Yoga-Institut Helmuth Maldoner Karlsruhe

Therapeutisches Atmen

Normalatmung, Fehlatmung, Heilatmung

 

Der klassische Pranayama

Das Atmen im Yogakurs

Die beiden korrekten Ruheatmungen

Aus den 12 Geboten der Atemschule von Dr. Parow

Die Essenz des Yoga-Atmens

Heilatmungen: die beste Übung

Tiefatmen ist selten gesund und meistens schädlich

Die fehlerhafte Gleichsetzung von Ruheatmung und Atmung in Bewegung

 

 

 

Der klassische Pranayama

Die Yoga-Atmungen sind zweizuteilen: 1. Die fließenden Übungen, bei denen der Atem nicht angehalten wird, vor allem nicht nach dem Einatmen (das Anhalten mit leeren Lungen ist harmlos). Sie fördern den harmonischen Fluß des Prana, sind therapeutisch wertvoll und sollten von allen Menschen praktiziert werden, die an der Gesundheit interessiert sind. 2. Pranayama, die Techniken mit Anhalten des Atems, speziell nach der Einatmung. Sie sind auch gesundheitlich gut, ihr eigentliches Ziel aber ist die Erweckung der Kundalini. Damit gehört der Pranayama zum geistigen Yoga und darf nur unter Anleitung eines Meisters praktiziert werden. Pranayama-Übungen dürfen niemals öffentlich (in Yogaschulen, Volkshochschulen, Seminaren, Workshops) unterrichtet werden; siehe dazu: Lehren Sie Pranayama-Techniken?

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Das Atmen im Yogakurs

Alle Atemübungen beeinflussen den Prana noch schneller als die Körperübungen, denn Atem und Prana sind unmittelbar verbunden. Nicht korrekt ausgeführte Körperübungen können schädlich sein; falsch praktiziertes Atmen ist immer schädlich. Man sollte also wissen, was man tut.

Viele Menschen haben das natürliche Atmen verlernt; Zitat aus einem Buch über Atemheilkunde: »Kein Mensch atmet richtig.« Die Fehlatmungen sind durch die moderne Lebensführung bedingt: eine schlechte Verdauung, zuwenig Bewegung, chronischer Streß, mangelnde Selbstbeherrschung. Ein Yogalehrer sollte darauf reagieren, selbst wenn damit die gewohnten Vorstellungen vom Atmen in Yogakursen über den Haufen geworfen werden. Eine befriedigende Atemtherapie muß damit beginnen, die Fehlatmungen abzustellen. Ein solcher Unterricht ist schwierig, wenn viele Teilnehmer im Kurs sind; er ist detailliert und vielleicht langweilig; er ist aber der einzig sinnvolle.

Grundsätzlich: Alle Atemübungen mit Ausnahme der natürlichen Bauchatmung in Rückenlage und der natürlichen Lendenatmung im Sitzen und Stehen sind schädlich, solange die Verspannungen im Rumpf nicht gelöst sind. Diese zwei Ruheatmungen sind an sich keine »Übungen«; man bezeichnet sie anfangs dennoch als solche, bis die Fehlatmungen abgestellt sind.

Die Atemübung Nr. 1 ist die Bauchatmung im Liegen, die reine Zwerchfellatmung. Voraussetzung für ein Gelingen ist die Entspannung von Nacken und Rücken. Herzpatienten und Übergewichtige lagern den Oberkörper höher (Herzpatienten verzichten sogar auf die Rückenlage), damit die Bauchorgane die Bewegung des Zwerchfells nicht behindern. Die Essenz der Bauchatmung ist: Man läßt es atmen; man spürt, wie die Nabelgegend sich sanft, von alleine weitet (man darf nicht nachhelfen) und senkt; wie der Bauchraum weich wird. Der Geist gleite dabei nicht in einen Dämmerzustand ab; man ist sich bewußt, wie der Atem ruhig und gleichmäßig fließt; wie das Zwerchfell sich bewegt; wie Bauch und Gesicht entspannen. Mit Autosuggestion vervielfacht sich die gute Wirkung: Ruhe und Gelöstheit ziehen in den Körper; der Prana fließt harmonisch; Frieden erfüllt den Geist.

Die Atemübung Nr. 2 ist die Lendenatmung im Sitzen. Beim Einatmen bewegt man die Schultern nicht und hält den Tonus der Bauchdecke; so fließt die Luft nach hinten und unten, die Lendengegend bewegt sich, es entsteht ein sanfter Druck im Abdomen. Das ist die normale Ruheatmung im Sitzen und Stehen.

