Yoga Helmuth Maldoner Karlsruhe - Geistiges
Yoga-Institut Helmuth Maldoner Karlsruhe

Geistiges

 

ZitateKurzbiographie: Shrî Swâmî Nârâyanânanda MahârâjZehntausend Jahre Mantra-JapaDer Sinn der menschlichen GeburtDer Ur-Yoga in seiner reinsten FormDie Essenz der Bhagavad-Gîtâ»Erhebe dich! Erwache!«Der Friedensmantra pûrnam adah Bhaja-GovindamDie Essenz des YogaDer GuruGurvashtakamDer entscheidende SatzWill der Mensch nicht frei sein?Eine MahnungHenry David Thoreau war ein YoginAuch Freund- und Bekanntschaften sind karmisch bedingt

Reinigung und Verwandlung des Geistes durch das Sattva-GunaDas Gleichnis von den Fischerfrauen und dem Blumenduft • Anregungen zu sattvischen BüchernAnregungen zu sattvischen FilmenZwei Zwischenbemerkungen: YouTube + WerbeblockerAnregungen zu sattvischer Musik – IndienAnregungen zu sattvischer Musik – Rest der Welt

 

 

Zitate

»Nachdem man seinen Sitz eingenommen hat sollte man stets gute und erhebende Gedanken aussenden und allen Wesen Wohlergehen und Frieden wünschen. Man sollte sagen: ›Mögen alle Wesen für immer friedvoll und glücklich sein!‹ Sende einen solchen Gedanken mit all deiner Kraft und Aufrichtigkeit nach Norden, Süden, Osten, Westen, nach unten und oben. Während dieses wohlwollenden Wunsches sollte man aufrichtig denken, daß man diesen Gedanken tatsächlich aussendet und daß die Gedankenkraft sich tatsächlich in verschiedene Richtungen ausbreitet und den ganzen Raum umfaßt. Am Anfang ist ein wenig Vorstellungskraft notwendig, aber nach langer Übung gelingt es einem, solche Gedanken mit einer gewaltigen Kraft auszusenden. Würden alle Menschen dies am Morgen und am Abend tun, könnte diese Welt innerhalb kurzer Zeit in einen wahren Himmel verwandelt werden.« [Shrî Swâmî Nârâyanânanda Mahârâj]

«After taking one’s seat, one should always send out good and elevating thoughts wishing welfare and peace to all living beings. One should say, “Let all beings be peaceful and happy for ever.” Send out such a thought with all your force and sincerity to North, South, East, West, downwards and upwards. While wishing this benevolent thought one should sincerely think that one is actually sending out this thought and that the thought-force is actually spreading in different directions and covering the whole space. In the beginning a little imagination is necessary, but after long practice one does succeed in sending such thoughts with a mighty force. If all people practise this morning and evening, this world can be changed into a veritable heaven within a short time.» [Shrî Swâmî Nârâyanânanda Mahârâj]

»Verliere niemals die Hoffnung. Sei voll von hohen Hoffnungen und halte dich an hohe Ideale. Habe unendlichen Glauben – Glauben an dich, Glauben an Gott, Glauben an die Worte deines Meisters und Glauben an die Heiligen Schriften. Schaue niemals auf dich herab. Grüble niemals über deine Schwächen, Nachteile, Sünden und Abstürze. Bist du heute ein Sünder, kannst du morgen ein Heiliger sein, wenn du nur willst. Selbstvertrauen wird dich mit unendlicher Kraft und Stärke füllen. Gute Gedanken und edle Taten werden dich groß machen; unrechte Wünsche, Gedanken und Handlungen lassen dich tiefer sinken. Die Welt ist nichts als eine Projektion deines eigenen Geistes. Wie du denkst, so wirst du.« [Shrî Swâmî Nârâyanânanda Mahârâj]

«Never lose hope. Be full of high hopes and keep high ideals before you. Have infinite faith—faith in yourself, faith in God, faith in the words of your Guru and faith in the Scriptures. Never look down upon yourself. Never brood over your weaknesses, drawbacks, sins and falls. If you are a sinner today, you can be a Saint tomorrow, only if you will. Self-confidence will fill you with infinite strength and power. Good thoughts and noble deeds will make you great; improper desires, thoughts and acts will make you sink lower. The world is nothing but a projection of your own mind. As you think, so you become.» [Shrî Swâmî Nârâyanânanda Mahârâj]

»Der Gedanke an ›Ich‹ und ›Mein‹ ist Knechtschaft und wahrlich die Hölle. Es ist diese Idee, das Ego, welches die Ursache unermeßlichen Elends in dieser Welt ist. Aller Streß, alle Kämpfe, Schwierigkeiten und Leiden, die man in dieser Welt durchläuft, beruhen auf dem Ich-Gedanken und auf dem Wunsch, das Ich zu befriedigen. Zur Befriedigung der Wünsche des Ego bindet sich der Geist an die Sinne  und ihre Objekte und beschmutzt und verunreinigt sich dadurch. Die vielfältigen Wünsche und Gedanken schleichen sich durch die Ego-Idee im Geist ein. Wenn das Ego abwesend ist verschwinden alle Wünsche und Gedanken. Und wenn es keine Wünsche und Gedanken gibt, welche die Ruhe und Reinheit des Geistes stören, lebt er von sich aus in der Herrlichkeit des Selbst. Solch ein Mensch und solch ein Geist erreicht Moksha oder Freiheit.« [Shrî Swâmî Nârâyanânanda Mahârâj]

«The idea of ‹I› and ‹Mine› is bondage, and verily the hell. It is this idea that is the cause of untold miseries in this world. All the stress and struggles and all the troubles and tribulations that one passes through in this world are due to this ‹I› idea and to desire to satisfy the ‹I›. In order to satisfy the cravings of the ego, the mind gets atta-ched to the senses and their objects and thus gets soiled and becomes polluted. All the multifarious desires and thoughts creep up in the mind as a result of this ego idea. If the ego is absent all desires and thoughts vanish. And, when there are no desires and thoughts to disturb the peace and purity of the mind, it lives automatically in the glory of the Self. Such a man and such a mind attains Moksha or Freedom.» [Shrî Swâmî Nârâyanânanda Mahârâj]

»Geht man nicht aus der Tür, kennt an die Welt. Blickt man nicht aus dem Fenster, sieht man des Himmels Weg. Je weiter man ausgeht, desto weniger kennt man.« [Lao Tse 47, Übersetzung Victor von Strauß]

»Wenn die Menschen mit ihrem Geist ebensosehr an Gott hingen wie sie an den Sinnesobjekten hängen, wer würde dann nicht aus der Gefangenschaft (im Samsâra) befreit?« [Maitrî-Upanishad]

»Der eigene Geist, wahrlich, ist der Samsâra; ihn zu reinigen soll man sich bemühen. So wie man denkt, so wird man – dies ist das ewige Geheimnis!« [Maitrî-Upanishad]

»Die Letzte Wahrheit ist so einfach. Es ist nichts anderes als im Urzustand zu sein. Das ist alles, was darüber gesagt zu werden braucht. Dennoch ist es verwunderlich daß, um diese einfache Wahrheit zu lehren, so viele Religionen, Glaubensbekenntnisse, Methoden und Auseinandersetzungen unter ihnen entstehen mußten und so weiter. Wie bedauerlich, wie bedauerlich! […] Nur der reife Geist kann die einfache Wahrheit in all ihrer Nacktheit begreifen.« [Bhagavân Shrî Ramana Maharshi]

»Alle Gedanken sind unvereinbar mit der Verwirklichung. Der rechte Zustand ist, alle Gedanken von uns selbst und alle anderen Gedanken (aus dem Geist) auszuschließen. Gedanken sind die eine Sache, und Verwirklichung eine ganz andere.« [Bhagavân Shrî Ramana Maharshi]

»Der Mensch sollte in seiner Kleidung einer solchen Einfachheit sich befleißigen, daß er selbst im Dunkeln sich anziehen kann. Er sollte in jeder Hinsicht so festgefügt und wohl versorgt leben, daß er, wenn der Feind sich der Stadt bemächtigt, wie der alte Philosoph, ohne Angst mit leeren Händen zum Tore hinausziehen kann.« [Henry David Thoreau] 

»Ich hatte drei Kalksteine auf meinem Schreibtisch, erschrak aber als ich feststellte daß sie tägliches Abstauben benötigten, während der Hausrat meines Geistes noch ganz unabgestaubt war, und angewidert warf ich sie zum Fenster hinaus.« [Henry David Thoreau]

»Wir können unser Leben an tausend einfachen Dingen erproben, etwa daran, daß dieselbe Sonne, die meine Bohnen zur Reife bringt, gleichzeitig ein System von Erden wie die unsrige beleuchtet. Hätte ich mich daran erinnert, wären einige Irrtümer vermieden worden. Eine solche Einsicht besaß ich nicht, als ich sie hackte. Wie wundervoll sind die Dreiecke, deren Spitzen von Sternen gebildet werden! Wieviele verschiedene und voneinander entfernte Wesen betrachten sie im selben Moment aus den unterschiedlichen Wohnungen des Universums!« [Henry David Thoreau] 

»Die Gnade des Meisters trägt mehr zur Selbstverwirklichung bei als Lehren, Vorlesungen, Meditation, usw. Diese sind nur zweitrangige Hilfen, während die Gnade des Meisters die erste und wesentliche Ursache ist.« [Bhagavân Shrî Ramana Maharshi]

»Wir treffen nur jene Menschen, mit denen unser Treffen prädestiniert ist. Auch die Dauer des Zusammenseins mit jeder Person ist vorherbestimmt. Man sollte nicht trauern wenn man getrennt wird, oder wenn das Zusammensein nicht von langer Dauer ist.« [Nîb Karorî Bâbâ Mahârâj]

»Wenn ein Mensch den Punkt erreicht hat, an dem er sechs Monate lang in Meditation sitzen kann, erübrigen sich Nahrungsaufnahme, Ausscheidungen oder was sonst noch. Nur ein Tropfen Amrita-Nektar vom Kopf in den  Körper hält ihn am Leben. Wenn ein Tiger diesen Körper frisst ist das egal; nur wenn das Leben zum Körper zurückkehrt wird es Schmerzen geben.« [Nîb Karorî Bâbâ Mahârâj]

»Meng Dse sagte, die menschliche Natur ist gut. Ich stimme damit nicht überein. Der Mensch ist von Natur aus böse; seine eventuell Gutheit wird nur durch bewußte Übung anerzogen.« [Hün Dse]

»Es ist erstaunlich zu sehen wie man es in unseren Tagen treibt. Man trifft nicht selten Seelen, die kaum für ein paar Pfennige geistliches Verständnis haben, und sobald sie bei Gelegenheit einer Betrachtung irgend etwas wahrnehmen, dasselbe alsogleich als göttliche Ansprache bezeichnen. Und da sie dies wirklich glauben, sagen sie: Gott hat zu mir dies und jenes gesprochen, Gott hat mir dies zur Antwort gegeben. Das ist aber durchaus nicht der Fall, sondern sie selbst geben sich Antwort, weil sie eben darnach Verlangen tragen.« [Juan de la Cruz]

»Es gibt zu viele Intellektuelle auf der Welt / Die haben ausgiebig studiert und wissen einfach alles / Doch kennen sie ihr ursprüngliches Wahres-Wesen nicht / Und wandeln fern, so fern vom WEG! / Wie eingehend sie auch die Wirklichkeit erklären / Was nützen denn alle die leeren Formeln? / Wenn du ein einzig mal dein Selbst-Wesen erinnerst / Dann tut sich dir des Buddhas Einsicht auf.« [Han Shan]

»In wen alle Begierden eingehen so wie in den Ozean – sich ständig füllend (dennoch) ruhig verharrend – die Wasser eingehen, der erlangt den Frieden; nicht (aber) der nach Wünschen Begehrende. Der Mensch, der alle Begierden aufgibt, der ohne Verlangen (nach Genuß und Macht) lebt, ohne den Gedanken an das ›Ich‹ und ›Mein‹ – er erlangt den Frieden.« [Shrîmad-Bhagavad-Gîtâ]

»Sogenannte Intelligenz ist in ihrer Begrenztheit nur ein anderer Name für Unwissenheit. Wenn ein Mensch das wahre Wissen erlangen und alle Geheimnisse enträtseln will, gebe er sich dem Wissen um Gott hin.« [Swâmî Brahmânanda]

»Der Yogin übe dies im Geheimen, an einem einsamen Ort, ohne die Gesellschaft von Menschen. Um den Schein zu wahren, bleibe er in der Gemeinschaft, sei aber mit dem Herzen nicht in ihr. Er vernachlässige nicht die Pflichten seines Berufes und Standes, erfülle sie jedoch nur als ein Werkzeug Gottes, ohne an ihnen zu haften. Wenn er so handelt, lädt er keine Schuld auf sich. Auch Ehemann und Ehefrau können durch verständiges Befolgen dieser Methode die Vollendung erreichen, daran ist kein Zweifel. Inmitten der Familie lebend, stets seine familiären Pflichten (ohne Anhaftung) erfüllend, erlangt, wer frei von Verdienst und Schuld ist und seine Sinne beherrscht, die Erlösung.« [Shiva-Samhitâ]

»Die Verehrung des Weisen ist ein großes Gut für die, die ihn verehren.« [Epikouros]

»Wer zur Quelle gehen kann geht nicht zum Wassertopf.« [Leonardo da Vinci]

»Lebe im Verborgenen!« [Epikouros]

»Eine Philosophie, die nicht imstande ist die Leiden der Seele zu heilen, ist nur leeres Geschwätz und ebenso sinnlos wie eine Heilkunst, die es nicht vermag Krankheiten aus dem Körper zu vertreiben.« [Epikouros]

»Dreifach ist das Tor zur Hölle, das zur Selbstzerstörung führt: Wollust, Zorn und Gier. Darum gebe man diese drei auf! Der Mensch, der von diesen, den drei Toren zur Finsternis, sich befreit hat, wirkt für sein Heil und geht den höchsten Weg.« [Shrîmad-Bhagavad-Gîtâ]

»Gemessen am Zweck der Natur, ist Armut ein Reichtum; Reichtum aber, der keine Grenzen kennt, ist große Armut.« [Epikouros]

»Wie ein ungebrannter Tonkrug, der ins Wasser geworfen wird (sich auflöst), so verfällt der Körper (in dieser Welt) schnell. Brenne den Körper hart im Feuer des Yoga, um ihn zu kräftigen und zu reinigen. Die zum Yoga des Körpers gehörenden Übungen sind: Reinigung, Kräftigung, Festigung, Beruhigung, und (danach folgen) jene (geistigen), die zu Leichtigkeit, Wahrnehmung und Fleckenlosigkeit führen. Die Reinigung erfolgt durch regelmäßige Ausführung der sechs (Reinigungs)verfahren. Âsana gibt Kraft; Mudrâ gibt Festigkeit; Pratyâhâra gibt Ruhe; Prânâyâma gibt Leichtigkeit; Dhyâna gibt Wahrnehmung des Selbst; und Samâdhi gibt die Fleckenlosigkeit (die absolute Reinheit), welche wahrlich die Freiheit ist.« [Gheranda-Samhitâ]

»Das eine ist das Gute, das andere ist das Angenehme; beide führen zu verschiedenen Zielen. Wer sich an das Gute hält wird gut; wer das Angenehme wählt verliert das Glück.« [Katha-Upanishad]

»Wahre Worte sind nicht schön, schöne Worte sind nicht wahr. Der Gute redekünstelt nicht, der Redekünstler ist nicht gut. Der Erkennende ist nicht vielwissend, der Vielwisser erkennt nicht. Der heilige Mensch sammelt nicht an. Je mehr er für die Menschen tut, desto mehr hat er. Je mehr er den Menschen gibt, desto viel mehr hat er. Des Himmels Weg ist, wohltun und nicht schaden. Des heiligen Menschen Weg ist, tun und nicht streiten.« [Lao Tse]

»Es gibt drei Wege (zur Erkenntnis): Erstens durch Nachdenken, das ist der edelste; zweitens durch Nachahmen, das ist der leichteste; drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste.« [Kungfutse]

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Kurzbiographie: Shrî Swâmî Nârâyanânanda Mahârâj

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»Meine Geschichte mit dem Meister« → Link

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Shrî bedeutet »Hervorleuchten, Licht oder Glanz verbreitend, Herrlichkeit, Pracht, Schönheit, Glück, Reichtum, Würde, Heiligkeit«, es ist eine ehrfurchtsvolle Anrede einer Gottheit (Shrî Krishna), eines Heiligen oder einer Person in sehr hohem Stand.

Swâmî = w gibt es nicht im Sanskrit, es sollte Svâmî heißen. Das schreibt aber heute niemand mehr, daher steht auch hier durchgehend das gebräuchliche Swâmî.

Mahârâj = »großer König, großer Herrscher« ist hier ein Ehrentitel, der den tiefsten Respekt für spirituelle Meister ausdrücken soll.

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Shrî Swâmî Nârâyanânanda (12. April 1902 – 26. Februar 1988) wurde in Kongana im Distrikt Coorg (Kurg, Kodagu), Karnataka State, Südindien geboren. Bereits als Junge pflegte er jeden Morgen und jeden Abend zu meditieren, ohne daß irgendjemand ihn dazu angeleitet hätte. Die Regelmäßigkeit und der Ernst, mit denen er solche Praxis durchführte, brachten ihm schon in jungen Jahren Zustände von tiefer Konzentration.

Im Alter von 27 Jahren, er hatte seine Studien beendet, sagte ihm eine innere Stimme, er solle der Welt entsagen und Mönch werden. Er verlor keine Zeit, verschenkte sein Hab und Gut und verließ das Heim im Jahre 1929 auf der Suche nach einem Guru, den er in Belur Math bei Kalkutta in Swâmî Shivânanda Mahâpurush (1854–1934) fand, einem direkten Schüler von Shrî Râmakrishna Paramahamsa (1836–1886). Von ihm bekam er den Mönchsnamen Swâmî Nârâyanânanda (Nârâyan-ânanda).

