. Zu diesen Begriffen gehört auch Yoga-Nidrâ. Heute soll das eine spezielle Form der Entspannung sein. In alten Zeiten war Yoga-Nidrâ der erholsame Kurzschlaf der weit fortgeschrittenen Yogis und der Erleuchteten; keine Technik die man erlernt, sondern ein Zustand, der sich bei solchen Menschen spontan ergibt.

Heute wird dagegen gesagt: »Jeder kann Yoga-Nidrâ erlangen.« Oder gar: »Es ist leicht, Yoga Nidrâ zu praktizieren. Man liegt ganz still auf dem Rücken und hört den Anleitungen zu.« Wenn man damit der Entspannung des Hatha-Yoga einen neuen Namen geben will … Yoga-Nidrâ ist es aber nicht.

Eine Aussage (aus dem Internet) wie »Yoga Nidra means Yogic Sleep. It is a state of conscious deep sleep. In meditation, you remain in the waking state of consciousness, and gently focus the mind, while allowing thought patterns, emotions, sensations, and images to arise and go on. However, in Yoga-Nidra, you leave the waking state, go past the dreaming state, and go to deep sleep, yet remain awake« provoziert die Bemerkung: Der Zustand des bewußten Tiefschlafs ist einzig der Moment, in dem der Yogin in den Nirvikalpa-Samâdhi eintaucht. Gewisse »Erkenntnisse« beruhen oft auf mangelhafter Selbstbeobachtung oder sind reine Theorie.

Yoga-Nidrâ im ursprünglichen Sinn, das hört sich so an:

»This is a state between the waking- and dream-states. The experiencer of this state is conscious of his environments and, at the same time, he sleeps also. Generally an advanced Yogi experiences this kind of sleep. During this state, the mind works in-between the brain-centre and the lower brain.« [aus: Swami Narayanananda. The End of Philosophy. ©Narayana Press Gylling 1976]

»When a man after attaining Nirvikalpa-Samâdhi comes down to the plane of relative consciousness and when he wants to take rest, he goes to this state. The state of Yoga-Nidrâ is neither a waking-state nor is it a dream-state also. It is neither a deep-sleep-state, nor is it a Samâdhi-state. A man under Yoga-Nidrâ can hear the sounds of people speaking, walking, etc., in the same room, not clearly but dimly and he cannot respond to them. And when he wakes up, he has the full benefit of a nap. Thus, he never gets tired.« [aus: Swami Narayanananda. Consciousness under Different States. ©Narayana Press Gylling 1982]

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Diese Seite wurde am 05.12.2018 zuletzt geändert.

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