Yoga-Institut Helmuth Maldoner Karlsruhe

Der Hatha-Yoga

Der Hatha-Yoga ist der gesundheitliche Teil des umfassenden, in sich geschlossenen Yogasystems (zur Bedeutung von hatha und zu der von mir unmißverständlich betonten Trennung des gesundheitlichen Hatha-Yoga von seinem problematischen tantrischen Teil  – Stichwort Kundalini – siehe mehrere Abschnitte unter »Fragen und Hinweise«). Der therapeutische Yoga umfaßt die unterschiedlichsten Körperübungen, das fließende Heilatmen, die Verfahren zur Reinigung, die Ernährung, die psychische Hygiene.

In seinem Ursprungsland Indien gilt der Hatha-Yoga seit Jahrtausenden als Quelle der körperlichen und geistigen Gesundheit. Er hat einen außergewöhnlich positiven Einfluß auf den gesamten Organismus – auf alle inneren Organe; auf den Verdauungsapparat; auf Muskeln, Knochen und Gelenke; auf die Atmung; auf Herz und Kreislauf; auf das Nerven-, Lymph- und Hormonsystem.

Auf korrekte Weise praktiziert ist der Hatha-Yoga meiner Erfahrung nach die mit Abstand beste Methode gegen Rückenschmerzen und gibt den Muskeln  die optimale Elastizität und Kraft. Auch greift er sanft, in natürlicher Weise auf die Psyche über und verhilft zur inneren Ruhe und zur Konzentration. Das Ziel des Hatha-Yoga ist das harmonische Fließen der Lebensenergie (indisch: Prana; chinesisch: Chi oder Qi); dies ist gleichbedeutend mit der körperlichen und geistigen Gesundheit.

Die Körperübungen sind der bekannteste Aspekt des Hatha-Yoga (auch das Atmen und die Reinigungen – hier getrennt erwähnt – zählen dazu). Die Hingabe in eine tiefgreifende Dehnung; die Dynamik einer Kraftstellung; die  Konzentration in einer Haltung des Gleichgewichts; die Gelöstheit in der Entspannung; die machtvolle Wirkung der Darmreinigung; die Leichtigkeit und Ruhe beim Atmen: wovon soll man mehr schwärmen? Alles am Hatha-Yoga ist außergewöhnlich. Alle Übungen bezwecken den harmonischen Fluß des Prana. Daher fühlt man sich auch nach einer anstrengenden Yogasitzung nicht erschöpft. Der Körper ist mit Energie geladen, der Geist ist ruhig. Nach einer Stunde intensiver Übung sieht man die Welt mit anderen Augen.

Das Heilatmen = die fließenden Atemübungen, bei denen die Luft nach dem Einatmen nicht angehalten wird. Diese Art des Atmens ist unproblematisch und therapeutisch wertvoll. Der klassische Pranayama hat primär nicht die Gesundheit zum Ziel, vielmehr das Erwecken der Kundalini und darf deshalb nicht öffentlich gelehrt werden.

Die körperlichen Reinigungen. Im Westen der unbekannteste Teil des Hatha-Yoga, sind sie noch bedeutsamer als die Asanas. Eine der Reinigungen ist die wichtigste aller gesundheitlichen Techniken, entsprechend der Anschauung über Agni, dem zentralen Feuer der Verdauung und damit des Lebens. Wenn dieses Feuer nicht richtig brennt wird der Mensch krank, so die östliche Medizin.

Daher ragen unter den Reinigungstechniken zwei hervor: die große Darmspülung mit Wasser (Varisara Dhauti) und die Darmreinigung »durch Feuer« (Agnisara Dhauti). Bereits die Wirkung auf den Darm rechtfertigt ihren hohen Stellenwert, aber damit nicht genug. Insbesondere Agnisara Dhauti erweist sich durch den Unterdruck im Rumpf als die beste Übung für Herz, Kreislauf, Beinvenen, Lymphsystem, Leber, Lungen, Zwerchfell, Beckenboden. Auch Varisara Dhauti zeichnet sich durch eine weitreichende Wirkung auf den gesamten Organismus aus.

Daneben gibt es einige kleinere Techniken. Die Reinigung der Zunge gehört in Indien zur Volkshygiene. Die Spülung der Nase mit Salzwasser ist von großer Bedeutung. Die Spülung des Mastdarms (der kleine Einlauf) wirkt in einer Kettenreaktion positiv auf den gesamten Dickdarm. Die Reinigung des Magens mit Salzwasser, das therapeutische Erbrechen, wurde auch von unseren großen Ärzten des Altertums über alles gelobt. Und schließlich Trataka, die Reinigung der Augen durch das willentliche Herbeiführen des Tränenflusses.

Die Ernährung. »So wie die Speise eines Menschen beschaffen ist, so ist sein Blut …« Die Ernährung spielt bei der Erhaltung der Gesundheit die größte Rolle. Zwei von mehreren Begründungen für diese Behauptung sind der eben erwähnte Leitsatz der alten Säftelehre und das Yogaprinzip: Kein anderer Faktor stört den Fluß der Lebenskraft mehr als die Überfüllung des Magens. Sie erstickt Agni, verschlackt das Kraftwerk in der Mitte des Körpers und bringt den naturgemäßen Fluß aller Energien durcheinander. Was man essen soll, dieser im Westen betonte Aspekt ist wichtig; für den Yogin aber ist die Frage vordringlich: Wie sollte man essen? Und zuerst heißt es: Iß maßvoll und langsam, kaue die Speisen gut. Der hohe Stellenwert einer rechten Ernährung kann hier nicht gewürdigt werden; ich verweise auf mein Buch Ernährung und Gesundheit.

Die Psychohygiene. Die »Reinheit, Klarheit, Ruhe des Geistes« (Prasada) fällt nicht unter diesen Bereich. Prasada stellt ein extrem hohes Ziel dar, die psychische Gesundheit dagegen ist einfacher Art: die innere Hygiene des Alltags. Dazu zählt, daß man sich um einen gesunden Schlaf bemüht; daß man sorgfältig seinen Umgang wählt; daß man darauf achtet, was durch Augen und Ohren in den Geist gelangt; daß man andere Menschen nicht kritisiert; daß man nicht klagt; daß man nicht ständig von sich spricht; daß man mit Ratschlägen zurückhaltend ist; daß man das positive Denken pflegt; daß man lernt, die eigenen Probleme zu relativieren. Dies alles stellt eine Schule der Selbstbeherrschung dar, und erst dadurch öffnet sich das Tor zu Prasada.

Der Hatha-Yoga ist das beste von allen Gesundheitssystemen. Aus eigener Erfahrung – ich kann dem wundervollen (dem an Wundern vollen) Yoga nicht dankbar genug sein – unterschreibe ich jedes Wort des berühmten Satzes aus einer alten Schrift: »Der Hatha-Yoga ist das zufluchtgewährende Kloster für die von allen (Arten von) Schmerzen Geplagten!«

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Diese Seite wurde am 27.11.2010 zuletzt geändert.

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