Shrî Râmakrishna Paramahamsa

Swâmî Shivânanda Mahâpurush

Fast vier Jahre lebte Swâmî Nârâyanânanda in verschiedenen Âshramas der Râmakrishna-Mission; während dieser Zeit hielt er sich strikt an die Durchführung der geistigen Übungen und empfand immer stärker den Drang, in der Einsamkeit noch intensiver zu praktizieren. Ein großes Verlangen nach Gottverwirklichung erfaßte ihn.

So kam es zwangsläufig, daß sein Guru ihn eines Tages (Oktober 1932) zu sich rufen ließ und in einer Eingebung zu ihm sagte, er solle nun in den Himâlaya ziehen, um den Samâdhi (die Erleuchtung) zu erlangen.

Angesichts der schneebedeckten Berggipfel fühlte sich Swâmî Nârâyanânanda euphorisch und begann mit strengstem Tapasya (Askese). Er arbeitete unermüdlich, mit 12–16 Stunden täglichem Mantra-Japa und Meditation, oft ohne Pause Tag und Nacht, 24–48 Stunden lang.

Die intensive Praxis wurde schon nach kurzer Zeit belohnt. Swâmî Nârâyanânanda ging in der Shivarâtrî-Nacht Ende Februar des Jahres 1933 in den Nirvikalpa-Samâdhi oder Nirvâna, den höchstmöglichen Bewußtseinszustand ein (Shivarâtrî ist das Fest zu Ehren von Gott Shiva, welches in Indien die ganze Nacht hindurch in Verehrung und Anbetung verbracht wird).

Shrî Swâmî Nârâyanânanda um 1935,
zwei Jahre nach der Erleuchtung

Nach dem Tode seines Gurus löste Swâmî Nârâyanânanda 1936 die Verbindung zur Râmakrishna-Mission und lebte viele Jahre in der Einsamkeit. Unbeachtet und ungestört von der Welt, vertiefte er sich in Studien über den Geist und schrieb seine Erkenntnisse auf dem Feld der Yoga-Psychologie nieder.

Shrî Swâmî Nârâyanânanda 1944
im Himâlaya, am Ufer des Bhagirathi (Ganges)

Erst im Jahre 1947, als die Unabhängigkeit Indiens zur Spaltung des Landes führte und es zu furchtbaren Massakern zwischen Hindus und Moslems kam, gab Swâmî Nârâyanânanda seine Zurückgezogenheit auf, um der verirrten Menschheit zu helfen. Er begann Schüler anzunehmen (die ersten waren Flüchtlinge aus dem heutigen Pakistan) und veröffentlichte nach und nach seine Schriften. So wurde Swâmî Nârâyanânanda im Laufe der Zeit als spiritueller Führer in den Herzen seiner Anhänger in Ost und West inthronisiert.

Shrî Swâmî Nârâyanânanda 1958,
im Alter von 57 Jahren

Anfangs wollte Swâmî Nârâyanânanda weder eine Organisation noch Âshramas. Im Laufe seines Lebens als Mönch sammelte er nie Spenden. Auf seine eigene einfache Weise lebend, mied er das Rampenlicht der Öffentlichkeit. Im Laufe der Zeit erhöhte sich aber die Anzahl der Schüler dermaßen, daß es unvermeidbar wurde die Bewegung in einer Institution zu organisieren. So wurde im Jahr 1967 der N. U. (= Narayanananda Universal) Yoga Trust gegründet.

Zu dieser Zeit kamen junge Suchende aus dem Westen, vor allem aus Dänemark, mit dem Weisen in Kontakt. Nach ihrer Rückkehr aus Indien bauten sie in Gylling auf Jütland einen Âshrama auf, um dort ein Leben in Arbeit und Meditation zu verbringen.

Im Jahr 1971 verließ Swâmî Nârâyanânanda erstmals indischen Boden und kam zu Besuch nach Gylling. Von nun an bis 1987 reiste er jedes Jahr für mehrere Monate nach Dänemark (und einige Male nach Deutschland), wo Tausenden von Wahrheitssuchern die Gelegenheit zur Begegnung geboten wurde.

Shrî Swâmî Nârâyanânanda 1971
bei einem Darshan in Gylling

Der Gylling-Âshrama ist das Weltzentrum des N. U. Yoga Trust. Weitere Âshramas gibt es in Indien, Deutschland, Schweden, Norwegen, USA. Die Mönche und Nonnen des von Swâmî Nârâyanânanda errichteten zölibateren Ordens verdienen ihren Lebensunterhalt selbst und bemühen sich, »ein einfaches, reines, heiliges Leben« nach den Prinzipien des Meisters zu führen.

Swâmî Nârâyanânanda ist der Gründer der Universalen Religion

Dies steht in klarem Zusammenhang mit den oben kurz erwähnten Vorgängen von 1947. In seiner Schrift »The Universal Religion« sagte der Meister dazu:

«All the shameful things that were done are indescribable. In a nutshell we can say that these people acted worse than beasts. All these things took place in the name of God, religion, race and colour and for want of a clear understanding of God and religion. After seeing these terrible miseries and ignorance of human beings Swami Narayanananda’s heart melted as it were, and this incident made Him to come out of His seclusion and write books. And this incident is the cause of laying the foundation for the Universal Religion.»

»All die schändlichen Dinge die getan wurden sind unbeschreiblich. In aller Kürze können wir sagen daß diese Leute schlimmer waren als Bestien. All diese Dinge geschahen im Namen Gottes, der Religion, der Rasse und Farbe, und aus Mangel an einem klaren Verständnis von Gott und Religion. Angesichts dieses schrecklichen Elends und der Ignoranz der Menschen schmolz gleichsam das Herz von Swâmî Nârâyanânanda, und diese Ereignisse brachten Ihn dazu, Seine Zurückgezogenheit aufzugeben und Bücher zu schreiben. Und diese Ereignisse sind die Ursache der Fundamentlegung für die Universale Religion.«

Die Universale Religion

wurzelt in Swâmî Nârâyanânandas eigener Erfahrung der letzten Wahrheit; eine Wahrheit, die jedem Menschen zugänglich ist. Mit seinen Worten:

«Help a man from where he stands. Supplement but never supplant is the motto of the Universal Religion. This Religion, ›Universal‹, has no quarrel with any sect, creed, doctrine, dogma or sex. It deals with the highest kind of Philosophy which is practical but not speculative. This Philosophy can easily face the acid test of Science. It has Love and sympathy for all, irrespective of caste, creed, colour and sex.»

»Hilf einem Menschen von dort aus, wo er steht. Ergänze, ohne zu verdrängen, das ist das Motto der Universalen Religion. Diese Religion, ›Universal‹, hat keinen Streit mit irgendeiner Sekte, Konfession, Doktrin, Dogma oder Geschlecht. Sie befaßt sich mit der höchsten Art der Philosophie, die praktisch ist, nicht spekulativ. Diese Philosophie hält leicht der strengen Prüfung der Naturwissenschaft stand. Sie hat Liebe und Sympathie für alle, unabhängig von Stand, Glauben, Hautfarbe und Geschlecht.«

Die Schriften

Mit seinen Schriften hinterließ Swâmî Nârâyanânanda der leidenden Menschheit einen unermeßlichen Schatz. Es gibt 12 Haupt- und 24 kleinere Werke. Von den ins Deutsche übersetzten Hauptwerken seien erwähnt (kursiv = Originaltitel; die englischen Originale sind prinzipiell jeder Übersetzung vorzuziehen):

Als Einstieg wird Das Geheimnis der Geisteskontrolle empfohlen. In unerreichter Klarheit führt hier der Meister in die Welt des Yoga (Lehre, Prinzipien, Techniken, Psychologie). Auffallend sind die ständigen Hinweise auf Irrtümer und Gefahren, denen man auf dem geistigen Pfad ausgesetzt ist. Dieser besondere Aspekt der Lehre von Swâmî Nârâyanânanda zeugt von höchster Verantwortung, »echte Sâdhakas (aufrichtig geistig Strebende) auf dem rechten Pfad zum letzten Ziel zu führen«, so seine eigenen Worte in der Geisteskontrolle.

Als zweites liest man Der Weg zur Erleuchtung. Diese beiden stellen die Grundlage dar; die anderen Schriften behandeln jeweils spezielle Themen; so geht es etwa in Der Weg zu Frieden, Kraft und langem Leben einzig um Brahmacharya (Enthaltsamkeit).

Wer die Werke des Weisen, die weltweit besten zu den Themen Yoga und Religion nicht kennt, der kann nicht behaupten über den wahren Yoga Bescheid zu wissen.

Übersicht sämtlicher Werke von Swâmî Nârâyanânanda in der Reihenfolge des Erscheinens der 1. Auflage (Jahreszahl in Klammern):

  1. The Way to Peace, Power and Long Life (1945)

  2. The Primal Power in Man or The Kundalini Shakti (1950)

  3. The Ideal Life and Moksha (Freedom) (1951)

  4. Revelation (1951)

  5. The Mysteries of Man, Mind and Mind-Functions (1951)  

  6. The Secrets of Mind-Control (1954)

  7. The Gist of Religions (1955)

  8. A Practical Guide to Samadhi (1957)

  9. Mind, Its Source and Culture (1958)

  10. The Secrets of Prana, Pranayama and Yoga-Asanas (1959)

  11. Brahmacharya, Its Necessity and Practice for Boys and Girls (1961)

  12. The End of Philosophy or The Ultimate Truth & The Universal Religion (1962)

  13. Caste, Its Origin, Growth and Decay (1955)

  14. A Word to Sadhaka (spiritual aspirant) (1955)

  15. Sex-Sublimation (1955)

  16. The Basis of Universal Religion (1963)

  17. God and Man (1965)

  18. Wisdom (1971)

  19. Your Birth-Right (1973)

  20. The Aim of Life (1974)

  21. The Universal Religion (1975)

  22. Your Hidden Treasures (1977)

  23. Brahman and the Universe (1978)

  24. Birthday Messages 1955-79 (1979)

  25. Questions and Answers (1979)

  26. The Essence of Life (1980)

  27. Religion and Philosophy (1980)

  28. Life Behind Death (1980)

  29. Within you (1981)

  30. India and the Rishis (1981)

  31. Brain, Mind and Consciousness (1982)

  32. Consciousness under Different States (1982)

  33. Reality Behind Life (1983)

  34. God or the Ocean of Consciousness by Itself or in Itself (1983)

  35. God, Kundalini Shakti and Mind (1984)

  36. Truth Eternal (1984)

[1–12 = Hauptwerke (major works); 13–36 = kleinere Schriften (minor works)]

Die genannten Bandnummern beziehen sich auf die erste Ausgabe von The Complete Works of Swami Narayanananda (1979–1984).

Eine zweite Ausgabe von The Complete Works of Swami Narayanananda wurde 2001–2002 in 18 Bänden veröffentlicht. Die kleineren Werke (Bände 13–36) wurden hier in drei Bänden zusammengefasst (Kleine Werke I–III, Bände 13–15), und die folgenden Werke wurden hinzugefügt:

Band 16: »Geburtstagsbotschaften, Gedichte und Trostsprüche«

Band 17: »Ausgewählte Artikel 1933–1986«

Band 18: »Autobiographie von Swami Narayanananda« (hier in einem Band – vorher separat in zwei illustrierten und kommentierten Bänden erschienen)

 

 

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Persönliche Anmerkung von Helmuth Maldoner:

Wenn diese Werke die weltweit besten sind, warum weiß angeblich niemand davon? Yoga-Lehrer und -Autoren kennen zumindest »Die Urkraft im Menschen«, welches als Standardwerk gilt. Dennoch wird Swâmî Nârâyanânanda in 999 von 1000 Büchern nicht erwähnt, er ist in praktisch keinem Literaturhinweis zu finden; dies ist dermaßen ungewöhnlich, daß der Gedanke an methodisches Verschweigen nicht abwegig ist. Unsere Gesellschaft ist nach wie vor nicht bereit, bestimmte Dinge zu hören. Ein Erleuchteter beugt sich nicht dem Zeitgeist, er steht kompromißlos in der höchsten Wahrheit. Den Ur-Yoga (jener der Upanishaden und des Mahâbhârata), den wahren Yoga in seiner Strenge, das Festhalten an ewig gültigen ethischen Prinzipien kann eine moderne Yogawelt nicht akzeptieren. Die Bedeutung von Brahmacharya, Hauptpfeiler der Lehre von Swâmî Nârâyanânanda, wird heruntergespielt oder verschwiegen. Viele kennen hier den Zusammenhang mit der Spiritualität nicht, oder sie weisen bewußt nicht darauf hin; wer heute Enthaltsamkeit predigt hat sehr wenige Anhänger und Freunde. Weiter: Überall wird der Prânâyâma öffentlich gelehrt (gegen die alten Vorschriften); der einfachste Yogalehrer, selbst noch ein Suchender, weiht »Schüler« in die Meditation ein (gegen die alten Vorschriften); das im modernen Yoga beliebte Geistheilen lehnte Swâmî Nârâyanânanda als gefährlichen Mißbrauch übernatürlicher Kräfte ab.

Und weitere Aspekte.

Auch seine kristallklare, zwingende Yoga-Psychologie wollen die meisten nicht verstehen. Im Vorwort von »Die Urkraft im Menschen« (erschienen 1950) schrieb der Weise:

«My explanation of the mind, mind-stuff, desire and thought-functions may seem to be new and strange to many and many may not agree with me. And it may be that I may be alone in proclaiming this truth now. Still I am not in the least worried. For, Truth needs no prop to stand and it cannot be hidden for long. If the world is not prepared to receive the Truth now, it has to do it years hence.»

»Meine Erklärung des Geistes, des Gedächtnisspeichers, der Wünsche und Gedankenfunktionen mag vielen neu und fremd erscheinen, und viele mögen mir nicht zustimmen. Es mag sein, daß ich jetzt der einzige bin, der diese Wahrheit verkündet. Das beunruhigt mich aber nicht im geringsten. Denn die Wahrheit bedarf keiner Stütze und kann nicht lange verborgen bleiben. Wenn die Welt nicht bereit ist, die Wahrheit jetzt zu hören, so wird sie es in späteren Jahren tun müssen.«

Bei YouTube gibt es ein 40-Sekunden-Video (→ Link) von 2021, in dem ein junger Inder einige Buchcover von Swâmî Nârâyanânanda vorstellt. Mit dem Hinweis:

«Wisdom from a great yogi and jnani. Every word is a precious pearl.»

»Weisheit von einem großen Yogi und Jnani. Jedes Wort ist eine kostbare Perle.«

Ein Kommentator schreibt dazu:

«I have a complete set of his books. Every word of his is indeed a precious pearl. It is a tragedy that he and his great wisdom have been forgotten.»

»Ich habe einen kompletten Satz seiner Bücher. Jedes Wort von ihm ist in der Tat eine wertvolle Perle. Es ist eine Tragödie, daß er und seine große Weisheit in Vergessenheit geraten sind.«

Ich verneige mich vor diesen jungen Menschen. Sie zeigen daß es noch Hoffnung für die orientierungslose Gesellschaft gibt.

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Shrî Swâmî Nârâyanânanda verließ diese Welt am 26. Februar 1988 im südindischen Maisur (Mysore), in der Nähe seines Geburtsortes. Im Verborgenen zu leben, Ehre, Ruhm, Macht und Geld verwerfend, aus reinem Erbarmen Wissen zu verbreiten, Wahrheitssucher zu inspirieren und zu führen – und am Ende unbemerkt seitens der Welt, in völliger Stille von dannen zu gehen, das sind die Zeichen erhabenster Größe und Heiligkeit.

 

Das Vermächtnis von Shrî Swâmî Nârâyanânanda an die Sucher der Wahrheit lautet:

 

«The Ultimate Truth is called God.

This, one can realize in the state of Nirvikalpa Samadhi.

A circle can have only one centre but it can have numerous radii.

The centre can be compared to God and the radii to religions.

So, no one sect, no one religion or book can make an absolute claim of it.

He who works for it gets it.»

 

»Die Letzte Wahrheit wird Gott genannt. 

Dies kann man im Zustand des Nirvikalpa-Samadhi verwirklichen.

Ein Kreis kann nur ein Zentrum, aber zahlreiche Radien haben.

Das Zentrum kann mit Gott verglichen werden und die Radien mit den Religionen.

Also kann keine Sekte, keine Religion oder Buch einen absoluten Anspruch darauf erheben.

Wer sich diese Wahrheit erarbeitet erlangt sie.«


 

«Never lose hope. Be full of high hopes and keep high ideals before you. Have infinite faith—faith in yourself, faith in God, faith in the words of your Guru and faith in the Scriptures. Never look down upon yourself. Never brood over your weaknesses, drawbacks, sins and falls. If you are a sinner today, you can be a Saint tomorrow, only if you will. Self-confidence will fill you with infinite strength and power. Good thoughts and noble deeds will make you great; improper desires, thoughts and acts will make you sink lower. The world is nothing but a projection of your own mind. As you think, so you become.» [Shrî Swâmî Nârâyanânanda Mahârâj

«Rare human birth, favourable environments, the hallowed feet of the Guru, the right path, proper guidance, a clear intellect and sincere effort, what else do you want, my child? What fear is there, my dear one? Raise thy mind high, higher than the highest snow-clad mountains. Make the character strong and firm like the Himalayas. Dive deep, deep to the very bottom of the Ocean of Sat-Chit-Ananda (Existence, Knowledge and Bliss Absolute) and be free evermore.»  [Shrî Swâmî Nârâyanânanda Mahârâj

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Zehntausend Jahre Mantra-Japa [Nîb Karorî Bâbâ Mahârâj]

»Heilige haben 10.000 Jahre lang Japa und Sadhana praktiziert ..., nur so konnten sie in Japa, Meditation und Yoga Erfolg haben. Aber die Menschen wollen innerhalb von nur 5–7 Monaten Experten sein.«

Tiefgründige und für den Wahrheitssucher unendlich wichtige Worte von Nîb Karorî Bâbâ Mahârâj (*? – †1973).

