In den letzten Auflagen wurde kein Wort in der Übersetzung geändert und praktisch nichts im Kommentar. Dabei bleibt es. Der Leser-Service besteht nicht aus Korrekturen, sondern aus zusätzlichen Anmerkungen, die vielleicht weiter zur Klärung beitragen können.
Zitat:
»Der Mensch erkennt sich selbst und Gott deshalb nicht, weil sein Geist durch die zahllosen Wünsche und Gedanken zersplittert, schwach, unrein geworden ist, kurz: weil er denkt (!). Diese Feststellung mag für einen Europäer seltsam klingen, ist aber in ihrer Kürze die Essenz aller östlichen Philosophie und Religion, welche eine Antwort auf die uns am meisten bewegenden Fragen gibt, nämlich: Wer bin ich? Welchen Sinn hat das Leben? Warum leiden die Geschöpfe?«
In der Tat halten es viele Menschen des Westens, selbst Anhänger des Yoga und anderer spiritueller Disziplinen für »übertrieben«, »unvorstellbar«, »absonderlich« und ähnliches zu behaupten: »weil er denkt.« Verständlicherweise wehren sich vor allem die »Denker« (Geistes- und Naturwissenschaftler) gegen die These des alten Yoga, dass der Mensch keine Erleuchtung erreichen kann, solange er denkt. Die Aussagen der großen Meister jedoch bestätigen das Gesagte. Siehe diese klassischen Worte von Bhagavân Shrî Ramana Maharshi:
»Alle Gedanken sind unvereinbar mit der Verwirklichung. Der rechte Zustand ist, alle Gedanken von uns selbst und alle anderen Gedanken (aus dem Geist) auszuschließen. Gedanken sind die eine Sache, und Verwirklichung eine ganz andere.«

Würden sich viele Yogis an diese berühmten Worte eines echten Erleuchteten halten, und wären sie aufrichtig, dann würde es viel weniger selbsternannte »Verwirklichte« in unserer verwirrten Welt geben.
Sowohl die Übersetzung als auch die Kommentare bedürfen keiner Änderung mehr. Zusätzliche Hinweise (eher nebensächlicher Art wie die Bedeutung von Namen) sind aber nicht fehl am Platz.
Die traditionelle Wiedergabe von gudâkesha (leider kann ich nicht sämtliche diakritische Zeichen benutzen, siehe die Anmerkung auf der Startseite) geht von der Verbindung gudâkâ + îsha aus = »Herr (îsha) über den Schlaf, die Trägheit (gudâkâ)«. Es gibt eine zweite, von vielen Indologen bevorzugte Übersetzung, nämlich »Starkhaariger«, von guda + kesha. Zweifellos heißt kesha »Haar«. Beim Wort guda wird es schwieriger, denn es bedeutet »Kugel, Ball, Pille, Melasse, Zucker«. Die Anrede »Starkhaariger« (M. Monier-Williams: »thick-haired«) sagt aus: »der sein kräftiges Haar zu einem Knoten gebunden hat.«
Ich halte die zweite Wiedergabe für nicht plausibel, wenn auch möglich. Von Sir M. Monier-Williams wird in seinem Sanscrit-English Dictionary kurz nach dem »thick-haired« vermerkt: »gudâkâ (a word formed for the etymology of guda-kesha) = sloth.« Sloth heißt »Faulheit, Trägheit« und hat in dem Zusammenhang dieselbe Bedeutung wie sleep (Schlaf) und tamas (Unwissenheit, Verblendung).
Die Anrede »Herr über den Schlaf« (gudâkâ-îsha) liegt nahe. Damit wird in der BhGîtâ betont, dass Arjuna in der Schlacht siegreich sein wird, weil er seinen Geist so beherrscht wie den Schlaf. Das letzte geht aus einer Episode Im Mahâbhârata hervor: Während der Ausbildung zum Bogenschützen durch seinen Lehrer Drona löschte in dunkler Nacht der Wind das Licht, in dessen Schein Arjuna sein Essen nahm. Da fiel Arjuna auf, dass er seine Hand auch in völliger Dunkelheit zielsicher zum Mund führen konnte. Dies traf ihn dermaßen dass er beschloß, das Bogenschießen in der Dunkelheit zu üben, und durch beständige Nachtübung erreichte er eine außergewöhnliche Fähigkeit. Sein Lehrer Drona war von Arjunas Konzentration, Entschlossenheit und Tatkraft höchst beeindruckt und sagte ihm voraus, dass er der größte Bogenschütze auf Erden sein würde.
Wie Monier-Williams gibt auch der Indologe Vaman Shivaram Apte die Bedeutung von gudâkâ mit 1. sloth und 2. sleep an, verbindet es allerdings nicht mit Gudâkesha, welches auch für ihn »thick-haired« zu heißen scheint. Schließlich: Der große Shri Shankaracharya lässt beide Deutungen zu: »der den Schlaf besiegt hat« und »Starkhaariger«.
Die Mehrheit der Übersetzer gibt den Vers 13 so wieder: »… nennen Dich alle die Rishis, auch der göttliche Rishi Nârada, (und) Asita, Devala, Vyâsa; und Du selbst sagst es mir nun!«
Das bedeudet, dass es sich bei Asita und Devala um zwei Personen handelt. Ein Hinweis darauf wäre die Erwähnung eines Asita in der Schrift Lalita-Vistara und eines Devala im Vishnu-Purâna.
Es gibt allerdings auch einen Weisen (Rishi) namens Asita Devala. Er lebte in einer Einsiedelei an den Ufern des Flusses Sarasvatî. Von ihm heißt es: »Er wurde von manchen Asita genannt, von anderen Devala, wieder von anderen Asita-Devala.«
Man kann also den Vers 10 auch übersetzen: »… nennen Dich alle die Rishis, auch der göttliche Rishi Nârada, (und) Asita-Devala, Vyâsa; und Du selbst sagst es mir nun!«
Diese Seite wurde am 03.04.2026 zuletzt geändert.