Die umgekehrte Atmung: Bei uns wird sie »paradox« genannt, man betrachtet sie als schädlich. Die östliche Medizin denkt anders: Einatmend senkt sich das Zwerchfell, der Brustkorb weitet sich; durch das gleichzeitige Einziehen des Bauches (dies erklärt den Begriff »umgekehrt«) entsteht ein Druck im Abdomen, der die pathogene Blutüberfüllung beseitigt und die Energieströme in die Meridiane treibt (Merksatz des Atemarztes Dr. Tirala: »Die chronische Blutüberfüllung des Bauchraums ist der Beginn zahlloser Krankheiten«). Beim Ausatmen mit Loslassen der Bauchdecke strömt neue Energie in den Bauchraum, usw.: eine Blut- und Energiepumpe, eine typische willentliche Atmung. Der Begriff wird oft mißverstanden. Willentlich bedeutet nicht natürlich (das kann wohl mißverständlich sein, heißt aber nichts anderes als: diese Art des Atmens muß man wollen); dennoch ist das willentliche, minutenlange Atmen wertvoll. Alle indischen Atemübungen sind willentlich. Hier muß man sich entscheiden können zwischen westlicher und östlicher Anschauung; das willentliche Atmen kann nicht von Nutzen sein wenn man ständig die Befürchtung hat, etwas Schädliches zu tun.

Die vollständige Atmung ist, korrekt gemacht, angenehm und heilsam: eine willentliche Atmung. Korrekt ist sie, wenn sie unterschieden wird im Sitzen und im Liegen; wenn sie zwar tief aber zum Ausgleich langsam, und mit kurzem Leerbleiben gemacht wird; so gleicht sich die erhöhte Zufuhr von Sauerstoff durch eine Vermehrung des Kohlendioxyds aus. Die vollständige Atmung ist damit ein Förderer der Zellatmung. Ihr Hauptzweck ist aber nicht die Steigerung des Sauerstoffs, vielmehr die durch die Wellenbewegung des Rumpfes (im Liegen und Sitzen) und durch die Bauchspannung (im Sitzen) bewirkte Beseitigung der pathogenen Blutfülle im Bauch. So wie sich die natürliche Atmung im Liegen/Sitzen durch die Sache mit der Bauchspannung unterscheiden, so ist es bei der vollständigen Atmung. Im Sitzen soll es nicht zu der Wellenbewegung kommen, denn dazu müßte man den Bauch weiten, bevor die Luft in den Brustkorb strömt. Im Sitzen ist das jedoch ein Fehler von einer Ausnahme abgesehen: Es macht therapeutisch Sinn, einige Male eine übertriebene Wellenbewegung des Rumpfes mit anschließendem Vorbeugen zu provozieren, um die Blutfülle des Bauchraums zu beseitigen. Dann folgt die eigentlich korrekte Atmung im Sitzen mit Tonus der Bauchdecke.

Das verlängerte Ausatmen mit Leerbleiben ist die beste senkende Übung (gegen Hypertonie, Herzbeschwerden, Augen- und Ohrenprobleme, innere Unruhe), die reinste Erholung für Körper und Geist.

Das rhythmische, fließende Atmen darf nur praktiziert werden, wenn man sich an das willentliche Atmen gewöhnt hat. Das rhythmische und, um es erneut zu betonen, fließende Atmen ist die unerläßliche Vorbereitung für jene, die in den Pranayama einsteigen wollen.

Die Kunst des Atmens besteht im absolut gelösten Ausatmen mit kurzem Leerbleiben. Das Ausatmen ist passiv, ohne jeden Druck; man achte aber darauf, die Luft ganz gehenzulassen, wirklich leer zu werden. Es liegt an psychophysischen Spannungen, wenn man damit Probleme hat. Ruhig auszuatmen bedeutet vor allem innerlich, geistig loslassen zu können, und genau dies fällt den meisten Menschen in unserer überdrehten Gesellschaft so schwer. Solange das gelöste Ausatmen nicht perfekt funktioniert, so lange sind alle anderen Atemübungen sinnlos und schädlich.

Wann atmet man richtig? Wenn man mit dem willentlichen Atmen beginnt, sind eventuelle Störungen normal (Kreislauf, Herzklopfen, Unwohlsein). Sind die Anfangsprobleme durch eine korrekte Praxis überwunden, gilt das Prinzip: Das Atmen muß angenehm sein, heilsam, energieaufladend. Anstrengung = Fehler gemacht; Druck im Kopf = Fehler gemacht; und so fort. Für das Atmen ist, wie für die Körperübungen, entscheidend: Es sollte einem nach der Yogastunde besser gehen als vorher; andernfalls hat man nicht korrekt gearbeitet. Beim Pranayama mag wohl der Schweiß ausbrechen usw.; er hat aber ein grundlegend anderes Ziel als das fließende Atmen und darf von den meisten Menschen gar nicht praktiziert werden.

Atemübungen im Yogakurs sind allgemeiner Brauch, und daran wird sich vermutlich nichts ändern. Gegen ein gemeinsames Atmen muß gesagt werden:

  1. Der Lehrer kann schon aus zeitlichen Gründen unmöglich zehn oder mehr Personen kontrollieren. Falsch praktiziertes Atmen ist in jedem Fall schädlich. Entweder atmen die Kursteilnehmer also in rechter Weise, und dies setzt eine genaue Kontrolle voraus, oder man läßt es besser bleiben. Atemübungen sind Atemtherapie; diese gelingt nur bei sorgfältiger Überwachung jeweils einer Person.

  2. Therapeutisches Atmen macht nur Sinn, wenn man regelmäßig, täglich etwa 15 Minuten lang daheim praktiziert. Einmal in der Woche im Rahmen des Kurses zu üben, wie es meistens der Fall ist, macht aus sinnvollen, heilsamen Dingen das genaue Gegenteil: ungewohntes Atmen, Streß, Unwohlsein, jede Woche neu und jede Woche unbefriedigend. Der Organismus kann sich auf diese Weise nie daran gewöhnen.