«Saints did Japa and Sâdhana for 10,000 years ..., only then they could succeed in Japa, Meditation and Yoga. But people want to be expert within 5–7 months only.»

Japa = das Wiederholen des Mantras, des Namens Gottes
Sadhana = die geistlichen Übungen, die Praxis auf dem spirituellen Weg
10.000 Jahre = über viele Inkarnationen; ein einziges Leben reicht nicht aus, um den Samâdhi zu erreichen.

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Der Sinn der menschlichen Geburt

»Menschliche Geburt ist selten und sehr schwer zu erlangen. Moksha oder Freiheit kann nur durch menschliche Geburt erreicht werden. Es heißt daß ein Jîva (individuelle Seele) nach acht Millionen Geburten und Tode menschliches Leben erlangt. Selbst nach Erlangung menschlichen Lebens ist es sehr schwer, einen gesunden Körper und einen scharfen Intellekt zu haben. Hat der Mensch all diese Dinge erlangt, muß er Gebrauch von ihnen machen, um Moksha zu erreichen. Tut er das nicht, ist solch ein kostbares Leben eine bloße Verschwendung.«

«Human birth is rare and very difficult to get. Moksha or Freedom can be attained only through human birth. It is said that a Jiva (individual Soul) attains human life after 8 millions of births and deaths. Even after getting human life, to have a healthy body and a sharp intellect are very difficult. When a man gets all these things, he must make use of them to attain Moksha. If not, such a precious life becomes a mere waste.» [Shrî Swâmî Nârâyanânanda Mahârâj]

»Nach dem Sinn des Lebens zu suchen ist das Ergebnis guten Karmas aus vergangenen Geburten. Jene, die nicht nach dieser Erkenntnis streben verschwenden nur ihr Leben.« [Bhagavân Shrî Ramana Maharshi]

«To seek to know the significance of life is itself the result of good karma in past births. Those who do not seek such knowledge are simply wasting their lives.» [Bhagavân Shrî Ramana Maharshi]

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Der Ur-Yoga in seiner reinsten Form

»Talks with Sri Ramana Maharshi«, 9. November 1935, Talk 94:

Ein Mann betete zum Meister, ihm seine Sünden zu vergeben. Ihm wurde gesagt daß es genügen würde wenn er darauf achtete, daß sein Geist ihn nicht beunruhigte*.

Der englische Ausdruck »trouble« ist eindeutig. Im Deutschen könnte und sollte man ihn mit mehreren Übersetzungen verständlich machen. Ein »troubled mind« ist ein »unruhiger – aufgewühlter – verwirrter – geplagter – betrübter – bedrängter – gestörter« Geist. In diesem Sinne:

Warum ist das der Yoga in seiner reinsten Form? Weil er den Menschen auf den Punkt bringt, weil er auf die Essenz der Essenz verweist. Da ist keine Rede von Göttern, Ritualen und Sonstigem, was man gemeinhin als Hinduismus versteht. Das ist die reine Lehre der Upanishaden, Indiens höchste Form der Philosophie.

In den »Talks« gibt es einen weiteren fulminanten Merksatz (25. Dezember 1935, Talk 121), der mit wenigen Worten das Gleiche wie oben sagt. Ein Satz wie Blitz und Donner. Ein Besucher wollte den Meister über Gott befragen. Shrî Ramana unterbrach ihn sofort mit den Worten:

»Lass Gott in Ruhe, denn Er ist unbekannt. Was ist mit dir?«

»Die Welt ist nichts als eine Projektion deines eigenen Geistes. Wie du denkst, so wirst du.« [Shrî Swâmî Nârâyanânanda]

Das ist der Weg des wahren Yoga. Um noch einmal Shrî Ramana zu zitieren [Talks with Sri Ramana Maharshi, Talk 95, 13. November 1935]:

»Die Letzte Wahrheit ist so einfach. Es ist nichts anderes als im Urzustand zu sein. Das ist alles, was darüber gesagt zu werden braucht. Dennoch ist es verwunderlich daß, um diese einfache Wahrheit zu lehren, so viele Religionen, Glaubensbekenntnisse, Methoden und Auseinandersetzungen unter ihnen entstehen mußten und so weiter. Wie bedauerlich, wie bedauerlich! […] Nur der reife Geist kann die einfache Wahrheit in all ihrer Nacktheit begreifen.«

«The Ultimate Truth is so simple. It is nothing more than being in the pristine state. This is all that need be said. Still, it is a wonder that to teach this simple Truth there should come into being so many religions, creeds, methods and disputes among them and so on! Oh the pity! Oh the pity! […] Mature minds alone can grasp the simple Truth in all its nakedness.» [Talks with Sri Ramana Maharshi, Talk 95, 13th November 1935]

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Die Essenz der Bhagavad-Gîtâ [VIII. 7]

»Was ist die Essenz der Bhagavad-Gîtâ? Denke immer an Mich, und kämpfe!« (Shrî Swâmî Nârâyanânanda)

Die Shrîmad-Bhagavad-Gîtâ ist die Hl. Schrift des Yoga, der universalen Heilslehre; ein für jeden Wahrheitssucher hilfreicher Führer zum höchsten Ziel: »Die Loslösung von der Verbindung mit dem Leiden – dies wird Yoga genannt« (VI, 23). Was sie uns zur Möglichkeit der Erlösung, zur Überwindung »dieser unglücklichen Welt« (IX, 33) sagt, ist einzigartig und macht sie zum Buch der Bücher. Sie ist »das Tiefste und Erhabenste, was die Welt aufzuweisen hat« (Wilhelm von Humbodt).

Die Essenz der Gîtâ ist der erste Halbvers 7 des achten Gesanges – tasmât sarveshu kâleshu mâm anusmara yudhya cha. Die Worte werden sofort verständlich, wenn man die Gîtâ als Ganzes studiert hat. Im anderen Falle präge man sich wenigstens den vorangehenden Vers 6 ein, denn 6 und 7 gehören zusammen.

yam yam vâpi smaran bhâvam tyajatyante kalevaram |
tam tam evaiti kaunteya sadâ tadbhâvabhâvitah || 6

»An welchen Seinszustand auch immer er denkt, wenn er am Ende den Körper aufgibt, zu diesem allein geht er, o Arjuna, (weil er) ständig in (den Gedanken an) diesen Seinszustand vertieft (war).« (6) 

tasmât sarveshu kâleshu mâm anusmara yudhya cha |
mayy arpitamanobuddhir mâm evaishyasy asamshayah || 7

»Denke darum zu allen Zeiten an Mich, und kämpfe ! Mit Mir hingegebenem Geist und Verstand wirst du ohne Zweifel zu Mir kommen.« (7)

8, 6
Ein überragend wichtiger Vers, der zusammen mit dem nächsten gelesen werden muß. Daß der letzte Gedanke im Leben eines Menschen die Art seiner Wiedergeburt bestimmt, diesen Hinweis findet man in vielen Schriften. Es wird aber nicht gelingen, im Moment des Todes an Gott oder an höhere Dinge zu denken, wenn man nicht vorher, während des ganzen Lebens darin vertieft war. Gedanken prägen und werden Wirklichkeit; und die zu Lebzeiten stärksten Wünsche und Gedanken, welche im Gedächtnisspeicher aufbewahrt sind, werden im Augenblick des Abschieds mit aller Macht im Geist auftauchen und die nächste Geburt bestimmen (mit aller Macht = sie überwältigen ihn; der gewöhnliche Mensch kann den Fluß der letzten Gedanken nicht kontrollieren). Folgerichtig sagt Shrî Krishna im nächsten Vers: »Denke darum zu allen Zeiten an Mich!«

8, 7
Denke immer an Mich, und kämpfe! – das ist die Bhagavad-Gîtâ in einem einzigen Satz.

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»Erhebe dich! Erwache!« [Katha-Upanishad I.3.14]

Die Katha-Upanishad ist etwa 2500 Jahre alt; einer der so vielen Schätze Indiens. In der ganzen Welt berühmt wurde der erste Halbvers 14 von Kapitel I. 3 (uttishthata jâgrata prâpya varân nibodhata) durch Swâmî Vivekânanda. Er zitierte allerdings den Satz nur zur Hälfte wörtlich (Erhebe dich! Erwache!), das andere ist sinngemäß:

Arise, awake ! And stop not till the Goal is reached ! • Erhebe dich, erwache! Und ruhe nicht eher, als bis das Ziel erreicht ist!

Der zweite Satz ist sinngemäß richtig. In den Begriffen des Originalverses sind allerdings so viele wichtige Dinge enthalten, daß eine wörtliche Übersetzung von Gewinn ist:

uttishthata jâgrata prâpya varân nibodhata | kshurasya dhârâ nishitâ duratyayâ durgam pathas tat kavayo vadanti || 14

uttishthata = erhebe dich; jâgrata = wach auf; prâpya = zu erlangen, zu erreichen; varân = vara = 1. bester unter, der Beste; 2. Gnade, Gnadengeschenk. Man übersetzt hier zweifach und meint dasselbe: erlangt habend die Gnade, gefunden habend den Guru; nibodhata = lerne, erkenne, sei wachsam, wach, bewußt, schärfe das Bewußtsein; kshurasya = des Rasiermessers; dhârâ = Schneide, Klinge, Kante; nishitâ= scharf, gewetzt, geschärft; duratyayâ = schwer zu überschreiten, zu ergründen; durgam = unwegsam, unzugänglich; pathah = Pfad, Weg; tat = dies, so; kavayah = die Weisen; vadanti = sagen, sprechen

Etwas genauer zu prâpya varân nibodhata 

1. prâpya ist das Gerundiv von pra + âp = erreichen, erlangen, erhalten, antreffen. Ein Gerundiv ist laut Duden »eine als Adjektiv fungierende Verbform mit passivischer Bedeutung, die eine Notwendigkeit ausdrückt«. Zum Beispiel: kar = tun; kartavya = was getan werden muß; bhû = sein; bhavya = was sein soll. Mit den Worten von H. C. Kellner »wird das Gerundiv durch Nebensätze mit indem oder nachdem übersetzt; es drückt also sowohl die gleichzeitige als auch die vollendete Handlung aus«. prâpya = »was erlangt werden muß« und »nachdem es erlangt wurde«. Die häufigste Wiedergabe lautet: »Erlangt habend die Gnade der Besten, sei wachsam!« Es kann auch heißen: »Sei wachsam, um die Gnade der Besten zu erlangen!« Mit gleicher Bedeutung, denn gesagt wird damit: Du brauchst eine Führung, weil der Weg schwer zu gehen ist. 

2. varân. Nach Shri Shankaracharya sind mit dem Plural varân gemeint: die Besten, die verwirklichten Gurus. In der Übersetzung unten stehen beide Begriffe (»die Gnade« und »die Besten«) vereint, weil es genau den Sinn von varân trifft: Erlangt habend die Gnade des Guru … 

3. nibodhata ist der Imperativ (Befehl, Aufforderung) von ni + budh. Das Verbum budh ist eines von vielen Beispielen dafür, daß Sanskritbegriffe schlecht mit nur einem Wort übersetzbar sind. budh heißt nicht nur »erkennen, bemerken, wahrnehmen, achten auf«, sondern im eigentlichen Sinn »wachen, erwachen, wachsam sein, zum Bewußtsein kommen«, wie man am Buddha (»der Erwachte«) sieht. nibodhata = sei wach! Sei wachsam! Werde dir bewußt!

Dieser in die tiefsten Tiefen gehende Sanskritvers kann wie das Bhaja-Govindam und ähnliche Perlen als Essenz des spirituellen Weges angesehen werden. Was wird gesagt? Erstens: Wach auf aus deinem Schlaf der Verblendung (»du Tor«, wie Shrî Shankara anfeuert), strebe nach dem höheren Sinn des Lebens; suche den Guru und öffne dein Bewußtsein für die von ihm enthüllte Wahrheit. Zweitens: Ohne Guru geht es nicht, denn der unwegsame, schwer zu gehende geistige Pfad ist vergleichbar mit dem Gang auf der Schneide eines Rasiermessers.

uttishthata jâgrata prâpya varân nibodhata |
kshurasya dhârâ nishitâ duratyayâ durgam pathas tat kavayo vadanti ||

»Erhebe dich! Erwache! Erlangt habend die Gnade der Besten, sei wachsam! Schwer zu gehen ist auf des Messers Schneide; (so) der unwegsame Pfad (des Yoga), sagen die Weisen.«

Zwei von mehreren schönen englischen Übersetzungen seien angefügt (die Quellen sind mir leider entfallen). Die etwas freiere zweite trifft mit der Aussage über den Guru die Sache auf den Punkt und erklärt gut die Wortwahl von Swâmî Vivekânanda.

»Arise, awake, enlighten yourself by resorting to the great (teachers), for that path is sharp as a razor's edge, difficult to tread and hard to go by, say the wise.«

»Arise ! Awake ! Realise and achieve the Highest with the help of the illumining, guiding and fulfilling Masters. The path is as sharp as the edge of a razor, difficult to cross, hard to tread – so declare the wise sages.«

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Der Friedensmantra »pûrnam adah …« [Îsha-Upanishad, Anrufung]

Dieser Shântimantra (shânti = Frieden) ist gleich in zwei der zehn bedeutendsten indischen Upanishaden zu finden; als öffnende Anrufung in der Îsha und im fünften Kapitel der altehrwürdigen Brihadâranyaka.

Der Mantra pûrnam adah … ist einer der wichtigsten überhaupt (im Deutschen hat sich das Mantra durchgesetzt; ich bevorzuge klassisch der Mantra). Bereits das bloße Aussprechen reinigt die psychische und ätherische Atmossphäre, erzeugt eine Schwingung des Friedens, richtet den Geist auf das Höhere. Was hier ausgesagt wird zeugt davon, daß der indische Geist zu einer Zeit, als wir noch mit Fellen bekleidet durch die Wälder streiften, die höchsten Höhen erklommen hatte. Die Worte des pûrnam adah … sind die Essenz der Geistigkeit, sie handeln vom Brahman (»das Eine ohne ein Zweites«) und können intellektuell nicht begriffen werden, denn sie sind Worte der großen Seher. Nur wer den Zustand des Nirvikalpa-Samâdhi erreicht hat weiß wirklich, was hier gemeint ist.

pûrnam adah pûrnam idam pûrnât pûrnam udachyate |
pûrnasya pûrnam âdâya pûrnam evâvashishyate ||

»Jenes (ist) das Volle; dieses (ist) das Volle. Aus dem Vollen kommt das Volle hervor. Von dem Vollen das Volle genommen, bleibt wahrlich (nichts als) das Volle.«

Eine freie Wiedergabe

»Jenes nichtoffenbare, unveränderliche, ewige Sein ist Brahman (Gott im formlosen Aspekt); dieses vergängliche, sichtbare Universum ist Brahman (alle Welten als Gott mit Form), denn es ist aus dem Brahman hervorgegangen. Obgleich durch das Offenbarwerden scheinbar Brahman von dem Brahman genommen wird (= die Schöpfung ein Teil Gottes), bleibt wahrlich das Brahman unveränderlich, immer es selbst.«

Zum Inhalt

Eine Hilfe zum Verständnis des pûrnam adah gibt die Bhagavad-Gîtâ: »Wenn er sieht, daß das Gesondert-Dasein der Wesen in dem Einen sich befindet und nur von diesem (Einen) her sich ausbreitet, dann geht er in das Brahman ein.« (XIII. 27 + 31)

In seinem Werk »The Gist of Religions« gibt Shrî Swâmî Nârâyanânanda eine ausführliche Erklärung des pûrnam adah. Der einleitende Satz lautet: »Ein sorgfältiges Studium und ein wenig tiefes Nachdenken über diesen einen Mantra enthüllt den ganzen Kern der Vedânta-Philosophie und stellt die Position oder Beziehung von Brahman (Gott) zum Universum fest.«

Daß das Ganze und seine Teile, das Eine und das Viele eins sind, daß es also das Viele im Grunde gar nicht gibt, das vermag nur der Erleuchtete glaubhaft zu sagen. Im Falle von uns Normalsterblichen wäre eine derartige Aussage »Bücherweisheit«, wie es in den Upanishaden herablassend heißt, leeres Geschwätz. Wer in den Nirvikalpa-Samâdhi eingeht, für den existiert die Welt nicht mehr. Wer viele einzelne Dinge sieht, erkennt das Brahman nicht. Jener, der aus dem Samâdhi zurückkehrt, er allein kann in der Vielheit der Wesen und Dinge das Eine sehen. Der Mantra pûrnam adah ist eine Hilfe auf dem Weg, eine ständige Erinnerung, diesen Zustand erreichen zu können.

