Yoga-Institut Helmuth Maldoner Karlsruhe

Yoga

 

Der Yoga ist die seit Urzeiten praktizierte, universale (für alle Menschen dieser Erde gültige) Methode zur Erkenntnis der eigenen wahren Natur, zur Erlösung vom Leiden. Das Ziel des Yoga ist der transzendente Zustand ursprünglicher Reinheit und Freiheit. Sein Weg wird gekennzeichnet durch die Begriffe ârogya (»Freisein von Krankheit«) und prasâda (»Klarheit, Reinheit, Ruhe« des Geistes).

Ârogya – der schmerzfreie, widerstandsfähige Körper – ist die Voraussetzung für den Aufstieg zu den höheren Ebenen des Geistes; die Beherrschung der inneren Welt (des Ego, der Wünsche, Gedanken, Emotionen) führt zu Prasâda, dem bereits himmelhohen mittleren Ziel des spirituellen Pfades. Hat man Prasâda erreicht, dann ist der Gipfel, die Erleuchtung nahe: »prasâde sarvaduhkhânâm hânir asyopajâyate ...« »In der Ruhe entsteht das Schwinden aller seiner Leiden. Wahrlich, die Erkenntnis eines im Geiste Ruhevollen ist schnell gefestigt!« So lesen wir in der Bhagavad-Gîtâ.

Der Yoga befaßt sich nicht mit dem Jenseitigen, welches zuviel Raum für unnütze, stets nur verwirrende Spekulationen läßt, vielmehr mit den Kräften des menschlichen Geistes. Als heilsam (in jeder Hinsicht; für das Geistige bedeutet dies: heilsam ist, was mich zum höchsten Ziel, zur letzten Wahrheit führt) werden dessen konzentrierte Kräfte verstanden; die verschiedenen, genau beschriebenen Stufen der Konzentration zeigen den Fortschritt auf dem Weg an. Das Ziel des Weges liegt in der vollkommenen Konzentration des Geistes auf einen Punkt, durch die man seine eigene wahre Natur, das Selbst zu erkennen vermag. Gelingt dies, dann geschieht das unbegreifliche Wunder: So wie ein in den Ozean fallender Wassertropfen, so löst sich das begrenzte individuelle Bewußtsein auf und wird eines mit dem grenzenlosen, unendlichen Meer des Bewußtseins.

»Tat tvam asi!« verkünden die Upanishaden, die ältesten Weisheitsbücher Indiens: Was du die ganze Zeit »draußen« oder »oben« suchst, das ist in dir, das bist du selbst! Erkenntnis des Selbst und Gottverwirklichung sind im Verständnis des Yoga ein und dasselbe. »Gott« hat mit Gut und Böse, mit Freude und Leid, mit dem Glück und Unglück der Wesen nichts zu tun, sagt die Bhagavad-Gîtâ. Das Leiden in seiner Gesamtheit verdankt der Mensch nur der Unwissenheit, seinem eigenen unreinen Geist.

»Unrein« bedeutet: Der Geist ist durch die endlosen Wünsche und Gedanken zersplittert und schwach geworden, er hat seine ursprüngliche Kraft und Reinheit verloren. Die Gedanken sind mit den Wellen einer bewegten Wasseroberfläche vergleichbar, die das Spiegelbild eines Betrachters verzerrt erscheinen läßt. Identifiziert man sich mit dem verzerrten Bild, dann entsteht das begrenzte, von Fehlern und Mängeln gezeichnete Bewußtsein des »Ich« und »Mein«; es ist diese Einengung des Bewußtseins, welche als Nichtwissen, als die Quelle aller Leiden bezeichnet wird.

Aus dem zersplitterten, nach außen gehenden Geist muß ein nach innen gehender, konzentrierter gemacht werden. Erlösung und Freiheit können wir nur erreichen wenn es uns gelingt, den Geist von Wünschen, Gedanken und Emotionen freizumachen. So beginnt der Weise Patañjali das berühmte Yoga-Sûtra mit dem in seiner Kürze und Klarheit einzigartigen Satz: »Yoga ist die Stillegung der Bewegungen des Geistes.«

Dies gelingt durch Konzentration. Konzentration (dhâranâ) führt zur Meditation (dhyâna), Meditation führt zur vollkommenen Versenkung (samâdhi), zur absoluten Klarheit, zum unzerstörbaren Frieden der Selbstverwirklichung. Die Voraussetzung dafür ist die Beherrschung des eigenen Geistes. Beherrschen kann man aber nur etwas, das man genau kennt. Das Wissen um die verborgenen Vorgänge im Inneren; um das Wesen der Wünsche, Gedanken und Emotionen; ihre Kontrolle, d. h. die Läuterung des Geistes durch ein reines Leben und durch die unablässige Übung der Konzentration; das Eintauchen in die vollkommene Ruhe; die »Schau des Selbst«, wie es im Yoga-Sûtra heißt, das Einswerden mit dem grenzenlosen Meer des Bewußtseins (nirvikalpa-samâdhi oder nirvâna) – all dies umfaßt der Begriff yoga.

Der Yoga ist eine subtile Wissenschaft, in der ein reiner, konzentrierter Geist das Instrument ist, mit dem die Geheimnisse der inneren Welt zu enträtseln sind. Als Lehre der Vernunft beginnt der Yoga mit dem Fundament der körperlichen und geistigen Gesundheit (ârogya). Sie ist zwingend notwendig; ohne sie gibt es kein Vorwärtskommen auf dem in höhere Sphären führenden spirituellen Pfad, denn ein kranker Körper hält den Geist »unten«, bindet ihn an das Grobstoffliche, an das Kranke und Schwache.

Der gesundheitliche Teil des umfassenden, in sich geschlossenen Yogasystems wird hatha-yoga genannt. Er umfaßt die unterschiedlichsten Körper- und Atemübungen, Techniken der Reinigung, die Ernährung und die psychische Hygiene. Sein grundlegendes, von vielen Wahrheitssuchern als »zu erdverbunden« gedankenlos unterschätztes Ziel ist der harmonische Fluß der Lebenskraft, des Prâna im Organismus; dies ist gleichbedeutend mit der körperlichen und geistigen Gesundheit.

Wer regelmäßig und systematisch übt – für ihn wird der Yoga, wie es in den alten Schriften heißt, zum »Zerstörer des Leids«.

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Stone Buddha: ©Steven Belanger/fotolia.com

Diese Seite wurde am 07.10.2016 zuletzt geändert.

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