  3. Atmen erfordert Bewußtheit. Sie ist nicht nur für ein korrektes Üben wichtig; sie birgt das größte Geheimnis des Yoga in sich: die Konzentration. Vor allem für die Abendzeit gilt: Von der Arbeit erschöpft, haben nur wenige Menschen genügend Konzentrationskraft. Kursteilnehmer, die bereits bei der ersten Atemübung einschlafen, darf man nicht aufwecken, sie seien vielmehr sich selbst überlassen; so entspannen sie zumindest und atmen natürlicherweise in den Bauch.

  4. Atmen mit vorgegebenem Rhythmus ist für Fortgeschrittene wertvoll; hier zeigt sich die im Yoga angestrebte Beherrschung des Atems. Für Anfänger ist es Gift; das Gleichschalten unterschiedlicher Atemfrequenzen kann bei ihnen nicht therapeutisch sein.

Es bleibt als sinnvolle Atemarbeit in Anfängerkursen: das Erkennen der Fehlatmungen (stets der erste Schritt); das Erlernen der Normalatmung; das Loslassen von Spannungen; das Bewußtmachen der feineren Vorgänge im Organismus; das Umpolen durch positive Autosuggestionen. Sobald die verschiedenen Formen der Fehlatmung abgestellt sind, sobald die natürliche Ruheatmung wieder fließt, gelten auch noch andere Regeln – falls man Interesse daran hat, weiterzugehen.

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Die beiden korrekten Ruheatmungen

Alle Atemübungen sind kontraproduktiv, solange die beiden Ruheatmungen nicht perfekt ablaufen. Kurz:

  1. Die Naturatmung in Rückenlage ist die gelöste Bauchatmung. Nur das Zwerchfell bewegt sich (und die unteren Rippenmuskeln), die Atemhilfsmuskeln im oberen Rumpf sind nicht aktiv. Bewegt sich in Rückenlage etwas anderes als nur der Bauch, zeugt dies von körperlichen und geistigen Spannungen. Der Bauch bewegt sich von alleine; es ist ein Fehler, ihn aktiv zu wölben, denn dadurch entstehen noch mehr Spannungen.

  2. Die natürliche Ruheatmung im Sitzen und Stehen ist nicht identisch mit der Bauchatmung im Liegen. »Im Bauch loslassen, weich werden« – das gilt nur für die Bauchatmung im Liegen; in der aufrechten Position wäre es ein unnnatürlicher, den Fluß des Prana störender Vorgang, während die korrekte Lendenatmung mit Tonus der Bauchdecke den Energiefluß im Unterleib harmonisiert. Den Bauch nicht extra anspannen, nur den Tonus halten – die natürliche Muskelspannung im aktiven Zustand, welche nur in Rücken- und Seitenlage (beim Ruhen, beim Schlafen, in der Ohnmacht) verlorengeht, in der dann die Bauchatmung mit weichem Bauch fließt. Wenn man im Sitzen und Stehen »im Bauch losläßt«, dann geht der Prana falsche Wege.

Zu 1. In beiden Fällen ist es die reine Zwerchfellatmung. Senkt sich einatmend das Zwerchfell, weitet sich der ganze untere Rumpf. Man kann in Rückenlage spüren, daß mit dem Heben der Bauchdecke sich die Flanken weiten, wenn auch nicht so deutlich wie im Sitzen. Zu 2. Bei der Lendenatmung weitet sich neben der Nierengegend auch etwas der Oberbauch; vom Nabel abwärts jedoch halte man den Tonus, und eine leichte Spannung des Beckenbodens. Im Yoga wird darauf Wert gelegt. Ein Zitat von André van Lysebeth: »Es gibt zwei Möglichkeiten, um einzuatmen. Westliche Atemgymnastik empfiehlt, daß der Bauch entspannt und ausgewölbt werde. Der Yoga verlangt, daß im Gegenteil die Bauchmuskulatur kontrahiert bleibt.«

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Aus den 12 Geboten der Atemschule von Dr. Parow

Vor allem der erste der folgenden Punkte sorgt für Verwirrung, weil man uns von Kindheit an das Gegenteil gelehrt hat. Die Prinzipien des Arztes Julius Parow harmonieren mit der Essenz des Yoga-Atmens. Tatsache ist, daß heute die meisten Menschen in ständiger Ausatmungsschuld sind (zuviel einatmen, zuwenig ausatmen), bewirkt durch chronischen Streß und die dadurch entstehenden Verspannungen.

Im Ruhezustand, so liest man, atmet der Erwachsene etwa 15mal pro Minute. Man mag dagegen argumentieren (ob dies wirklich Ruhe bedeutet) oder nicht; der Yogin bemüht sich täglich für einige Zeit, den Atem zu verlangsamen, zur Förderung der Gesundheit, des harmonischen Fließens des Prana. So mancher ist hier verunsichert und sagt: Ich kriege nicht genug Sauerstoff, wenn ich langsamer atme! Diese Äußerung beweist, daß er weder über die westliche Physiologie noch über das Yoga-Atmen nachgedacht hat. Das ist viel Theorie; hier geht es an die Praxis, an die wichtigsten 7 Punkte aus Dr. Parows Empfehlungen:

Werden die Regeln genauestens eingehalten, dann ist es nach Dr. Parow nur eine Frage der Zeit und des regelmäßigen Übens, bis sich diese im Ruhezustand normale Atmung so gut eingeprägt hat, daß sie als Gewohnheit automatisch abläuft.