Von Shrî Râmakrishna hören wir: »Es ist leicht zu argumentieren daß die Welt eine Illusion und das Brahman allein die Wahrheit ist. Aber ein logischer Beweis für das Brahman kommt nicht der Verwirklichung des Brahman gleich. Zwischen intellektuellem Wissen und spiritueller Erfahrung gibt es einen himmelweiten Unterschied. Durch Dialektik kommen wir zu dem Schluß, daß allein das Brahman wirklich ist, daß die einzelnen Seelen und die vielgestaltigen Dinge um uns herum nur eine Erscheinung sind. Doch dieser Schluß betritt und verwandelt nicht Herz und Verstand. Die Schlußfolgerung, die wir intellektuell erreicht haben steht für sich, sie berührt und prägt unser Leben nicht. Sie bleibt bei uns wie die Last auf dem Rücken eines Esels. Sie geht nicht in unser innerstes Wesen ein. Die Anhänger der Illusionstheorie, seltsam genug, scheinen sehr besorgt zu sein um ihre tägliche Nahrung und Kleidung. Kleinigkeiten beunruhigen uns, und wir verlieren viel zu leicht die Beherrschung. Unsere Erkenntnis der Wahrheit beeinflußt nicht immer unser Verhalten. Advaita ist keine einfache Sache. Es erfordert Disziplin und Verehrung.«

Zur Rezitation

Dieser Mantra ist eine klassische Anrufung und wird vor der Meditation, vor und nach dem Studium der Schriften, beim Satsanga (Treffen mit spirituellen Menschen) rezitiert. Er erzeugt die rechte atmosphärische Schwingung. Es versteht sich von selbst daß diese Schwingung auch dann zustandekommt wenn das pûrnam adah nicht korrekt gesprochen wird, alles ist eine Frage der inneren Haltung. Genauso natürlich ist aber, daß es, wie alle Mantras, bei korrekter Aussprache besser wirkt.

Die meisten westlichen Rezitationen und Vertonungen des purnam adah sind schlimm, eine Verhunzung heiligster Worte. Aber auch in Indien hat man nicht immer die Garantie einer korrekten Aussprache, seltsam. Sehr gut ist diese Rezitation.

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BHAJA-GOVINDAM [Shrî Shankarâchârya]

Eine Hymne gegen die Verschwendung von Zeit und Energie

Dieses unsterbliche Werk wird auch genannt Moha-Mudgara »der Hammer (mudgara) der die Verblendung (moha) zerschmettert«.

Zur Entstehung des Bhaja-Govindam
Shrî Shankara hielt sich einst auf einer Wallfahrt in Kâshî (Varanasî, Benares) auf. Dort ging er eines Morgens in Begleitung seiner Schüler zum Ganges, um ein Bad zu nehmen. Auf dem Weg hörte er eine Stimme, die Rezitation von Grammatikregeln der Sanskritsprache. Er ging der Stimme nach und traf auf einen alten Gelehrten, der eifrig dabei war die Aphorismen des Pânini aufzusagen, des größten Grammatikers Indiens. Dies bewegte Shri Shankara, und er wurde von Mitleid erfüllt angesichts der Ignoranz eines Gelehrten, dem selbst im hohen Alter, bei der wenigen noch vorhandenen Zeit und Energie, eine intellektuelle Leistung wichtiger war als die Grundfrage nach dem Sinn des Lebens und nach der Befreiung aus der Gefangenschaft im Samsâra. Wir verschwenden die kostbare menschliche Geburt für Weltliches, für den Genuß der Sinne, das ist der Lauf der Dinge. Je näher aber der Zeitpunkt des Abschieds kommt, desto mehr sollte der Gedanke an das Heil der Seele überwiegen; etwas anderes wird aus spiritueller Sicht als Sinnlosigkeit und Torheit bezeichnet. So richtete sich Shrî Shankara an den Alten und begann mit den berühmten Worten: »Gib dich Gott hin, du törichter Geist! Ist die Zeit des Todes gekommen, können dich Grammatikregeln gewiß nicht retten …«

Zur Übersetzung von Vers 1
GOVINDA ist einer der vielen Namen von Shrî Krishna und bedeutet bei Shankaras universaler Aussage Gott, das alldurchdringende »uranfängliche Wesen, aus dem das ewige Werden hervorströmt« (Bhagavad-Gîtâ). BHAJ = lieben, verehren, sich hingeben. Im Deutschen liest man für »bhaja Govindam« einstimmig »verehre Govinda«, was eventuell nicht umfassend genug ist. Von Shrî Krishna wird in der Bhagavad-Gîtâ gesagt: »Jene die Mich verehren, indem sie alle Handlungen Mir weihen, mich als Höchstes ansehen, mit auf nichts anderes gerichteter Hingabe über Mich meditieren – diesen, o Arjuna, werde ich zum Retter aus dem Ozean des tödlichen Samsâra!« Richte deinen Geist auf Gott / gib dich Gott hin – das ist die sinnvollste Wiedergabe. MÛDHA = töricht, betört, verwirrt, verblendet, dumpf, kein klares Bewußtsein habend. »Du Narr, du Tor« – Shankaras Wortwahl ist nicht eine Beleidigung eines alten Lehrers, vielmehr die in ihrer Energie liebevolle Aufforderung, die Dinge endlich in der gebotenen Klarheit zu sehen.

Die universale Bedeutung des Bhaja-Govindam
Wer Shankaras Worte einzig an den Gelehrten gerichtet glaubt, wird das wundervolle Gedicht mißverstehen. Spätestens beim zweiten und dritten Vers kämen dann Zweifel auf, da dort vom Hängen am Reichtum und von der Wollust die Rede ist – Dinge, denen der Alte vermutlich entwachsen war. Belehrungen der Meister, selbst wenn sie dem Einzelnen gelten, sind universale Wahrheiten. Man kann seine Zeit mit diesem und jenem, mit so vielem verschwenden. So steht in dieser Hymne »Grammatikregeln« für »nutzloses Wissen«; nutzlos, weil es das Rätsel des Lebens nicht lösen kann. Und Shri Shankara nutzt den Moment, um noch Anderes zu nennen, was ein Finden des Selbst verhindert.

Wenn im dritten Vers drastisch von der Anziehungskraft des weiblichen Körpers gesprochen wird sollte man bedenken, daß der Text über tausend Jahre alt ist. Es sind nicht nur die Männer in Gefahr, sich in den Freuden der Sinne zu verlieren; Brahmacharya, ein Leben in Reinheit und Enthaltsamkeit, gilt für beide Geschlechter. Es gilt, den Geist des Geschriebenen zu verstehen. Wenn Shrî Râmakrishna vor den beiden Gefahren »Frauen und Gold« warnte, war das eine damals bekannte und beliebte Redewendung. Wirklich gemeint sind jedoch nicht die Frauen und das Gold, sondern die Wollust und das Hängen am Materiellen. Die Botschaft der Bhagavad-Gîtâ lautet: »Dreifach ist das Tor zur Hölle, das zur Selbstzerstörung führt: Wollust, Zorn und Gier. Darum gebe man diese drei auf! Der Mensch, der von diesen, den drei Toren zur Finsternis, sich befreit hat, o Arjuna, wirkt für sein Heil und geht daher den höchsten Weg.«

♦ ♦ ♦

Vers 1 (bhajagovindam bhajagovindam … Richte den Geist auf Gott, richte den Geist auf Gott …) wird als Refrain nach jedem der weiteren Verse wiederholt.

♦ ♦ ♦

bhajagovindam bhajagovindam govindam bhajamûdhamate |
samprâpte sannihite kâle nahi nahi rakshati dukriñkarane || 1
 

bhaja = gib dich hin, richte deinen Geist auf … govinda = Gott; mûdha = verwirrt, dumpf, kein klares Bewußtsein habend, dumm, töricht, verblendet; mûdhamate = du törichter Geist; samprâpta = (wenn du) erreicht (hast); sannihita = in der Nähe befindlich, bevorstehend, die Gegenwart, das Herankommen; kâla = der Zeitpunkt (des Todes); nahi = na = nicht; hi = gewiß, wahrlich; rakshati = behütet, schützt, rettet (dich); dukriñkarana = eine Grammatikformel aus Pâninis Buch

»Richte den Geist auf Gott, richte den Geist auf Gott, auf Gott richte den Geist, du Tor! Ist der Zeitpunkt des Todes gekommen, können dich Grammatikregeln gewiß nicht retten.« (1)

mûdha jahîhi dhanâgamatrishnâm kuru sadbuddhim manasi vitrishnâm |
yallabhase nijakarmopâttam vittam tena vinodaya chittam || 2 

mûdha = Narr; jahîhi = jahi = gib auf; iha = hier auf Erden; dhanâgamatrishnâm = trishnâ = den Durst, die Gier, das Verlangen; âgama = Erwerb; dhana = Besitz, Reichtum; kuru = tue, mache; sadbuddhim = sat = gut, rein, heilig; buddhi = Bewußtsein; manasi = im Geist; vitrishnâ = frei von Gier; yallabhase = yat = was immer; labhase = du erhältst; nijakarmopâttam = nija = eigen; karma = Werk, Handlung; upâtta = erhalten; vitta = Besitz, Habe; tena = so, auf diese Weise, dadurch; vinodaya = unterhalte, vergnüge dich, sei zufrieden damit; chitta = Geist 

»O Narr! Gib hier auf Erden den Durst nach Erwerb von Besitz auf; frei von Gier, fülle den Geist mit heiligen Gedanken. Sei zufrieden mit dem, was dir als Frucht der eigenen Handlungen zukommt.« (2)

nârîstanabhara nâbhîdesham drishtvâ mâgâmohâvesham |
etanmâmsâvasâdi vikâram manasi vichintaya vâram vâram || 3
 

nârîstanabhara = nârî = Frau; stana = Brust; bhara = ernährend, erhaltend, voll (mit Milch); nâbhîdesham = nâbhi = Nabel; desha = Ort, Gegend; drishtvâ = gesehen habend; mâgâmohâvesham = mâ = nicht; gâ = gehen, sich begeben zu; moha = Verblendung, Betäubung; âvesha = Benommensein, Ergriffensein; etanmâmsâvasâdi = etad = dies; mâmsa = Fleisch; vasâ = Fett; adi = und so weiter, und anderes, und dergleichen; vikâra = Produkt, Erzeugnis, Umwandlung, Veränderung; manasi = im Geist; vichintaya = denke nach; vâram vâram = wieder und wieder, häufig, oft 

»Laß dich nicht ergreifen von der Verblendung (der Lust), wenn du die vollen Brüste und den Nabel der Frauen siehst. Der Körper ist eine Zusammensetzung von Fleisch, Fett und anderem. Denke darüber nach, wieder und wieder.« (3)

nalinîdalagata jalamatitaralam tadvajjîvitamatishayachapalam |
viddhi vyâdhyabhimânagrastam lokam shokahatam cha samastam || 4
 

nalinîdalagata = nalinî = Lotusblume; dala = Blatt; gata = gegangen, befindlich; jalamatitaralam = jala = Wasser; ati = überaus, sehr; tarala = schwankend, zitternd, unbeständig; tadvajjîvitamatishayachapalam = tadvat = ebenso, gleichfalls; jîvita = Leben; atishaya = überaus, sehr, in hohem Grad; chapala = schwankend, unstet, beweglich; viddhi = wisse; vyâdhyabhimânagrastam = vyâdhi = Krankheit; abhimâna = Eigendünkel, Hochmut, Wahn; grasta = verzehrt, geschluckt, gefressen, ergriffen, gepackt; loka = die Welt; shokahatam = shoka = Kummer, Schmerz; hata = geschlagen, getroffen, geplagt von, leiden an; cha = und; samasta = alle, ganz, insgesamt 

»Wie ein auf dem Lotusblatt schwankender Wassertropfen, ebenso höchst unbeständig ist das Leben. Erkenne daß die ganze Welt von Krankheit, Selbstsucht und Kummer verzehrt wird.« (4)

yâvadvittopârjana saktah tâvannija parivâro raktah |
pashchâjjîvati jarjara dehe vârttâm ko'pi na pricchati gehe || 5
 

yâvadvittopârjana = yâvat = so lange als, wie weit; vitta = Besitz, Geld, Vermögen; upârjana = Erwerb; sakta = beschäftigt mit, gewidmet, hängend an, erfüllt von; tâvannija = tâvat = so lange, so weit; nija = eigen; parivâra = Familie, Umgebung, Gefolge; raktah = eingenommen von, hängend an, entzückt; pashchâjjîvati = pashchât = später, hinterher; jîvati = lebt; jarjara = gebrechlich, zerschlagen; dehe = im Körper; vârttâ = Nachricht, Wort, Erkundigung, »was gibt es Neues?«; ko'pi = ka api = wer auch immer, irgendjemand; na = nicht; pricchati = fragt nach, erkundigt sich; gehe = im Haus 

»Solange jemand fähig ist Geld zu verdienen, hängen die Angehörigen an ihm. Später, wenn er in einem gebrechlichen Körper lebt, fragt niemand im Haus nach ihm.« (5)

yâvatpavano nivasati dehe tâvatpricchati kushalam gehe |
gatavati vâyau dehâpâye bhâryâ bibhyati tasminkâye || 6
 

yâvat = so lange als; pavana = Wind, Atem; nivasati = wohnt, lebt; dehe = im Körper; tâvat = so lange; pricchati = fragt nach, erkundigt sich; kushala = Wohlbefinden; gehe = im Haus; gatavati = gegangen; vâyau dehâpâye = Lok. von vâyu = Lebenskraft; deha = Körper; apâya = Weggang; bhâryâ = Gattin; bibhyati = fürchtet sich, ist in Furcht, erschreckt sich; tasminkâye = vor diesem (tad) Körper (kâya) 

»Solange der Atem im Körper wohnt, erkundigt sich jeder im Haus nach dem Wohlbefinden. Wenn aber die Lebenskraft den Körper verlassen hat, fürchtet sich sogar die Gattin vor diesem Körper.« (6)

bâlastâvatkrîdâsaktah tarunastâvattarunîsaktah |
vriddhastâvaccintâsaktah pare brahmani ko'pi na saktah || 7
   

bâla = Kind; tâvat = so lange, so weit; krîdâ = Spiel; sakta = hängend an, beschäftigt mit, erfüllt von; taruna = Jüngling; tâvat = so lange, so weit; tarunî = Mädchen; sakta = hängend an, beschäftigt mit, erfüllt von; vriddha = alt, groß, erwachsen; tâvaccintâsaktah = tavât = so lange, so weit; cintâ = Sorge; sakta = hängend an, beschäftigt mit, erfüllt von; pare (auch zu lesen: parame) brahmani ko'pi na saktah = ka api = irgendjemand; na = nicht; sakta = hängend an, beschäftigt mit, erfüllt von; para oder parama brahman = höchstes Brahman, Gott

»Als Kind hängt man am Spiel; als Jüngling an der jungen Frau. Im Alter ist man erfüllt von Sorge. (Ach!) Niemand ist erfüllt vom höchsten Brahman.« (7)

kâte kântâ kaste putrah samsâro'yamatîva vichitrah |
kasya tvam kah kuta âyâtah tattvam chintaya tadiha bhrâtah || 8
 

kâte = kâ = wer (als negative Frage); te = deine; kântâ = Frau; kaste (ka + te) putrah = wer dein Sohn; samsâro'yamatîva = samsâra = der Kreislauf der Geburten und Tode; ayam = dieser; atîva = höchst; vichitra = seltsam; kasya = von wem; tvam = du; kah kuta = von wo; âyâtah = gekommen, erreicht, angekommen; tattva = Wahrheit; chintaya = denke nach; tad iha = dies hier (bedeutet: diese Dinge betreffend, denke nach, was die Wahrheit ist); bhrâtar = Bruder  

»Wer ist deine Frau? Wer ist dein Sohn? Höchst seltsam ist dieser Samsâra. Von wem bist du? Von wo bist du gekommen? O Bruder, denke hier über die Wahrheit nach.« (8)

satsangatve nissangatvam nissangatve nirmohatvam |
nirmohatve nishchalatattvam nishchalatattve jîvanmuktih || 9
  

satsangatve = durch den satsanga = die Gemeinschaft (sanga) mit den Guten, Reinen (sat); nissangatva= das Nicht-Anhaften; nissangatve = vom Nicht-Anhaften; nirmohatva = das Freisein von Verblendung; nirmohatve = durch das Freisein von Verblendung; nishchalatattvam = nishchala = unbeweglich, unwandelbar, unveränderlich; tattva = das wahre Wesen, Wahrheit; nishchalatattve = durch die Verwirklichung des wahren Wesens, der eigenen wahren Natur; jîvanmukti = jîvat = lebend; mukti = Erlösung, Befreiung (jîvanmukti = die Befreiung zu Lebzeiten)

»Die Gemeinschaft mit Wahrheitssuchern führt zum Nicht-Anhaften; durch das Nicht-Anhaften entsteht das Freisein von Verblendung. Das Freisein von Verblendung führt zur eigenen wahren Natur. Die Erkenntnis der eigenen wahren Natur ist die Erlösung.« (9)

vayasigate kah kâmavikârah shushke nîre kah kâsârah |
kshînevitte kah parivârah jñâte tattve kah samsârah || 10
  

vayasigate = vayas = Jugend, das kraftvolle Alter, Energie, Gesundheit; gata = gegangen; ka = wer, was, welches; kâmavikâra = Lust, Leidenschaft; shushka = trocken, dürr; nîra = Wasser; ka = wer, was, welches; kâsâra = Teich, See; kshînevitte = kshîna = verschwunden, untergegangen; vitta = Besitz, Habe, Reichtum; ka = wer, was, welches; parivâra = Familie, Angehörige, Freunde, wörtl. »das Gefolge, die Begleitung«; jñâte = erkannt habend; tattve = die Wahrheit; ka = wer, was, welches; samsâra = der Kreislauf der Geburten und Tode, das Getriebe der Welt