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Die Essenz des Yoga-Atmens

Pranayama = prana + ayama. Das letzte stammt von a-yam und bedeutet »Dehnen, Ziehen, Zügeln, Hemmen«. In Verbindung mit dem Atmen ist darunter zu verstehen: in gesundheitlicher Hinsicht »das Verlangsamen« des Atems; in Hinsicht auf das höchste Ziel des Yoga »das Unterbinden, der Stillstand des Atems«. Das zweite betrifft nur eine Handvoll Personen weltweit, nämlich jene Glücklichen, die reif für den Samadhi sind. Hier geht es um die gesundheitliche Essenz des Atmens.

»Der Prana fließt gut durch Körperübungen; er fließt noch besser durch Atemübungen; am besten fließt er durch das friedliche Sitzen in Meditation.« In diesem Merksatz steckt das Geheimnis: Je ruhiger der Atem fließt, desto ruhiger fließen die Energieströme. Somit klärt sich alles, wenn man an den obersten Merksatz denkt: »Gesundheit ist das harmonische Fließen des Prana; sein gestörter, zu starker und zu schwacher Fluß bedeutet Krankheit.«

»Je ruhiger der Atem fließt« heißt: je langsamer er fließt; dies ist die Essenz des Yoga-Atmens. So wird verständlich, warum das stille Sitzen derart hoch angesehen wird; der Meditationsatem ist der extrem langsam fließende, fast unmerkliche Atem, der den Eindruck des Stillstands vermittelt. Er geht über das bewußte Atmen, über das Üben hinaus, führt zur inneren Ruhe und öffnet das Tor zur wahren Konzentration.

Im Ruhezustand, so liest man, atmet der Erwachsene etwa 15mal pro Minute. Man mag dagegen argumentieren (ob dies wirklich Ruhe bedeutet) oder nicht; der Yogin bemüht sich täglich für einige Zeit, den Atem zu verlangsamen – zur Förderung der Gesundheit, des harmonischen Fließens des Prana. Die wichtigste Regel von Dr. Parow: »Atme mit möglichst wenig, nicht mit viel Luft!« So mancher erwidert: Ich kriege nicht genug Sauerstoff, wenn ich langsamer atme! Die Äußerung beweist, daß er weder über das Yoga-Atmen noch über die westliche Physiologie nachgedacht hat: Daß wir in Ruhe viel Sauerstoff brauchen ist ein Märchen, welches die Idee mit sich bringt, den Sauerstoff als gut und das Kohlendioxyd als schlecht zu betrachten, als ein Abfallprodukt, das durch Tiefatmen schnell aus dem Körper zu entfernen ist. Ein physiologischer Gehalt an Kohlendioxyd im Blut ist lebenswichtig, und der unter chronischem Streß stehende Mensch unserer Gesellschaft, der sich in ständiger Ausatmungsschuld befindet (er atmet zuviel ein und zuwenig aus), bringt das natürliche Wechselspiel zwischen Sauerstoff und Kohlendioxyd aus dem Gleichgewicht.

Die Yogalogik anhand der »vollständigen Atmung«. Wer hier geübt ist, atmet etwa 3mal pro Minute; bei fünfminütiger Übung sind das 15 Atemzüge – so viel, wie der normale Mensch in nur einer Minute benötigt. Im Hinblick auf die Gesundheit ist das sehr gut, wie aus der Lehre vom Prana hervorgehen sollte.

Man mag sich mit den vielen Atemtechniken beschäftigen; sie sind abwechslungsreich und gewinnbringend. Man mag sich aber auch nur an die Essenz der Sache halten: Ich atme jetzt einige Zeit lang so fein, so ruhig, so langsam wie möglich ein und aus!

Das ist alles. Wie »fein« man am Ende, nach langer Übung atmen kann, wird anhand des klassischen Beispiels deutlich: Ein vor der Nase hängender Faden bewegt sich beim Atmen nicht. Das ist extrem schwierig, vor allem wenn man es nonstop über längere Zeit durchhalten will. Daher empfehle ich nicht, dies wirklich zu praktizieren, denn meist entsteht dabei ein kontraproduktiver Streß. Bei dem Bild mit dem Faden behalte man den Geist des Ganzen: Ich atme jetzt so langsam wie es mir noch angenehm möglich ist! Erst bei den höheren Atemübungen ist die Sache wörtlich zu nehmen; das Kaum-noch-Atmen und am Ende der Atemstillstand ist das Ideal, das höchste Ziel des Pranayama.

Man wird übrigens feststellen, daß alleine schon die Bewußtheit das Atmen langsamer macht. Sobald der Atem beobachtet wird, fließt er von selbst ruhiger. Und dadurch kommt automatisch die innere Ruhe. Das ist ein natürliches Phänomen, welches man nutzen sollte. Es ist überaus einfach – jedes Kind kann das – und hochwirksam. Das Atembewußtsein spielt im Yoga die größte Rolle!

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Heilatmungen: die beste Übung

Zur Überschrift: Es gibt nicht nur eine Art, gesundheitlich zu atmen, und es wird unterschieden in Naturatmung und Übung. Die Essenz des Yoga-Atmens, das ruhige Atmen im Sitzen und Stehen, ist natürlich eine Heilatmung, eine der besten. Obwohl hier mancher einwendet, daß man sich sogar dazu zwingen muß, sollte sie nicht als Übung bezeichnet werden, denn es ist die Normalatmung eines gesunden, entspannten Menschen mit geordneten Gedanken, eine auffallend langsame und flache Atmung. Daß der Erwachsene 14–18mal pro Minute atmet, wie kam diese Norm zustande? Sie ist zu hoch! 15 Atemzüge pro Minute, das heißt: Man atmet in 2 Sekunden ein, in 2 Sekunden aus und macht nach dem Ausatmen nicht die kleinste Pause; dies kann nicht normal sein. Man mag wiederum einwenden: Die meisten atmen so! Das stimmt; man darf es trotzdem nicht als Norm festlegen. Auch für das Atmen gilt: Wenn das Schlechte normal geworden ist, ist es noch lange nicht natürlich. Im Ruhezustand 10 Atemzüge pro Minute, das ist besser; 8–6mal, das ist optimal.

Auch an dieser Stelle sei auf den Unterschied zwischen a) natürlichem und b) willentlichem Atmen hingewiesen. Willentlich bedeutet nicht natürlich (das kann durchaus mißverständlich sein, heißt aber nichts anderes als: diese Art des Atmens muß man wollen); dennoch ist das minutenlange willentliche Atmen wertvoll. Alle indischen Atemübungen sind willentliche Atmungen. Hier muß man sich entscheiden zwischen westlicher und östlicher Anschauung, denn das willentliche Atmen kann nicht von Nutzen sein wenn man dabei die permanente Befürchtung hat, etwas Schädliches zu tun.

Man hat uns gelehrt: Tiefatmen ist gesund, weil der Organismus mehr Sauerstoff bekommt. Dem liegt die Idee zugrunde: Sauerstoff ist gut; Kohlendioxyd ist als »Abfallprodukt« schnell aus dem Körper zu entfernen. Da muß es verwundern wenn man hört: Der chronisch verspannte Mensch atmet zuviel ein und zuwenig aus (»Einatmen ist Spannung, Ausatmen ist Entspannung« – niemand widerspricht diesem Merksatz, jeder kann es spüren). Das wird als Atmen in ständiger Ausatmungsschuld bezeichnet und ist selbstverständlich falsch und schädlich. Gleichzeitig bedeutet diese Fehlatmung: viel Sauerstoff, wenig Kohlendioxyd.

»Viel Sauerstoff, wenig Kohlendioxyd = Gesundheit« – so stimmt es eben nicht. Der wegweisende Satz des Forschers Dr. Paul Seeger lautet: »Nicht Sauerstoffmangel ist die Ursache des Krebses. Sauerstoff ist zur Genüge vorhanden, er kann jedoch nicht utilisiert werden!« Warum der Sauerstoff in den Körperzellen nicht utilisiert werden kann (er oxydiert dort zum Zwecke der Energiegewinnung den Wasserstoff), das ist ein endloses Thema mit vielen Einzelpunkten, welche hier nicht besprochen werden können bis auf eine Ausnahme: das falsche Atmen. Eine der Definitionen für »Gesundheit« ist das Gleichgewicht der biochemisch-energetischen Prozesse im Organismus, und dazu gehört das Wechselspiel zwischen Sauerstoff und Kohlendioxyd.

Mancher Freund des Yoga wendet ein: Einer der Pranayamas ist Bhastrika, »der Blasebalg«. Bei ihm wird in schnellen, fortlaufenden Stößen energisch ein- und ausgeatmet, um auf diese Weise »viel Sauerstoff zu tanken«. Irrt der Yoga? Nein. Erstens führt man diese willentliche Atmung täglich nur wenige Minuten lang aus; zweitens kommt es auf die korrekte Ausführung an: Nach etwa zehnmal »Schnüffeln« wird die Luft lange (!) angehalten, dadurch das Kohlendioxyd vermehrt und der Wasserstoff in den Zellen durch den auf diese Weise (= durch die Erhöhung des CO2) freiwerdenden Sauerstoff oxydiert; erst dann folgen die nächsten zehn blasebalgähnlichen Atemzüge, erneut die Vermehrung des Kohlendioxyds durch Anhalten und so fort. Genial – wie der gesamte Yoga es ist. Bhastrika ist ein Förderer der Zellatmung.

Den gleichen Einwand gibt es bei der vollständigen Atmung. Der Ausdruck »vollständig« sagt es – sie gehört zum Tiefatmen. Es  gilt auch hier: Erstens führt man sie nur wenige Minuten aus; zweitens kommt es auf die korrekte Ausführung an. Man atmet zwar tief, aber langsam, und man macht eine deutliche Pause nach dem Ausatmen; somit gleicht sich die erhöhte Sauerstoffzufuhr durch eine Vermehrung des Kohlendioxyds aus. Auch diese Atmung ist damit ein Förderer der Zellatmung. Ihre eigentliche Absicht ist aber nicht die Steigerung des Sauerstoffs, vielmehr die durch die Wellenbewegung des Rumpfes bewirkte Beseitigung der pathogenen Blutfülle im Bauch.