»Welche ist die Lust, wenn die Jugend gegangen ist? Wo ist der Teich, wenn das Wasser verdunstet ist? Wo ist das Gefolge, wenn der Reichtum veschwunden ist? Wo ist der Samsâra, wenn man die Wahrheit erkannt hat?« (10)

mâ kuru dhana jana yauvana garvam harati nimeshâtkâlah sarvam |
mâyâmayamidamakhilam buddhvâ (auch: hitvâ) brahmapadam tvam pravisha viditvâ || 11
 

mâ= nicht; kuru = tue, mache; dhana = Besitz, Reichtum; jana = »die Leute« (hier: die Nahestehenden); yauvana = Jugend; garva = Stolz, Hochmut; harati = raubt, nimmt weg; nimeshâtkâlah = nimesha = Augenblick; kâla = Zeit; sarvam = alles; mâyâmayamidamakhilam = mâyâmaya = aus Täuschung (mâyâ) bestehend (maya); idam = dies; akhila = alles, restlos, lückenlos; buddhvâ = zum Bewußtsein gekommen seiend. Statt buddhvâ findet man auch die Lesart hitvâ = aufgegeben, verlassen habend. Der zweite Halbvers lautet dann: »All dies aus Täuschung Bestehende aufgegeben habend, erkenne das Brahman und gehe darin ein.« brahmapada = die Stätte Brahmans, der Brahman-Zustand; tvam = du; pravisha = gehe ein; viditvâ = erkannt habend 

»Sei nicht stolz auf Besitz, Freunde, Jugend. Dies alles nimmt die Zeit in einem Augenblick weg. Ist dir zum Bewußtsein gekommen daß all dies aus Täuschung besteht, erkenne das Brahman und gehe darin ein.« (11)

dinayâminyau sâyam prâtah shishiravasantau punarâyâtah |
kâlah krîdati gacchatyâyuh tadapi na muñchatyâshâvâyuh || 12 

dinayâminyau = dina = Tag; yâminî = Nacht; sâya = Abend; prâta = früh morgens; shishiravasantau = shishira = Winter; vasanta = Frühling; punarâyâtah = punar-âyâti = das Wieder-Kommen; kâla = Zeit; krîdati = spielt; gacchatyâyuh = gacchati = geht; âyu = Leben, Lebenszeit; tad api = hat hier die Bedeutung »aber, dennoch, gleichwohl, nichtsdestoweniger«; na = nicht; muñchatyâshâvâyuh = muñchati = gibt auf, läßt los, läßt frei; âshâ = Wunsch, Hoffnung; vâyu = Wind (bedeutet hier »Sturm«)

»Tag und Nacht, Abenddämmerung und Morgengrauen, Winter und Frühling, sie kommen und gehen. Die Zeit spielt, das Leben schwindet dahin. Aber der Sturm der Wünsche läßt (seinen Griff) nicht los.« (12)

Diese Worte (1–12) stammen von Shrî Shankara selbst. Vers 13 (andere Zählart: 12a) ist eine Einfügung und wird nicht von allen rezitiert:

dvâdashamañjarikâbhirasheshah kathito vaiyâkaranasyaishah |
upadesho bhûdvidyânipunaih shrîmacchankarabhagavaccharanaih || 13 (oder 12a)
  

»Diese Unterweisung wurde als Strauß mit zwölf (Vers-)Blüten einem Grammatiker gegeben vom allwissenden, göttlichen Shrîmat Shankara.« (13 oder 12a)  

Die nächsten Verse (das Werk umfaßt 31, mit Einfügungen – ähnlich 12a – 33 oder 34 Strophen) wurden später von den inspirierten Schülern Shankaras verfaßt, die bei der Belehrung in Kâshî anwesend waren. Man singt das Bhaja-Govindam in unterschiedlicher Verszahl; hier werden Shankaras originale Worte an den alten Gelehrten bevorzugt (1–12). Ab Vers 14 (andere Zählart: 13) ist ein großer Unterschied, in meinen Augen sogar ein deutlicher Bruch zu erkennen. Die Verse der Schüler sind klassisch und schön, dennoch fehlt die unvergleichliche, konzentrierte Direktheit des überragenden Meisters. Die traditionelle Anschauung ist aber, daß die letzten vier oder fünf Verse wiederum von Shrî Shankara sind, der damit dem auf diese Weise entstandenen Werk seinen Segen gab. Daran ist kaum zu zweifeln, schließt doch das Bhaja-Govindam im Vers 34 (andere Zählart: 33) mit den wundervollen Worten:

bhajagovindam bhajagovindam govindam bhajamûdhamate |
nâmasmaranâdanyamupâyam nahi pashyâmo bhavatarane || 34 (oder 33)
  

bhaja = richte den Geist auf … govinda = Gott; mûdhamate = du törichter Geist; nâma = der Name (Gottes); smaranâ = das Gedenken, die Erinnerung; hat hier die klassische Bedeutung »Mantra-Japa«, die Wiederholung des Namens Gottes; anya = anderes; upâyam = Mittel, Art und Weise, Ausweg; na = nicht; hi = gewiß, wahrlich; pashyâmo = sehen wir; bhavatarane = bhava = das Entstehen, Geburt, Existenz, Leben, Welt; tarana = das Hinübersetzen, Überwinden, Retten; Floß, Boot 

»Richte den Geist auf Gott, richte den Geist auf Gott, auf Gott richte den Geist, du Tor! Wahrlich, außer der Erinnerung an den Namen Gottes gibt es keinen anderen Weg, den leidvollen Ozean des Lebens zu überqueren.« (34 oder 33)

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Die Essenz des Yoga [Maitrî-Upanishad VI. 34]

Von den Lehren des Weisen Maitrî wird der 34. Abschnitt des 6. Kapitels am häufigsten zitiert, weil er die Essenz des Yoga ist. Mehr muß ein Sucher der Wahrheit nicht wissen. Es sei besonders auf den zweiten Halbvers 3 hingewiesen, er ist die Essenz der Essenz: yach chittas tanmayo bhavati guhyam etat sanâtanam – »So wie man denkt, so wird man; das ist das ewige Geheimnis!«

Ein Kommentar zu VI. 34 erübrigt sich, alles ist klar. Nur zu Vers 8: »bis er zum Untergang gegangen ist (kshayam gatam)« bedeutet: bis er sich auflöst; und »eine Ausdehnung der Knoten (grantha-vistarâh)« heißt: eine Verstärkung der Fessel, die an den Samsâra, an den leidvollen Kreislauf der Geburten und Tode bindet. Man findet dafür auch die freie Wiedergabe »das ist die Freiheit! Alles andere sind unnütze Worte, oder: alles andere ist Bücherweisheit.« Schließlich Vers 10: »Wie man Wasser nicht von Wasser unterscheiden kann …« bedeutet: Mit dem Auflösen des Geistes ist die Vielheit verschwunden, es gibt nur noch das Eine ohne ein Zweites.

Der Abschnitt 34 beginnt mit den Worten »… hier erreicht der Yogin den Zustand des geistigen Friedens (manah-shânti-padam). Er richtet den Geist auf das Selbst. Dazu gibt es diese Verse«:

♦ ♦ ♦

yathâ nirindhano vahnih svayonâv upashâmyate |
tathâ vritti-kshayâch chittam svayonâv upashâmyate || 1

»Wie Feuer ohne Brennstoff im Herd erlöscht, so erlischt der Geist in seinem Ursprung, wenn die Unruhe des Denkens aufhört.« (1)

svayonâv upashântasya manasah satyakâmatah |
indriyârtha-vimûdhasyânritâh karma-vashânugâh || 2

»Das Denken kommt zur Ruhe in seinem Ursprung für den, der sich nach Wahrheit sehnt. Wer aber von den Sinnesobjekten verwirrt ist, lebt in der Unwahrheit als Folge seines Handelns.« (2)

chittam eva hi samsâram tat prayatnena shodayet |
yach chittas tanmayo bhavati guhyam etat sanâtanam || 3

»Der (eigene) Geist, wahrlich, ist der Samsâra; ihn zu reinigen soll man sich bemühen. So wie man denkt, so wird man; das ist das ewige Geheimnis!« (3)

chittasya hi prasâdena hanti karma shubhâshubham |
prasannâtmâtmani sthitvâ sukham avyayam ashnute || 4

»Durch den Frieden des Geistes vernichtet er die (Folgen der) guten und schlechten Werke. Mit friedvollem Geist im Selbst ruhend, erlangt er unvergängliche Freude.« (4

samâsaktam yathâ chittam jantor vishaya-gochare |
yady evam brahmani syât tat ko na muchyeta bandhanât || 5

»Wenn die Menschen ebensosehr an Gott hingen wie sie an den Sinnesobjekten hängen, wer würde dann nicht aus der Gefangenschaft befreit?« (5)

mano hi dvividham proktam shuddham châshuddam eva cha |
ashuddham kâmasamparkât shuddham kâma-vivarjitam || 6

»Der Geist eines Menschen ist zweifach: rein und unrein. Unrein durch die Berührung mit den Wünschen; rein, wenn von Wünschen frei.« (6)

laya-vikshepa-rahitam manah kritvâ sunishchalam |
yadâ yâty amanîbhâvam tadâ tat paramam padam || 7

»Den Geist freigemacht habend von Trägheit und Zerstreutheit, ganz unbeweglich, gelangt er zum Nichtsein des Geistes, dann zu jener höchsten Stätte.« (7)

tâvan mano niroddhavyam hridi yâvat kshayam gatam |
etaj jñânam ca moksham ca sheshânye granthavistarâh || 8

»So lange muß der Geist im Inneren stillgelegt werden, bis er zum Untergang gegangen ist; das ist die Erkenntnis, die Freiheit! Alles andere ist nur eine Ausdehnung der Knoten.« (8)

samâdhi-nirdhauta-malasya chetaso niveshitasyâtmani yat sukham bhavet |
na shakyate varnayitum girâ tadâ svayam tad antahkaranena grihyate || 9

»Wessen Geist durch Versenkung von allem Übel rein geworden ist und im Selbst ruht, erfährt ein Glück, das mit Worten nicht zu beschreiben, nur im Innersten zu begreifen ist.« (9)

apâm âpo'gnir agnau vâ vyomni vyoma na lakshayet |
evam antargatam yasya manah sa parimuchyate || 10

»Wie man Wasser nicht von Wasser, Feuer nicht von Feuer, den Äther nicht vom Äther unterscheiden kann, ebenso ist jener völlig befreit, dessen Geist im Inneren sich aufgelöst hat.« (10)

mana eva manushyânâm kâranam bandha-mokshayoh |
bandhâya vishayâsangim moksho nirvishayam smritam || 11

»Der Geist, wahrlich, ist für die Menschen die Ursache von Bindung und Befreiung. Zur Bindung führt er durch das Haften an der Sinnenwelt, zur Befreiung durch Loslösung davon.« (11

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Der Guru [Guru-Gîtâ 76]

Zehn Wahrheitssucher werden eventuell zehn verschiedene Antworten geben, wenn sie nach der Essenz des spirituellen Weges gefragt werden. In den Augen vieler sind es die folgenden Worte aus der Guru-Gîtâ (Vers 76), denn sie handeln vom größten aller Geheimnisse.

dhyânamûlam gurormûrtih pûjâmûlam guroh padam |
mantramûlam gurorvâkyam mokshamûlam guroh kripâ ||

»Die Wurzel der Meditation ist die Gestalt des Gurus; die Wurzel der Verehrung sind die Füße des Gurus; die Wurzel des Mantra ist das Wort des Gurus; die Wurzel der Erlösung ist die Gnade des Gurus.«

In zahlreichen Âshramas wird täglich die gesamte Guru-Gîtâ rezitiert. Es gibt Differenzen bei der Zählung der Verse. Da die Guru-Gîtâ ein Teil des riesigen Skanda-Purâna ist, werden von manchen nur »die ganz wichtigen« Shlokas ausgewählt; andere wiederum möchten den vollen Text. Entsprechend sind die Verszählungen etwas unterschiedlich.

Als Essenz gilt eigentlich der berühmte Shloka gururbrahmâ gururvishnurgururdevo maheshvarah gurureva param brahma tasmai shrîgurave namah»der Guru ist Brahmâ, der Guru ist Vishnu, der Guru ist Shiva; der Guru ist wahrlich das höchste Brahman; Verehrung Ihm, dem strahlenden Guru!« Viele halten den folgenden Vers für noch bedeutender, denn er enthält die Geheimnisse der Praxis des spirituellen Weges: Was ist die Wurzel (mûla – auch: Essenz, Grundlage) der Meditation? Was ist die Essenz aller Verehrungsrituale, die wahre Pûjâ? Der Guru-Mantra als Schlüssel der spirituellen Praxis. Schließlich das größte aller Geheimnisse: Wer ist der Guru, was bewirkt er, wie führt er seine Schüler zur Freiheit?

Zur letzten Frage sei Shrî Ramana Maharshi zitiert: »Die Gnade des Meisters trägt mehr zur Selbstverwirklichung bei als Lehren, Vorlesungen, Meditation, usw. Diese sind nur zweitrangige Hilfen, während die Gnade des Meisters die erste und wesentliche Ursache ist.«


Die Worte des Maharshi, und die Endworte von Vers 76 (mokshamûlam guroh kripâ) setzen den Glauben an den Guru voraus, und das Wissen, wie wichtig er für den Sucher der Wahrheit ist. Bei derartigen Aussagen hält sich der Verfasser der Guru-Gîtâ nicht zurück. Man denke nur an Vers 44: »shive kruddhe gurustrâtâ gurau kruddhe shivo na hi | tasmât sarvaprayatnena shrîgurum sharanam vrajet || – Wenn Shiva erzürnt ist, kann der Guru dich retten; wenn aber der Guru erzürnt ist, kann nicht einmal Shiva dich retten. Nimm deshalb Zuflucht zum Guru mit all deiner Kraft.« Die Guru-Gîtâ ist etwas für Devotees.

Man verinnerliche in diesem Zusammenhang auch den Refrain aus dem Gurvasthakam, die unsterblichen Worte von Shrî Shankarâchârya: manashchenna lagnam guroranghripadme tatah kim tatah kim tatah kim tatah kim – Wenn aber der Geist nicht an den Lotusfüßen des Gurus hängt, wozu (dies alles)? Wozu? Wozu? Wozu? 

gururbrahmâ gururvishnurgururdevo maheshvarah |
gurureva param brahma tasmai shrîgurave namah ||

»Der Guru ist Brahmâ, der Guru ist Vishnu, der Guru ist Shiva; der Guru ist wahrlich das höchste Brahman; Verehrung Ihm, dem strahlenden Guru!«

anekajanmasamprâpta karmabandhavidâhine  |
âtmajñânapradânena tasmai shrîgurave namah ||

»Verehrung Ihm, dem strahlenden Guru, der die Fesseln des in vielen Geburten angesammelten Karmas verbrennt, indem er Selbst-Erkenntnis schenkt!«

dhyânamûlam gurormûrtih pûjâmûlam gurohpadam  |
mantramûlam gurorvâkyam mokshamûlam guroh kripâ ||

»Die Wurzel der Meditation ist die Gestalt des Gurus; die Wurzel der Verehrung sind die Füße des Gurus; die Wurzel des Mantra ist das Wort des Gurus; die Wurzel der Erlösung ist die Gnade des Gurus!«

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Gurvashtakam [Shrî Shankarâchârya]

Gurvashtakam (Guru+Ashtakam) = das Oktett (ashtaka) an den Guru. Das ehrfurchtsvolle Shrî ist meist vorangesetzt (shrî = Licht/Glanz verbreitend, hervorleuchten; Herrlichkeit, Pracht, Würde, Heiligkeit): Shrî-Guru-Ashtakam = Acht Verse über den strahlenden Guru.

Nach den Sandhi-Regeln des Sanskrit (die Verbindung von Wörtern) sind viele Begriffe nicht einfach zu lesen. So besteht das manashchenna in jedem Vers aus manah-ched-na. Deshalb ist eine Wort-für-Wort-Erklärung sinnvoll. Da andererseits versucht wird die Texte auf dieser Seite möglichst kurz zu halten, sei beim Gurvashtakam (wie bei der Maitrî-Upanishad) auf eine detaillierte Wiedergabe verzichtet; wichtig ist daß man begreift worum es geht.

Eine Ausnahme: der zweite Halbvers, da er in allen Versen vorkommt. Er ist die Essenz; darauf legt Shrî Shankara das Gewicht. Der Geist erhält förmlich einen Schlag wenn man das viermal geäußerte tatah kim (wozu dies alles) vernimmt. 

manashchenna lagnam guroranghripadme tatah kim tatah kim tatah kim tatah kim

manashchenna = manah = der Geist; ched = wenn; na = nicht; lagna = Vergangenheitsform von lag (sich heften an, sich hängen an, sich anschließen, hängenbleiben an, haften, sich anschmiegen; guroranghripadme = guroh = des Guru; anghri = Fuß; padma = Lotus; tatah kim = tatah = von daher, dann, deshalb; kim = was? warum? wozu? was nützt das?

»Wenn aber der Geist nicht an den Lotusfüßen des Gurus hängt, wozu dies alles (wörtlich: dann wozu?) ? Wozu? Wozu? Wozu?«

Eine weitere Ausnahme betrifft Vers 1, da es zwei Lesarten gibt: sharîram surûpam tathâ vâ kalatram und sharîram surûpam sadâ roga muktam. Daher auch hier etwas genauer: 

sharîra = Körper; su = sehr, wohl, sehr gut, schön; rûpa = das Äußere, Gestalt, Form, Bild, Aussehen; erste Lesart: tathâ vâ = so, ebenso, desgleichen; kalatra = Ehefrau; zweite Lesart: sadâ = immer, stets; roga = Krankheit, Gebrechen; mukta = frei von, befreit, erlöst 

Erste Lesart: »Man mag einen wohlgeformten Körper haben, und eine schöne, anziehende Ehefrau …«

Zweite Lesart: »Man mag einen stattlichen Körper haben, der immer frei von Krankheit ist …«

Obwohl die erste Lesart überwiegt, paßt sie weder inhaltlich (sie ist geradezu albern) noch in die Logik eines Meisters. Die zweite Lesart ist stimmig: Es ist gutes Karma, einen starken, nicht behinderten Körper zu haben, der noch dazu ein Leben lang frei von Krankheit ist … Das sind zwei verschiedene essentielle Dinge, die einer gesonderten Erwähnung bedurften. Die in meinen Augen korrekte Lesart von Vers 1 steht unten.