Wie der Sauerstoff hat auch das Kohlendioxyd wichtige Aufgaben im Organismus. Die erste Anregung dazu bekam ich vor 35 Jahren von Boris Sacharow, einem der Pioniere des Hatha-Yoga in Deutschland. In seinem Buch »Yoga aus dem Urquell« (Günther-Verlag Stuttgart 1957) gibt es im Kapitel über den Pranayama einen Abschnitt, der ein tieferes Nachdenken verdient: »Abgesehen von (…) bewirken die indischen Atemübungen, was bis jetzt nirgends hervorgehoben wurde, in nicht minderem Maße die seelische Gesundung durch erhöhte Zufuhr des Kohlendioxydgases – eine besondere Methode, welche zuletzt in Amerika … eingeführt und durch einen Kongreß der Amerikanischen Psychiatrischen Vereinigung bestätigt und nunmehr allgemein anerkannt wurde und welche darin besteht, daß der Patient ein Gasgemisch von 70% Sauerstoff und 30% Kohlendioxyd etwa fünf Minuten einatmet und nach 30–100 solcher Behandlungen von Hysterie, Schwermut, Alkoholismus, Sprachfehlern und mindestens 80% sonstiger neurotischer Erkrankungen restlos – und dabei ohne Anwendung von Psychoanalyse, Hypnose und dergl. – geheilt werden soll. Im Falle der indischen Atemübungen erlangt man dasselbe Resultat lediglich durch das besonders dosierte, steigende Atemanhalten, wobei das notwendige Kohlendioxyd auf natürliche Weise in der Lunge selbst durch Verbrennung von größerer Menge eingeatmeten Sauerstoffes [ein Lapsus, Anm. von H. Maldoner; »verbrannt« wird der Wasserstoff, der Sauerstoff ist das Oxydationsmittel] gebildet wird! So heilt der uralte indische Yoga auch Nervenleiden auf natürlichste – und doch modernste – Weise.«

Die zweite Anregung kam viel später durch Dr. Konstantin Pavlovitch Buteyko (1923–2003), einem russischen (in der Ukraine geborenen) Forscher, der in seiner Tätigkeit als praktizierender Arzt zu dem Schluß kam, daß die wahre Ursache von Asthma, Allergien und vielen anderen Zivilisationskrankheiten die Verminderung der CO2-Konzentration im Blut ist, hervorgerufen durch chronisches (!) Hyperventilieren. Prof. Buteyko lehrte seine Patienten »weniger zu atmen« und auf diese Weise langfristig die Atmung wieder zu normalisieren. Im Jahr 1988 gründete er die Buteyko-Klinik in Moskau. Die als »Buteyko-Atmung« bekannte, sehr erfolgreiche Methode ist in Russland offiziell anerkannt und verbreitet sich nun in vielen Ländern. 

Prof. Buteyko hat seine Methode als »willentliche Normalisierung der Atmung« bezeichnet, man bemerke auch hier den scheinbaren Widerspruch – ich muß, um die natürliche Atmung zu erreichen, willentlich eingreifen. Da nach Dr. Buteyko das Problem in einer Verminderung des Kohlendioxyds liegt, besteht die Lösung darin, dessen Gehalt im Blut anzuheben; dies geschieht durch ein »Bremsen« der Atmung generell und durch das Einhalten einer gewissen Leerphase nach dem Ausatmen speziell. Das Anhalten des Atems mit leeren Lungen kann anfangs nur kurz sein (mehrere Sekunden), soll aber durch tägliches Üben kontinuierlich gesteigert werden. In ihrer fortgeschrittenen Art erweist sich diese Übung, technisch gesehen, als praktisch identisch mit einer uralten Yoga-Atmung, Murcha Pranayama.

Die Buteyko-Methode – diese Bemerkung stellt nicht die geringste Kritik dar – ist schwieriger als das einfache, sanfte Yoga-Atmen; man soll nach dem Ausatmen so lange wie möglich, unter Aufbietung großer Willenskraft nicht mehr atmen, um eine entsprechende Vermehrung des Kohlendioxyds zu erreichen. Wobei hier anzumerken ist: Die sogenannte Maximalpause ist unter den Buteyko-Therapeuten umstritten; Prof. Buteyko ging es weniger um das kurze intensive Üben, etwa zur Abwehr eines Asthma-Anfalls, als vielmehr um eine langfristige Normalisierung der Atmung – um das langsame, flache, gelöste Atmen, ganz im Sinne des Yoga. Die Maximalpause hat einige Gegenanzeigen und darf nur unter persönlicher Anleitung praktiziert werden.

Dr. Buteykos Lehre ist hochwissenschaftlich, erfordert ein gründliches Studium – über 150 Krankheiten sollen auf die Therapie ansprechen – und kann aus diesem Grunde an dieser Stelle nur gestreift werden. Es ist unter anderem eine Frage des Respekts, eine derart verdiente Persönlichkeit nicht verkürzend und daher vielleicht mißverständlich zu präsentieren. Das Nichtwissen unserer Ärzte über Dr. Buteyko ist typisch für die Schlafmützigkeit der Deutschen. Man halte sich auch hier an das Yogaprinzip von Selbststudium und Selbstbehandlung. Die beste Webseite zu Prof. Buteyko ist die englischsprachige, fleißig aktualisierte von Peter Kolb mit vielen nützlichen, auch deutschen Links: http://members.westnet.com.au/pkolb/buteyko.htm

Die Erwähnung der Buteyko-Methode liegt mir am Herzen. Da jedoch der Hatha-Yoga in meinen Augen das beste aller Gesundheitssysteme ist, wird man verstehen, wenn ich nun zum Yoga-Atmen, hier in Verbindung mit dem Stichwort Kohlendioxyd zurückkehre. Ich teile die Meinung von Boris Sacharow, daß alle anderen Prozeduren überflüssig sind, »wenn der Kranke es versteht, seinen Atem nach der indischen Methode anzuhalten und auf diese Weise allmählich den Kohlendioxydgehalt … beliebig zu steigern.« Hier wird lediglich die milde, unproblematische Form dieser Heilatmung vorgestellt, ich bitte diesbezüglich um Verständnis; alles »höhere« Atmen darf  ja nur unter persönlicher Anleitung erlernt werden.

Die milde Form der Übung nenne ich um der Klarheit willen »das verlängerte Ausatmen« – eine der besten senkenden Übungen (Medizin bei Hypertonie, Herzproblemen, Kopfdruck, Tinnitus, Schlaflosigkeit, Asthma bronchiale …), eine der schnellsten und wahrlich einfachsten Methoden, um zur körperlichen und psychischen Ruhe zu kommen, um den harmonischen Fluß des Prana in allen Meridianen zu erreichen – und eben auch, um das Kohlendioxyd im Blut zu vermehren und dadurch die richtige Ausnutzung des Sauerstoffs zu ermöglichen (der paradoxe »Bohr-Effekt«). Anfangs ist es möglich, daß die Herzfrequenz nicht wie versprochen sinkt, sondern sogar etwas ansteigt. Das ist normal, hier darf man sich nicht verwirren oder entmutigen lassen; der Körper braucht etwas Zeit bis er begreift, was man von ihm will. Etwas Übung also vorausgesetzt, führt diese Art des Atmens zu einem beseligenden Zustand, zur »Organstille«. Natürlich schlägt das Herz weiter, und dennoch: Vorherrschend ist das tiefe, befriedende Gefühl des scheinbaren Stillstandes der inneren Maschinerie. Das Leerbleiben ist eine Erholung für die Organe, selbst bei kurzer Dauer; die geistige Wirkung kommt dann richtig zur Geltung, wenn man es schafft, länger leer zu bleiben und sich im Sinne des Yoga auf gewisse Dinge zu konzentrieren.

Die Theorie ist einfach: Bremse das Ausatmen und bleibe dann leer. Die Praxis der milden Form der Übung ist einfach: In Rückenlage oder mit geradem Rücken im Sitzen atmet man ein, wie man es gerade braucht (mild oder tief, jedenfalls langsam, sanft) und versucht, 1. den Ausatem zu bremsen, langsamer auszuatmen und in diesem Augenblick ganz loszulassen, auch geistig (!). 2. Dann verweilt man wenige Sekunden (!), so wie es angenehm (!) möglich ist, mit leeren Lungen. 3. Wenn der nachfolgende Einatmen nicht plötzlich, nicht stoßartig, vielmehr ruhig, sanft kommt, hat man alles richtig gemacht; andernfalls wurde die Leerphase zu lange gehalten. Jetzt nimmt man einige ruhige »Zwischenatem« (= man atmet normal weiter), erst danach folgt eine neue Runde: ruhig ausatmen, leerbleiben, ruhig einatmen … So geht das mehrere Minuten lang. Zur Dauer des Leerbleibens: Anfangs können es ja nur 2, 3 Sekunden sein. Mit fortschreitender Übung gelingt es für längere Zeit: 5, 10, 15, 20 Sekunden … Man vermeide jeden Streß; der Fortschritt muß auf natürliche Weise kommen. Je tiefer die geistige Entspannung ist, desto länger vermag man leerzubleiben und diesen Zustand zu genießen. Zur Position: Die sitzende Haltung ist besser als die liegende; vor allem ist sie Pflicht bei starkem Übergewicht, bei Herzproblemen, bei Hypotonie. Die liegende Position soll man im Bett nutzen; das hat den Vorteil, daß man schnell dabei einschläft: ein Mittel gegen Schlaflosigkeit (das funktioniert vielleicht nicht in der Anfangsphase, wo die Atmung eher Streß bedeutet, sondern nach einer gewissen Zeit der Übung).