Schließlich eine Anmerkung zum letzten Vers, zur Übersetzung von mano vartate me – »mein (me) Geist (manas) lebt in (vartate) …« vrit, vart hat die Bedeutungen: sich drehen, sich bewegen, existieren, bestehen, verweilen, wohnen, etwas im Sinn haben, sich mit einer Sache beschäftigen, einer Sache obliegen. Der Geist »lebt« in den Dingen, an die er denkt.

Mein Geist lebt nicht im Wald (aranye) = ich beschäftige mich nicht mehr mit dem Dasein eines Eremiten in den Wäldern, ich bin darüber hinausgegangen. Mein Geist lebt nicht im eigenen Haus (svasya gehe) = ich erfülle meine familiären Pflichten getreu meinem Dharma, hafte aber nicht mehr an ihnen. Mein Geist lebt nicht im Körper (dehe) = ich habe aufgehört mich mit ihm zu identifizieren. Mein Geist lebt nicht im Unschätzbaren (anarghye) = ich strebe nicht mehr nach den angeblich so wertvollen materiellen Dingen; für mich sind »Gold und Lehm das gleiche« (so die Worte von Shrî Râmakrishna). Und dennoch, spricht Shri Shankara, ist diese hohe Stufe nicht genug. Fehler können noch gemacht werden, die Gefahr von Rückschlägen ist immer da. Die endgültige Erlösung erreicht man durch Guru-Kripâ, durch die sichere Führung und die unbegreifliche Liebe des Guru. Dies ist das verborgenste aller Geheimnisse.

♦ ♦ ♦

sharîram surûpam sadâ roga muktam yashashchâruchitram dhanam meru-tulyam |
manashchenna lagnam guroranghripadme tatah kim tatah kim tatah kim tatah kim || 1

»Ein stattlicher Körper, frei von Krankheit ein Leben lang; der Ruhm glänzend und angenehm; der Reichtum so groß und beständig wie der (Weltberg) Meru; wenn aber der Geist nicht an den Lotusfüßen des Gurus hängt, wozu (dies alles)? Wozu? Wozu? Wozu?« (1)

kalatram dhanam putra-pautrâdi sarvam griham bândhavâh sarvametaddhi jâtam |
manashchenna lagnam guroranghripadme tatah kim tatah kim tatah kim tatah kim || 2

»Ehefrau, Reichtum, Sohn, Enkel und so fort, alles; Haus, Freunde – dies alles wahrlich (mag) vorhanden (sein); wenn aber der Geist nicht an den Lotusfüßen des Gurus hängt, wozu (dies alles)? Wozu? Wozu? Wozu?« (2)

sadangâdivedo mukhe shâstravidyâ kavitvâdigadyam supadyam karoti |
manashchenna lagnam guroranghripadme tatah kim tatah kim tatah kim tatah kim || 3

»Den Veda mit seinen sechs Teilen auf den Lippen (und auch) die Kenntnis der (anderen) Schriften (habend), die Fähigkeit zu Dichtkunst und Prosa; wenn aber der Geist nicht an den Lotusfüßen des Gurus hängt, wozu (dies alles)? Wozu? Wozu? Wozu?« (3)

videsheshu mânyah svadesheshu dhanyah sadâcâravritteshu matto na chânyah |
manashchenna lagnam guroranghripadme tatah kim tatah kim tatah kim tatah kim || 4

»Geachtet in der Fremde, glücklich in der Heimat; von niemandem übertroffen auf den Pfaden des rechten Lebenswandels; wenn aber der Geist nicht an den Lotusfüßen des Gurus hängt, wozu (dies alles)? Wozu? Wozu? Wozu?« (4)

kshamâmandale bhûpabhûpâlavrindaih sadâ sevitam yasya pâdâravindam |
manashchenna lagnam guroranghripadme tatah kim tatah kim tatah kim tatah kim || 5

»Die Schar der Könige des Erdkreises mag (einem) immer (huldigend) zu Füßen liegen; wenn aber der Geist nicht an den Lotusfüßen des Gurus hängt, wozu (dies alles)? Wozu? Wozu? Wozu?« (5)

yasho me gatam dikshu dânapratâpat-jagadvastu sarvam kare yatprasâdat |
manashchenna lagnam guroranghripadme tatah kim tatah kim tatah kim tatah kim || 6

»In alle Richtungen ist mein Ruhm vorgedrungen durch die Macht der Gaben; alle Dinge der Welt sind infolge dieser Gunst in (meiner) Hand; wenn aber der Geist nicht an den Lotusfüßen des Gurus hängt, wozu (dies alles)? Wozu? Wozu? Wozu?« (6)

na bhogo na yogo na vâ vâjirâjau na kântamukhe naiva vitteshu chittam |
manashchenna lagnam guroranghripadme tatah kim tatah kim tatah kim tatah kim || 7

»Der Geist (hängt) nicht (mehr) am Genuß der Sinne, nicht an dem durch Yoga-Übung Erreichtem; nicht an Heldentum und Königswürde, nicht am Antlitz der Geliebten, nicht an den Besitztümern; wenn aber der Geist nicht an den Lotusfüßen des Gurus hängt, wozu (dies alles)? Wozu? Wozu? Wozu?« (7)

aranye na vâ svasya gehe na kârye na dehe mano vartate me tvanarghye |
manashchenna lagnam guroranghripadme tatah kim tatah kim tatah kim tatah kim || 8

»Mein Geist lebt nicht in den Wäldern, nicht im eigenen Haus, nicht in dem (alltäglich) zu Tuenden, nicht im Körperlichen, nicht im (Wunsch nach) unschätzbaren (materiellen Dingen); wenn aber der Geist nicht an den Lotusfüßen des Gurus hängt, wozu (dies alles)? Wozu? Wozu? Wozu?« (8)

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Reinigung und Verwandlung des Geistes durch das Sattva-Guna

Ein Auszug aus den Heilwirkungen:

Guna bedeutet »Eigenschaft, Qualität, Zustandsform, Schwingung«. Ich bevorzuge den letzten Begriff, weil er am meisten aussagt und für den Alltag praktisch ist. Die Gunas sind Zustandsformen der Natur, Schwingungsformen der Urkraft.

Es gibt drei Gunas: Sattva, die Schwingung des Lichtes, des Guten, der Wahrheit, Reinheit, Harmonie; Rajas, die Schwingung des Feuers, der Aktivität, der Leidenschaft; Tamas, die Schwingung der Finsternis, Verblendung, Unwissenheit, Trägheit. Natürlich gibt es nicht nur drei Schwingungen; die möglichen Mischformen entsprechend dem prozentualen Anteil der Gunas ergeben zahllose Schwingungen (z.B.: 10 % Sattva, 40 % Rajas, 50 % Tamas).

Der Wahrheitssucher strebt zum Licht, zum Sattva-Guna. Rajas, die Aktivität, gilt als positiv wenn sie erhebt, zum Sattva führt; dasselbe Rajas ist negativ wenn die Dynamik den Handelnden zum Schlechten, zum Tamas hinunterzieht. Am Ende des geistigen Weges aber müssen alle Gunas überwunden werden; der Befreite ist der Gunâtîta, »der über die Gunas Hinausgegangene«. Um gut zu werden, muß man gute Wünsche hegen und die schlechten aufgeben. Das Erreichen der Erleuchtung setzt voraus, daß man restlos alle Wünsche hinter sich läßt.

Wir lesen in der Bhagavad-Gîtâ: »Sattva ist wegen seiner Makellosigkeit strahlend und leidlos, aber es bindet durch Hängen am Glück und durch Hängen am Wissen. Rajas ist das Wesen der Leidenschaft; es erzeugt den Durst und das Anhaften. Es bindet den Menschen durch das Hängen am Werk. Tamas ist aus dem Nichtwissen entstanden und verblendet alle Wesen. Es bindet durch Sinnenrausch, Faulheit, Schlaf. Sattva bindet ans Glück, Rajas ans Handeln; Tamas verhüllt das Wissen und bindet an den Rausch der Sinne und der Sorglosigkeit.«

Das Wissen von den Gunas ist für jeden Menschen, der sich auf dem spirituellen Weg befindet, wichtig. Im Alltag kommt es bei den Gunas nicht darauf an den eigenen inneren Zustand festzustellen; ob man beispielsweise friedvoll und klar ist (Sattva), irgendwelchen Begierden unterworfen (Rajas), depressiv oder ängstlich (Tamas) usw., denn dies sind schnell wechselnde Schwingungen. Die Frage ist nicht, in welchem Zustand bin ich, vielmehr: Wie kann ich den grundsätzlich schlechten Tamas-Zustand verändern? Auf die Klage eines Besuchers, für den es unerklärlich war, warum der Geist derart schnell von Zustand zu Zustand wechselt, antwortete Shrî Ramana Maharshi, das sei eben das Spiel der Gunas, dem alle Wesen ohne Unterlaß ausgesetzt sind. Man dürfe sich durch ein momentanes Tamas nicht entmutigen lassen; wenn aber gerade das Sattva vorherrschend sei, »halte man sich daran und mache das beste daraus«. Dieser tröstende Satz enthält den Kern der Sache: Durch welche äußeren Dinge vermag man etwas zu ändern? Die Natur – also alles – besteht aus den drei Gunas; und je nachdem welcher Schwingung ein Mensch sich aussetzt, verändert dies den Geist.

Zweieinhalb der 18 Kapitel in der Bhagavad-Gîtâ handeln von den Gunas. Wenige Verse genügen, um den Geist des Gesagten zu erfassen. Shrî Krishna spricht zu Arjuna:

»Wenn in allen (Sinnes)toren in diesem Körper das Licht des Wissens aufleuchtet, dann hat Sattva zugenommen. Begierde, Tatendrang, Unternehmen von Taten, Unruhe, Verlangen: diese entstehen, wenn Rajas zunimmt. Finsternis des Geistes, Untätigkeit, Berauschtheit und Verblendung: diese entstehen, wenn Tamas zunimmt.«

»Eine Handlung, die ohne Anhaften und ohne Zuneigung und Abneigung von einem nicht nach ihrer Frucht Verlangenden getan wird, sie wird sattvisch genannt. Eine Handlung, die von einem nach Sinnenfreuden Begehrenden oder von Ich-Sucht Erfüllten in großer Anstrengung getan wird, sie wird rajasisch genannt. Eine Handlung, die aus Verblendung getan wird, ohne Rücksicht auf die Folgen, auf Verlust, auf Schädigung anderer, auf die eigenen Fähigkeiten – sie wird tamasisch genannt.«

»Frei vom Anhaften, kein ›Ich‹-Sager, voller Festigkeit und Tatkraft, in Erfolg und Mißerfolg unverändert bleibend – dieser Handelnde wird sattvisch genannt. Leidenschaftlich, begierig nach den Früchten der Werke, habsüchtig, von verletzendem Wesen, unrein, von Freude und Kummer erfüllt – dieser Handelnde wird rajasisch genannt. Ohne Selbstbeherrschung, von niedriger Gesinnung, starrköpfig, falsch, böswillig, faul, kleinmütig, zaudernd – dieser Handelnde wird tamasisch genannt.«

»Der Verstand, der rechtes Handeln und rechtes Sich-Enthalten, zu Tuendes und zu Unterlassendes, zu Fürchtendes und nicht zu Fürchtendes, Bindung und Befreiung erkennt – dieser ist sattvisch, o Arjuna. Der Verstand, der den Dharma (einfach ausgedrückt: das Gute) und den Adharma (das Nicht-Gute), das zu Tuende und zu Unterlassende nicht in der rechten Weise erkennt, dieser ist rajasisch. Der von Finsternis umhüllte Verstand, der den Adharma für den Dharma hält und alle Dinge verkehrt sieht, er ist tamasisch.«

»Die Festigkeit, mit der man die Tätigkeiten des Geistes, des Prâna und der Sinne beherrscht, diese durch Yogaübung unerschütterliche Festigkeit ist sattvisch, o Arjuna. Die Festigkeit, mit der man an den Wünschen und am Besitz festhält, an ihnen haftend nach den daraus erwachsenden Früchten begehrend, diese Festigkeit ist rajasisch. Die Festigkeit, mit der ein Ignorant nicht von Schlaf, Furcht, Kummer, Niedergeschlagenheit und dem Rausch der Sinne abläßt, diese ist tamasisch.«

Über sattvische, rajasische und tamasische Nahrung siehe in »Ernährung und Gesundheit«.

Das Lesen religiöser Schriften, der Biographien von Heiligen usw. erhebt und reinigt den Geist, es ist sattvisch; so kann man sich leicht vorstellen, was unter herabziehender, dem Geist schadender tamasischer Lektüre, Malerei usw. zu verstehen ist.

Dem Thema »Musik und Geist« wird im zweiten Band der Heilwirkungen ein eigenes Kapitel gewidmet; hier genügen drei Beispiele für einen Überblick (sie mögen vielleicht als zu extreme Gegensätze erscheinen; umso schneller begreift man, worum es geht): Die »Historia der Geburt Jesu Christi« von Heinrich Schütz ist musikalisch reinstes Sattva; ein feuriger Flamenco oder die kraftvollen russischen Kosakentänze sind typische Vertreter von Rajas-Musik; die zur Zeit modische Rap-Musik ist in Geräusche umgesetzte Ignoranz, finsterstes Tamas, eine Bankrotterklärung in jeder Hinsicht.

Es ist nicht nötig, weitere Beispiele anzuführen zur Klärung der Frage, was ist Sattva, was ist Rajas und Tamas. Vor allem die Aussagen der Bhagavad-Gîtâ vermitteln ein klares Bild; der Rest ist durch Betrachtung leicht herauszufinden. Am Anfang jeder Handlung steht ein Wunsch bzw. Gedanke. Alles beginnt mit dem Geist, und er beeinflußt die Materie. Es gilt aber auch umgekehrt, wie an früherer Stelle erwähnt: Der Geist (er gehört im Verständnis des Yoga zur Materie) ist durch materielle Schwingungen zu beeinflussen. Die Gunas wirken damit über den Geist auf das gesamte psychophysische System.

Zusammenfassend mag die Wiederholung einiger Sätze aus dem 6. Kapitel der Heilwirkungen angebracht sein:

Alles Positive, Harmonische, Friedvolle, Reine, Erhebende, moralisch Starke und Gute, das wir, bewußt oder unbewußt, sehen, hat eine positive, harmonisierende, befriedende, reinigende, erhebende, stärkende Wirkung auf den Geist. Der Anblick negativer, disharmonischer, unreiner, moralisch schlechter und herabziehender Dinge, Bilder von Schwäche jeder Art senken das Energieniveau und verdunkeln den Geist. Das Hören von Musik, welche den Gesetzen der Harmonie entspricht, zur Ruhe bringend und kraftvoll erhebend; von reiner Musik, in der nicht das Ego des Komponisten durchklingt; das Vernehmen der Stimme eines energiegeladenen, in sich ruhenden Menschen; von positiven, sinnvollen, heilsamen Gesprächen, bei denen es nicht um persönliche Dinge geht – dies reinigt den Geist und erhebt ihn auf die Schwingung des Sattva. Das Hören von disharmonischer Musik; von Musik leidender und orientierungsloser Menschen; Gespräche mit Personen, die nur ein Thema kennen, nämlich sich selbst; die ständig unsachlich urteilen, kritisieren, sich beklagen – dies hat die sofortige Senkung des Energieniveaus zur Folge und zieht den Geist in das verderbliche Tamas.

Vieles sieht oder hört man bewußt, weit mehr jedoch unbewußt (wir sind Tag und Nacht, das heißt zwangsläufig: meist unbewußt unter dem Einfluß zahlloser Schwingungen). Ein Wahrheitssucher strebt nach Bewußtheit; er will die sattvischen Schwingungen, er sucht sie. Und wenn er sich, was naturgemäß und unvermeidbar ist, einer Tamas-Welle ausgesetzt sieht (Zweifel, Niedergeschlagenheit, Mutlosigkeit, Depression, Erschöpfung und dergleichen), dann weiß er, wie dieser Zustand zu ändern ist.

Im Folgenden wird man einige – natürlich subjektive – Anregungen zu Dingen finden, die den aufgewühlten, verwirrten, geplagten, bedrängten Geist beruhigen, reinigen, heilen, in höhere Schwingungen erheben.

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Das Gleichnis von den Fischerfrauen und dem Blumenduft

Dieses herrliche Gleichnis von Shrî Râmakrishna findet man im 1898 erschienenen Buch von Prof. Max Müller: Ramakrishna. His Life and Sayings und ist dort unter Spruch 174 verzeichnet.

174. »Eine Gruppe von Fischerfrauen, die sich an einem Nachmittag auf dem Heimweg von einem weit entfernten Markt befanden, wurden bei Einbruch der Dunkelheit mitten auf ihrem Weg von einem heftigen Hagelschauer überrollt, und sie waren gezwungen, in einem nahe gelegenen Blumenladen Schutz zu suchen. Dank der Freundlichkeit des Blumenhändlers durften sie in dieser Nacht in einem seiner Zimmer schlafen, in dem einige Körbe mit duftenden Blumen zur Versorgung seiner Kunden aufbewahrt wurden. Die Atmosphäre des Zimmers war zu gut für die Fischerfrauen, und sie konnten deshalb kein Auge zutun, bis eine von ihnen einen Vorschlag zur Abhilfe machte, indem sie sagte: ›Jede von uns sollte ihren leeren Fischkorb dicht vor die Nase halten und so verhindern, dass dieser lästige Blumenduft in unsere Nasenlöcher dringt und uns den Schlaf raubt.‹ Alle stimmten dem Vorschlag freudig zu und handelten entsprechend, und bald begannen alle zu schnarchen. Dies ist wahrlich die Macht und der Einfluss schlechter Gewohnheiten auf all jene, die ihnen verfallen sind.«

Der weltliche Mensch, »verrückt nach Sinnenfreuden und von Lust versklavt«, kann nicht lange in einer Atmosphäre des Sattva-Guna sein, ohne Unruhe und Unwohlsein zu empfinden.

Auffällig ist dies beim Thema »was durch Augen und Ohren in den Geist gelangt«. Überwältigt von einer Flut an schlechter Musik und dämonischen Bildern, findet der Mensch der modernen Gesellschaft sattvische Bücher, Filme und Musik »langweilig, altmodisch, reizlos«. Aber das Lesen guter Schriften, das Betrachten guter Filme, das Hören sattvischer Musik wird den Geist wieder umpolen – ein Mindestmaß an gutem Willen vorausgesetzt.

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Anregungen zu sattvischen Büchern

»Die Zahl der Bücher ist unendlich, und die Zeit ist kurz!« [Swâmî Vivekânanda, 1863–1902]

1.
An erster Stelle steht natürlich das Buch der Bücher, die wichtigste Schrift der Menschheit – Shrîmad-Bhagavad-Gîtâ, mit den Worten Wilhelm von Humboldts »Das Tiefste und Erhabenste, was die Welt aufzuweisen hat.« Obwohl es darin um einen Kampf (Rajas) geht, führt das Zwiegespräch von Shrî Krishna und Arjuna ins reinste Sattva – und darüber hinaus, denn am Ende müssen alle Gunas überwunden werden, um das höchste Ziel zu erreichen. Der Befreite ist der Gunâtîta, »der über die Gunas Hinausgegangene«.

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Anregungen zu sattvischen Filmen

1.
Die wundervoll ruhig und andächtig erzählte Geschichte von Shrî Ramana Maharshi, den meisten anderen verfügbaren ähnlichen Videos vorzuziehen. Mit fantastischen Bildern des Meisters. Reinstes Satta-Guna. Sprache: englisch. Hinweis: Die angebotenen Untertitel enthalten viele Fehler und sind daher nur bedingt zu empfehlen. [Dauer: 1.12.45]

2.
Ein alter bengalischer Film über Shrî Râmakrishna (Jahr 1955) mit leider sehr schlechter Bild- und Tonqualität. Einen Wahrheitssucher stört das aber nicht, der Film ist ein Juwel. Hauptdarsteller Kanu Banerjee hat eine erstaunliche Ähnlichkeit mit dem Meister. Sprache: bengalisch, mit englischen Untertiteln. Der Film ist reinstes Sattva-Guna. Falls dieser Link bei YouTube verschwinden sollte, hier eine zweite Möglichkeit. [Dauer: 2.20.27]

3.
»Dieser Film ist eine bescheidene Hommage an den großen Baba Neeb Karori Maharaj, der eine wundervolle Metapher für die erhabenen Wesen ist, die das Land Indien seit Jahrtausenden durchstreifen.« So heißt es in der Einleitung zu dieser bewegenden Dokumentation (Jahr 2020, Sprache indisch/englisch, Untertitel englisch) über den Heiligen Nîb Karorî Bâbâ (im Westen mehr bekannt als Neem Karoli Baba, siehe dazu meine Anmerkung hier) mit ergreifenden Schilderungen persönlicher Erlebnisse und Anekdoten, und mit Bildern des Bâbâ. Es gibt eine Fassung von 129 Minuten und eine längere, noch bessere Version (166 Minuten) mit zusätzlichen Berichten. Das inspirierende, an vielen Stellen tränentreibende Werk schwingt in reinem Sattva-Guna. Da jemand den Film illegal auf YouTube hochgeladen hat entschloß sich Windfall of Love (Herausgeber) ebenfalls für einen Upload der kürzeren Version (Link) und auch der – wie gesagt: noch besseren – längeren (Link) auf YouTube, in diesem Fall ohne Werbeunterbrechungen.

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Zwei Zwischenbemerkungen:

1. Ich weiß, Google (= YouTube) hat sich in den letzten 3 Jahren durch schlimme Manipulationen bezüglich Klimawandel und Coronavirus von dem vielzitierten »Don't be evil«-Image ins Gegenteil verkehrt, Google ist böse. 90 Prozent der Musikvideos, insbesondere vom Genre Bhajan, sind aber nun einmal nur auf YouTube zu finden ...

2. Um die bei solchen Videos stets deplatzierten Werbeeinblendungen von YouTube zu umgehen ist die Einrichtung eines Werbeblockers zwingend geboten.

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Anregungen zu sattvischer Musik – Indien

»Indische Musik orientiert sich ausschließlich am Zweck der göttlichen Kommunikation.« [M. S. Subbulakshmi Amma, 1916–2004]

Das berühmte »purnam adah …«, eine Anrufung des Friedens (shânti) aus der Îsha-Upanishad, ist einer der wichtigsten Mantras überhaupt. Eine genauere Erklärung dazu findet man hier. Die meisten westlichen Vertonungen des purnam adah sind schlimm, eine Verhunzung heiligster Worte. Aber auch in Indien hat man nicht immer die Garantie einer korrekten Aussprache, seltsam. Diese Rezitation ist sehr gut. [Dauer: 01.25]

Eine wundervolle Mischung von Energie (Rajas) und Transzendenz (Sattva) sind diese zeitlosen Rezitationen von Priestern aus Kashi (Benares), man fühlt sich um dreitausend Jahre zurückversetzt in das alte Indien. So bemerkt ein indischer Kommentator: »Diese Gesänge geben mir Energie und bringen mich in die vedische Welt.« Nebenbei sieht man hier stimmungsvolle, inspirierende Bilder der Ghats (Badestellen) am Ganges in Kashi. [Dauer: 06.36]

Die allererste Rezitation der Bhagavad-Gîtâ, auf die ich traf, ist mir nach wie vor die liebste (Swâmî Brahmânanda). Gute Aussprache in ruhiger, meditativer Schwingung.

Die Sängerin Sooryagayathri ist heute ein Star (wie man so sagt). Eine der ersten Glanztaten ist ihre frühe Version des berühmten »Hanuman Chalisa«. Wenn ein neunjähriges Kind zu einer derartigen Leistung, zu solcher Reinheit und Hingabe fähig ist, dann gibt es noch Hoffnung für diese armselige Welt. [Dauer: 10.12]

Perfektion aus der Werkstatt von Kuldeep M Pai, einem südindischen Musiker, Musik-Guru und Produzenten echter Juwelen spiritueller Musik. Die Schwestern Purva und Paavani Cotah demonstrieren Gesangskunst in Vollendung. Reines Sattva-Guna. [Dauer: 08.20]

Von dem berühmten Bhajan »Mera Aap Ki Kripa Se« gibt es sehr viele Versionen, dies sind die bisher schönsten, die ich gehört habe: Version 1 (männlich/weiblich), Dauer 04.47 • Version 2 (weiblich), Dauer 07.53 • Version 3 (männlich), Dauer 05.51.

Ein weiteres Meisterstück indischer religiöser Musik, ein Krishna-Bhajan. Reinheit des Gesanges, Reinheit der Hingabe, Reinheit der Schwingung. [Dauer: 06.38]

♦ ♦ ♦

Um es erneut und generell zu betonen:

Die Tonqualität und andere technische Dinge sind unwichtig. Sogar die Texte muß man nicht unbedingt verstehen. Man sieht und hört Menschen, die dem Höheren hingegeben sind; das Verständnis kommt dann von selbst. Es zählt allein der Klang – die göttliche Schwingung, auf der man sich tragen lassen soll.

In diesem Video singt Sooryagayathri ein in Südindien berühmtes Lied in tamilischer Sprache, in dem Gott um Segen und Schutz gebeten wird. Eine Inderin, die kein Tamil spricht, kommentiert: »Verstehe die Sprache nicht, aber das Herz singt mit. Tränen fließen. Der Geist beruhigt sich. Sei gesegnet, Liebes.« [Dauer: 22.11]

In diesem Video mit Rezitation (ab Minute 04.25) des Purusha-Sûktam (siehe Nr. 4) schreibt jemand im Kommentar: »Auch wenn ich kein einziges Wort verstehe, bringen mir diese Gesänge großen Frieden. Danke!« Ihm antwortet ein weiterer Kommentator: »Das Verstehen der Bedeutung ist dem Hören der Klänge untergeordnet – die Kraft des Veda ist Klang. Deshalb lernen die Kinder das Singen vor dem Studium der Bedeutungen.« [Dauer: 11 Minuten]

In diesem Video, ein herrlicher Bhajan von Maithili Thakur, kommentiert ein Inder: »Ich kann kein einziges Wort verstehen, aber ich habe das Lied jetzt mindestens 100-mal angehört.« [Dauer: 05.37]

In diesem Sinne: wundervoll – voller Wunder.

♦ ♦ ♦

Ein Juwel: Kuldeep M Pai mit Sängerin Paavani Cotah bei der (gefilmten) Vorbereitung auf das unten folgende Video. Hinreißende Erklärungen von Kuldeep zur Größe des Gurus. Das Gespräch ist typisch indisch, im besten Sinne. [Dauer: 07.14]

Paavani Cotah singt in einer von Kuldeep Pai geschaffenen Vertonung des berühmte Poems eines südindischen Heiligen über die Größe des Gurus: »Solange du nicht Diener (Sklave) des Gurus bist, kann keine Befreiung erreicht werden.« Der hervorragende Gesang von Paavani Cotah und die Musik von Kuldeep Pai sind reines Sattva-Guna. [Dauer: 04.16]

Das Gespräch von Kuldeep Pai mit Paavani Cotah über die Hymne »Ich verbeuge mich vor dem Sadguru«. Einmalig Paavanis Gesang, aber ebenso einmalig ist Kuldeeps hingebungsvolle Art der Erklärungen. Wer den indischen Geist verstehen will, sollte solche Videos genießen. [Dauer: 08.36]

Ein zu Herzen gehendes Paradebeispiel indischer Spiritualität. Der Meister selbst – Kuldeep M Pai – singt mit zwei seiner Schülerinnen den berühmten Mantra Om Namah Shivaya. Reines Sattva-Guna. [Dauer: 07.31]

Tulsidas' berühmtes Rudra-Asthakam (»Acht Verse über Rudra«), ein Loblied auf Gott Shiva, beginnt mit den Worten: »O Herr! Ich verneige mich vor Dir, der Du die Verkörperung des Nirvâna bist ...« Vertonungen des Rudrâshtakam gibt es viele; in meinen Ohren eine der schönsten ist jene der Sängerin Sneha Singh, die sich in großer Ruhe und Hingabe an das Göttliche richtet. Ein Verständnis des Textes ist sicherlich hilfreich, aber man lasse sich lieber von der himmlischen Schwingung der Hymne tragen. [Dauer: 05.30. Diese 5 Minuten werden dann fünfmal wiederholt, so daß das Ganze über eine halbe Stunde geht. Eine gute Idee, welche das Meditative des Gesangs noch verstärkt. Allerdings nur, wenn die wohl unvermeidlichen Werbungen zwischendrin von einem Werbeblocker neutralisiert werden können.]

Eine ergreifende, im Vergleich zur obigen Fassung traditionellere Fassung des Rudrâshtakam stammt vom Sänger Parthiv Hariyani. Wundervoller Gesang, große Hingabe, göttliche Schwingung. [Dauer: 11.20]

Sooryagayathri singt eine Hymne von Shrî Shankarâchârya, das Achyutâshtakam (»Acht Verse über den Unvergänglichen«). Der elektrisierende Einschub »Krishna Krishna Hare Krishna Krishna, Râma Râma Hare Râma Râma« stammt nicht von Shrî Shankara, paßt aber derart gut in den Gesang, daß man es als göttliche Fügung durch den Komponisten sehen darf. Reines Sattva-Guna. [Dauer: 07.36]

Noch einmal Mal Maithili Thakur: Hingabe pur. India at it's best. [Dauer: 05.03]

Shrî Tyâgarâjâ (1767–1847), einer der größten Musiker Südindiens und ein Heiliger (sein Name bedeutet »König des Verzichts, der Askese«) hat zahllose spirituelle Lieder und Musikstücke komponiert. Hier eines seiner Werke, gespielt von Rajesh Vaidhya auf der südindischen Langhalslaute Vînâ (Veena), welche einen edlen und schöneren Klang hat als die bei uns bekanntere Sitar Nordindiens. Eigentlich empfehle ich Rajesh Vaidhya nicht, da er, wie so viele indische Musiker, auf den Zug des Modernen gesprungen ist und eine Art indischen Jazz unter Beteiligung – welch ein Graus – von westlichem Schlagzeug zelebriert, für mich eine ungesunde Mischung zweier Welten. Auf der anderen Seite ist Rajesh Vaidhya ein allseits bewunderter Großmeister der Vînâ. In diesem Video spielt er in Perfektion rein traditionell. Man beachte auch das dezente, im Vergleich zum westlichen Tschinderassabumm geradezu melodiöse »Schlagzeug« – die wundervoll klingende klassische Trommel Mridangam, und man staune über die Fertigkeit eines Könners am Ghatam (Tontopf). Drei Meister am Werk! Ein indischer Kommentator bemerkt treffend: »Die Bemühungen der letzten Zeit, die klassische Musik mit der westlichen Musik zu vermischen sind verrückt. Das Hören dieser Originalversion macht viel Freude.« [Dauer: 11.23]

Ein weiteres Werk von Shrî Tyagarâja, ausgeführt von zwei Spitzenmusikern, Ambi Subramaniam (Violine) und Patri Satish Kumar (Mridangam). Die Subtilität der karnatischen (südindischen) Musik wird an diesem Werk sehr deutlich. Beachtenswert ist hier neben der Inspiration Subramaniams die Feinfühligkeit des Mridangam-Spielers. Oft ist es in indischen Musikstücken so, daß sich Perkussionisten über Gebühr »einmischen«, den Solisten fast übertönen (ich habe das selbst einmal in Karlsruhe bei einem Konzert erlebt, sehr unangenehm), natürlich ein Ego-Problem des Betreffenden. Man bewundere also die edle Zurückhaltung von Patri an der erneut wundervoll klingenden Mridangam. Ein Kommentator schreibt hier dazu: »Das Spiel von Patri Satish Kumar fasst alles zusammen, was es über perfekte Begleitung zu sagen gibt. Er folgt nicht einfach dem Lied, sondern verschönert jede Zeile, Phrase und Silbe mit liebevoller Sorgfalt. Nicht ein einziges Mal übertreibt er es oder dringt in den Raum der Violine ein.« [Dauer: 06.35]

Eine wundervolle Version von »Namo Narayanaya« durch den Sänger G. Balakrishnaprasad, ganz traditionell. DIe Schwingung ist reinstes Sattva, einfach himmlisch. [Dauer: 05.00]

Shrî Purandara Dâsa (1470–1564) war Philosoph, Sozialreformer, Heiliger, Sänger und Komponist; einer der Hauptbegründer der karnatischen (südindischen) Musik, ähnlich Shrî Tyâgarâjâ. Eines seiner schönsten Werke ist das wundervolle Venkatâchala Nilayam, in dem Gott Vishnu und seine Wohnstätte, der Himmel Vaikuntha verherrlicht wird. Als eines der beliebtesten Werke gibt es entsprechend zahlreiche Versionen des Liedes. Hier werden zwei bevorzugt, und beide Sänger kommen aus der Schule von Kuldeep M Pai. 1. Raghuram Manikandans Interpretation ist die eines reifen jungen Mannes mit herrlicher Stimme, die Ausführung grenzt an Perfektion. 2. Die Interpretation von Rahul Vellal fällt aus zwei Gründen besonders auf; einmal ist es erstaunlich, wie gut die Qualität seines Gesangs in diesem Alter ist, und zum zweiten bestechen die sagenhaften Begleitmusiker. In beiden Versionen fällt der überirdische Klang der Mridangam auf, es ist wie ein Ruf aus dem Jenseits, himmlisch. Die Mridangam erklang und erklingt bei Shivas wildem kosmischem Tanz der Schöpfung und der Zerstörung (Ânanda-Rudra-Tândava des Shiva Natarâja) und erhielt deswegen den Namen Deva Vadyam, göttliches Instrument. Bei jedem Hören der Mridangam denke ich spontan an Shiva. Ein indischer Kommentator schreibt hier: »Musik in ihrer reinsten Form.« [Dauer: Raghuram 05.20; Rahul 04.50]

Ein weiteres Meisterwerk von Shrî Purandara Dâsa, »Tambûri mîtidava – Wer die Tambura spielt, überquert den Ozean der weltlichen Existenz«. Es singt erneut der Schüler von Kuldeep M Pai, Raghuram Manikandan, hier noch sehr jung und schon so reif, eine verblüffende Gesangsqualität. Der schönste Kommentar steht gleich an erster Stelle, ein Inder schreibt: »Warnung! Hört dieses Lied nicht an! Hochgradig süchtig machend, ich komme nicht mehr davon los.« Das Arrangement von Kuldeep Pai gefällt eventuell nicht jedem, aber die Begleitmusiker sind hervorragend. Jedenfalls: Hinreißend und pures Sattva, wie alle Kompositionen des großen Purandara Dâsa. [Dauer: 04.48]

Noch eine wunderbare Version von »Tambûri mîtidava«. Auffallend ist hier die herrliche Stimme der Sängerin Gayathri Girish, die wahrlich »mühelos und makellos« (wie ein Bewunderer schreibt) Shrî Purandaras Lied meditativ zum Ausdruck bringt. [Dauer: 04.18]

»Vishweshara darshan kar chalo mana tuma kashi« – »O mein Geist, unternimm eine Pilgerfahrt nach Kashi, um dort die Vision des HERRN Vishweshwara (Shiva) zu haben …« So lautet der Beginn dieses wundervollen, bewegenden Liedes des südindischen Mahârâjas Swâti Tirunâl (König, Musiker, Komponist), der sich nach Kashi (Benares) sehnte. Die Stimmung ist entsprechend sehnsuchtsvoll im herrlichen Râga Sindhubhairavi. Die Interpretation des Sängers Sreevalsan ist die »normale« (halb)klassische, wie man sie eigentlich erwartet, meisterhaft gesungen und einfach wunderschön. Die Version der Sängerin Sivasri Skandaprasad ist eventuell nicht jedermanns Geschmack; persönlich betrachte ich sie als absolut hingegeben, seelenvoll, ruhig und friedenbringend. Sie geht direkt ins Herz, weil sie die Intention, die Stimmung des königlichen Komponisten am besten trifft. [Dauer: Sreevalsan = 06.24; Sivasri = 06.19]

Der geheimnisvolle Râga Sindhubhairavi steht für Trennung (vom Göttlichen), Trauer, Mitleid, Hingabe. Die göttlich-sehnsuchtsvolle Schwingung von Swâti Tirunâls Meisterwerk »Vishweshara Darshan« kommt in dieser einmaligen Violinfassung der Geschwister Ranjani und Gayatri überaus deutlich zum Vorschein. [Dauer: 08.33}

»Dhanashree Thillana«, ein weiteres wundervolles Werk von Mahârâja Swâti Tirunâl, hier in einer Fassung für Violine, makellos gespielt von Ambi Subramaniam, mit hervorragenden Perkussionisten. [Dauer: 05.53]

Der »Große Mantra« (mahâmantra) »Hare Krishna …« existiert in Hunderten von Versionen. Hier werden zwei indische vorgestellt, 1. vom Sänger Hari Om Sharan, klassisch und sehr schön, und 2. eine wundervolle Version mit der Stimme des unvergesslichen Jagjit Singh (†2011). Diese Version ist sehr lang, weil Singh neben dem Mahâmantra weitere Anrufungen Krishnas einfügt, in meinen Ohren gelungen. Beide Vertonungen atmen den wahren Geist Indiens. Es folgen zwei westliche Versionen von Krishna Das, sie besitzen eine ganz eigene Magie im Zusammenwirken von großartigem Sänger und wunderbarem Chorus: 3. Mahâmantra Meltdown und 4. Township Krishna. Zu den beiden westlichen Versionen paßt der Kommentar eines Inders: »Das nennt man Singen aus der Seele, denn es verbindet sich mit der Seele des anderen und gibt sowohl dem Sänger als auch dem Zuhörer das Gefühl, dass alle Seelen miteinander verbunden sind und dass niemand auf diesem Planeten allein ist … Krishna Das ist ein wahrer Anhänger von Nîb Karorî Bâbâ, dem großen Heiligen … welche Freude und welcher Frieden … Gottes Segen!« [Dauer: Hari Om Sharan 07.57; Jagjit Singh 42.47; Mahâmantra Meltdown 16.05; Township Krishna 08.52]

Genauso unvergeßlich wie die Stimme von Jagjit Singh (†2011) ist jene unverwechselbare von Pandit Jasraj (†2020), ein Riese des klassischen indischen Gesangs. Beispiele seiner Kunst sind hier ein Râma-Bhajan, ein Shiva-Bhajan und eine Anrufung von Devi, der Göttlichen Mutter. Alle drei Versionen bestechen durch die Tiefe der Hingabe, durch einen mitreißenden, beinahe hypnotischen Rhythmus, durch eine wahrhaft göttliche Schwingung. Ein indischer Kommentator schreibt zum Devi-Bhajan, der sich qualitativ überdeutlich abhebt von anderen Versionen: »Es kann keine bessere Würdigung des spirituellen Flusses geben, als Tränen des Glücks zu vergießen, wenn man diesen Bhajan hört.« Ebenso gilt das für die beiden anderen hier vorgestellten Lieder; mein Liebling ist der einmalige Râma-Bhajan, insbesondere die letzten, sehr intensiven 5 Minuten – von Pandit Jasraj sollte man sich einfach tragen lassen, hinauf in himmlische Höhen. Ein indischer Kommentator schreibt: »Pandit Jasraj ist der größte Sänger unserer Zeit. Wir sind stolz darauf, ihn in unserem Leben zu haben. Seine Stimme wird Millionen von Menschen zur Spiritualität führen.« [Dauer: Râma-Bhajan 14.22; Shiva-Bhajan 10.36; Devi-Bhajan 08.59]

»Hey Govinda Hey Gopala« … Suman Kalyanpuri ist in Indien bekannt und beliebt als Sängerin von Filmmusiken. Was sie jedoch in diesem berühmten Krishna-Bhajan des Heiligen Surdas abliefert kann man nur als göttlich bezeichnen. Die Begleitmusik ist durchschnittlich; alleine die Leistung von Suman Kalyanpuri bringt den Bhajan auf eine derart hohe Schwingung. Laß dich, o Geist, von dieser hingegebenen, reinen Stimme tragen, hinauf in überirdische Gefilde. [Daher: 06.50]

»Hey Govinda Hey Gopala« … Der Bhajan des Heiligen Surdas hier in der Version der Sängerin Gayatri Kamakoti, sehr indisch, sehr rein, ganz anders als die obige von Suman Kalyanpuri aber ebenso hingegeben, himmlisch. [Dauer: 05.06]

»Shri Krishna Govinda Hare Murari« ist einer der bekanntesten und beliebtesten Bhajans, davon gibt es sicherlich Hunderte von Versionen. Die hier ausgewählte hat zwar eine westliche Begleitung (sie ist jedoch recht dezent), aber die Hingabe des Sängers Nandlal Chhanga bringt das Lied auf eine recht hohe Schwingung, weswegen ich sie allen anderen gegenüber bevorzuge. [Dauer: 04.34]

»Om Namo Nârâyanâya« ist einer der Moksha-Mantras (moksha = Erlösung, Freiheit). Es existieren zahllose Rezitationen bei YouTube, und 99 Prozent davon sind nicht gut. Die westlichen Versionen sind Kitsch, typisch westlich eben, man kann sie vergessen. Was die östlichen Rezitationen angeht beklage ich aufs Neue die mangelnde Sorgfalt der Inder. Da wird der altehrwürdige, unantastbare achtsilbige Mantra auf sieben Silben verkürzt (Om Namo Nârâyana), vollkommen unverständlich; da wird das Anfangs-Om zweisilbig gesungen, was in Liedform angehen mag, als Mantra-Rezitation aber falsch ist (siehe dazu die Anmerkung hier). Und so weiter. Hier seien drei einigermaßen befriedigende Versionen vorgestellt: Version 1, Dauer 22.30 • Version 2, Dauer 12.00 • Version 3 in Liedform, Dauer 34.50.

»Om Namah Shivâya« ist ein anderer großer Moksha-Mantra. Hier gilt das gleiche wie eben gesagt: zahllose Rezitationen, 99 Prozent nicht hörenswert. Die meisten Inder reduzieren den Mantra auf «Om Namah Shivay«, aus einem geheiligten Sanskritmantra wird eine Hindi-Version, unverständlich. An dieser Stelle zwei befriedigende Fassungen: Version 1 • Dauer 14.35; Version 2, Dauer 15.20.

Das berühmte »Shrî-Lalitâ-Sahasranâma«, »die tausend Namen (sahasranâma) der Göttlichen Mutter (Shrî Lalita Devi, Shakti), ein heiliger Hindutext aus dem Brahmanda-Purana, hier in dreifacher Version. 1. Die »strenge« von Kuldeep M Pai mit sehr deutlicher Aussprache des Sanskrit [Dauer: 30.00]; 2. die ebenso klassische der Schwestern Ranjani und Gayatri [Dauer: 32.59]; 3. die weniger strenge, »esoterische«, angenehme und auch meditative der Sängerin Rita Thyagarajan [Dauer: 47.47].

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Anregungen zu sattvischer Musik – Rest der Welt

Spanien
Don Luys Milàn (Spanien, Renaissance) komponierte eine Reihe von Fantasien für die Vihuela (spanische Laute, Vorgängerin der Gitarre). Die folgende Fantasía XVI faßt zusammen, wofür dieser Wundermusiker stand: Klarheit. Ordnung. Harmonie. Würde. Indisch ausgedrückt: Sattva-Guna. Die mit Abstand beste Ausführung der Fantasía XVI ist vom mexikanischen Gitarristen Pablo Garibay, der das Stück mit einer selten zu sehenden Hingabe spielt. [Dauer: 03.32]

Spanien
Don Luys Milàn, ein herrliches kleines Tanzstück (Pavane) als Paradebeispiel für reinste Musik.

Tibet
Es gilt wie oben bemerkt: Nicht nötig zu verstehen was gesungen wird. Die Reinheit dieser Musik trägt einen nicht nur in tibetische Höhen, sondern in himmlische. Ein Kommentator schreibt: »So schön, daß es mich zum Weinen bringt. Diese Stimme geht sehr tief in den Geist.« Ein anderer Kommentator formuliert knapp: »Direkt ins Herz ...« [Dauer: 04.02]

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Der entscheidende Satz

Aus einer Szene des Films »Begegnungen mit bemerkenswerten Menschen« («Meetings with Remarkable Men», Peter Brook, GB 1978), in dem es um die spirituelle Suche des jungen Georges I. Gurdjieff (1866–1949) geht. Den geschilderten Dialog findet man ab Minute 70. Der Film ist in seiner Essenz wertvoll, weil er die klassische Situation beschreibt: Ein Mensch sucht nach dem Weg und irrt von hier nach dort, um am Ende, nach leidvollen, aufreibenden Erfahrungen erkennen zu müssen: Ich habe nichts gefunden.

Auf seiner mühsamen Wanderschaft im Kaukasus/Hindukush trifft Gurdjieff zweimal auf einen Dervish. Dieser speist ihn beim ersten Mal mit einem unverbindlichen Hinweis ab und läßt ihn wieder gehen. Am Ende seiner Irrfahrt sucht Gurdjieff den Dervish ein zweites Mal auf, und hier trifft man auf den folgenden Dialog.

Der Meister: »Hast du gefunden, wonach du gesucht hast?« 

Gurdjieff: »Ich habe nichts gefunden. Ich weiß nicht wie ich suchen soll. Es gibt nie eine Antwort. Was kann ich jetzt tun? Ich bin verzweifelt.« 

Der Meister: »Du wirst die Antwort niemals alleine finden. Alleine kann ein Mensch nur sehr wenig tun. Seine einzige Hoffnung ist es, einen Ort zu finden, an dem das wahre Wissen lebendig gehalten wird.« (nach kurzem Innehalten:) »Ich rate dir zu versuchen, die Sarmoung-Bruderschaft zu finden. Geh am (Fluß) Amudarja hinauf, Richtung Kafiristan. Es ist ein gefährliches Unterfangen, du wirst dein Leben riskieren! Aber im richtigen Augenblick wird sich ein Führer finden.«

Und Gurdjieff macht sich auf, die Geschichte gelangt zu ihrem guten Ende.

Der entscheidende Satz dieser bewegenden Szene ist: »Du wirst die Antwort niemals alleine finden. Alleine kann ein Mensch nur sehr wenig tun.«

Die Aussage deckt sich mit den Worten anderer Meister. Für einen wirklichen geistigen Fortschritt benötigt ein Suchender eine Führung.

Von einem großen christlichen Heiligen stammen die Worte: »Eine tugendhafte, aber alleinstehende und führerlose Seele gleicht einer brennenden Kohle: Anstatt sich mehr zu entzünden erkaltet sie.« [Juan de la Cruz, 1542–1591]

«The virtuous soul that is alone and without a master is like a long lone burning coal; it will grow colder rather than hotter.» [Juan de la Cruz]

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Will der Mensch nicht frei sein? [Shrî Râmakrishna]

Diese unsterblichen Worte von Shrî Râmakrishna (1836–1886) findet man im 1898 erschienenen Buch von Prof. Max Müller: Ramakrishna. His Life and Sayings und sind dort unter Spruch 312 verzeichnet.

312. «There are men who, although they have nothing to attract them in this world, create some attachments for themselves, and so try to bind themselves to this earth. They do not want and do not like to be free. A man who has no family to care for, no relatives to look after, generally takes a cat, or a monkey, or a dog, or a bird for a pet object and companion, and thus slakes his thirst for milk by drinking mere whey. Such is the power of Mâyâ or Nescience over humanity.»

312. »Es gibt Menschen die, obwohl sie nichts mehr haben was sie in dieser Welt anzieht, sich selber einige Bindungen schaffen und so versuchen, sich an diese Erde zu fesseln. Sie wollen nicht frei sein und lieben es nicht, frei zu sein. Ein Mensch der keine Familie zu versorgen hat, keine Verwandten um die er sich kümmern muß, legt sich in der Regel als Haustier und Gefährten eine Katze zu, oder einen Affen, oder einen Hund, oder einen Vogel, und stillt so seinen Durst nach Milch durch das Trinken bloßer Molke. Solches ist die Macht der Mâyâ oder Unwissenheit über die Menschheit.«

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Eine Mahnung [Kularnava-Tantra]

zitiert aus dem im Jahre 1918 erschienenen verdienstvollen Werk Shakti and Shakta. Essays and Addresses on the Shakta-Tantrashastra von Sir John Woodroffe (Arthur Avalon).

»In dem großen eröffnenden Kapitel des Kularnava-Tantra wird gesagt:

In dieser Welt leiden zahllose Wesen alle Arten von Schmerzen. Das Alter wartet gleich einer Tigerin. Das Leben fließt fort wie Wasser aus einem zerbrochenen Krug. Krankheit tötet wie ein Feind. Reichtum ist nur ein Traum; Jugend gleicht einer Blume. Das Leben blitzt auf und schwindet wieder. Der Körper ist wie eine Wasserblase. Wie kann man dies wissen und doch zufrieden sein? Der Jîvâtman (die Seele) durchläuft hunderttausende von Existenzen, doch nur als Mensch kann er die Wahrheit erlangen. Es ist sehr schwer, als Mensch geboren zu werden. Darum ist ein Selbstmörder wer nicht weiß was ihm gut tut, nachdem er solche herausragende Geburt erlangt hat.«

«In the grand opening chapter of the Kularnava Tantra it is said:

In this world are countless masses of beings suffering all manner of pain. Old age is waiting like a tigress. Life ebbs away as it were water from out of a broken pot. Disease kills like enemies. Prosperity is but a dream; youth is like a flower. Life is seen and is gone like lightning. The body is but a bubble of water. How then can one know this and yet remain content? The Jîvâtman passes through lakhs of existence, yet only as man can he obtain the truth. It is with great difficulty that one is born as man. Therefore, he is a self-killer who, having obtained such excellent birth, does not know what is for his good.»

 

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Henry David Thoreau war ein Yogin

»Ich hatte drei Kalksteine auf meinem Schreibtisch, erschrak aber als ich feststellte daß sie tägliches Abstauben benötigten, während der Hausrat meines Geistes noch ganz unabgestaubt war, und angewidert warf ich sie zum Fenster hinaus.« [Henry David Thoreau]

«I had three pieces of limestone on my desk, but I was terrified to find that they required to be dusted daily, when the furniture of my mind was all undusted still, and I threw them out the window in disgust.» [Henry David Thoreau]

»Der Mensch sollte in seiner Kleidung einer solchen Einfachheit sich befleißigen, daß er selbst im Dunkeln sich anziehen kann. Er sollte in jeder Hinsicht so festgefügt und wohl versorgt leben, daß er, wenn der Feind sich der Stadt bemächtigt, wie der alte Philosoph, ohne Angst mit leeren Händen zum Tore hinausziehen kann.« [Henry David Thoreau]

«It is desirable that a man be clad so simply that he can lay his hands on himself in the dark, and that he live in all respects so compactly and preparedly that, if an enemy take the town, he can, like the old philosopher, walk out the gate empty-handed without anxiety.» [Henry David Thoreau]

»Wir können unser Leben an tausend einfachen Dingen erproben, etwa daran, daß dieselbe Sonne, die meine Bohnen zur Reife bringt, gleichzeitig ein System von Erden wie die unsrige beleuchtet. Hätte ich mich daran erinnert, wären einige Irrtümer vermieden worden. Eine solche Einsicht besaß ich nicht, als ich sie hackte. Wie wundervoll sind die Dreiecke, deren Spitzen von Sternen gebildet werden! Wieviele verschiedene und voneinan-der entfernte Wesen betrachten sie im selben Moment aus den unterschiedlichen Wohnungen des Universums!« [Henry David Thoreau]

«We might try our lives by a thousand simple tests; as, for instance, that the same sun which ripens my beans illumines at once a system of earths like ours. If I had remembered this it would have prevented some mistakes. This was not the light in which I hoed them. The stars are the apexes of what wonderful triangles! What distant and different beings in the various mansions of the universe are contemplating the same one at the same moment!» [Henry David Thoreau]

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Auch Freund- und Bekanntschaften sind karmisch bedingt

»Wir treffen nur jene Menschen, mit denen unser Treffen prädestiniert ist. Auch die Dauer des Zusammenseins mit jeder Person ist vorherbestimmt. Man sollte nicht trauern wenn man getrennt wird, oder wenn das Zusammensein nicht von langer Dauer ist.« [Neeb Karori Baba]

«We meet only those people with whom our meeting is predestined. Duration of association with each person is also preordained. One should not grieve if one is separated or if the association does not last long.»

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Shrî Shankarâchârya = Gemälde von Raja Ravi Varma, 1904
Shrî Râmakrishna = Wikimedia Commons, Bild von 1885

Swâmî Shivânanda = von der Webseite rkmbaranagar.org
Swâmî Nârâyanânanda, Cover »The Gist of Religions« = Foto von H. Maldoner

s/w-Bilder von
Swâmî Nârâyanânanda = N.U.Yoga Trust Gylling

Diese Seite wurde am 29.01.2023 zuletzt geändert.

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