Die intensive Form der Übung heißt Murcha Pranayama, die alte indische Technik, oder Buteyko-Atmung, die veränderte moderne Art. Damit sage ich nicht, daß der geniale Prof. Buteyko einen Pranayama übernommen hat; er kam durch jahrelanges, hindernisreiches eigenes Studium auf die Sache. Die Ähnlichkeit der beiden Techniken ist aber auffallend; bei der Buteyko-Atmung wird der wissenschaftliche, rein gesundheitliche Aspekt in den Vordergrund gestellt, Murcha Pranayama gehört zum spirituellen Yoga (siehe unten). Aus Gründen der Verantwortung ist der folgende Hinweis für mich extrem wichtig:  Sowohl die indische als auch die russische Technik dürfen niemals ohne persönliche Anleitung erlernt werden! Meistens wird »Murcha« – sehr  bedauerlich – mit »Ohnmacht, Betäubung« übersetzt. Das ist eindeutig irreführend, denn die tiefere und hier in Frage kommende Bedeutung des Begriffes ist »Ausschaltung der Sinne«, ein Zustand innerer Stille und Seligkeit. In Murcha Pranayama wird der Atem lange ausgesetzt unter Anwendung einer bestimmten Konzentration; eine hohe und damit auch problematische Technik, nur für Eingeweihte. Ähnliches gilt für die intensive Form der Buteyko-Atmung: Hier muß der Therapeut neben dem Patienten sitzen, ihn anleiten und überwachen; alles andere ist nicht in Ordnung. Die milde Form der Übung betrachte ich als unproblematisch; ich kann es vertreten sie zu lehren und jedem Kursteilnehmer zu empfehlen, sie daheim zu praktizieren. Der höchst angenehme Moment des Loslassens beim Ausatmen; das angenehme (!!!), 5, 10, 15 … Sekunden dauernde Leersein verlangsamt den Atemrhythmus (= die Essenz des Yoga-Atmens), führt zur Entspannung der Muskeln, zur Beruhigung der Nerven, ist eine Erholung für den Organismus und vermittelt einen Funken geistiger Ruhe. 

Zur indischen Technik. Da die Beschreibung in den Schriften (absichtlich?) ungenau ist, wird Murcha Pranayama oft so interpretiert, daß die Luft nach dem Einatmen angehalten wird. Auch hier folge ich Boris Sacharow, welcher das im Originaltext stehende Wort »angenehm, behaglich« auf das langsame Ausatmen und Anhalten mit leeren Lungen bezieht. Die Technik gehört zum geistigen Yoga, sie wird im Yoga-Sutra des Weisen Patanjali erwähnt ( I, 34): »Oder durch Ausstoßen und Anhalten des Atems erlangt man die Ruhe des Geistes.« Ähnliche Beschreibungen findet man in anderen Schriften. Eine der klassischen Anweisungen ist in meiner Übersetzung des Yoga-Sutra zitiert: »Wenn der Atem ganz draußen ist … und von selbst anhält, in solch einer Pause verschwindet das ›kleine Selbst‹ (das Ich-Bewußtsein, Ego).«

Zusammenfassend: Beim Yoga-Atmen und bei der Buteyko-Atmung geht es darum, wie man atmet, und wie oft man atmet. Wie? Mit wenig Luft, nicht tief, entspannt, das Ausatmen betonend, mit kurzem Leerbleiben, stets durch die Nase. Wie oft? 6 bis 8 Atemzüge pro Minute wären ideal. Dies gilt für die normale Ruheatmung. Für das willentliche Atmen mag gelten: Ich atme fünfmal, viermal, dreimal, zweimal pro Minute …

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Tiefatmen ist selten gesund und meistens schädlich

Viele Menschen sagen: »Atme ich einige Male tief und energisch ein, dann wird mir schwindlig« – das klarste Zeichen dafür, daß Tiefatmen nicht gesund sein kann. Besonders das allseits gepriesene Tiefatmen im Verbund mit gewissen Bewegungen wie dem Heben der Arme usw. ist als unnatürlicher, gekünstelter Vorgang abzulehnen. Fehlatmungen können durch Tiefatmen nicht korrigiert werden; im Gegenteil, dadurch wird alles noch schlimmer.

Das Mißverständnis mit dem Tiefatmen entsteht, wenn die Sache mit dem Sauerstoff und Kohlendioxyd nicht bedacht wird, und wenn man die Ruheatmung nicht von der Atmung in Bewegung abgrenzt. Das sind zwei verschiedene Welten mit unterschiedlichen Prinzipien. Hier ist von der Ruheatmung die Rede, und von ihr gilt: Man atme ruhig, entspannt, gelöst. Mit den Worten von Dr. Parow: »Atme mit wenig, nicht mit viel Luft!« Einatmen = Spannung, Ausatmen = Entspannung – niemand widerspricht diesem Satz, alle spüren es. Tiefatmen ist eine vermehrte Spannung. Die meisten Formen der Fehlatmung entstehen durch zuviel Spannung, durch den chronischen Distreß. Wie soll sich da durch Tiefatmen eine Fehlatmung bessern? Und falls jemand argumentiert: »Durch Tiefatmen erhält der Körper mehr Sauerstoff«, dann ist er gut beraten, sich mit Dr. Buteyko zu beschäftigen. Je mehr Sauerstoff man einatmet, desto mehr Kohlendioxyd wird aus dem Körper entfernt. Je geringer das Kohlendioxyd wird, desto schlechter trennt sich der Sauerstoff von seinem Träger, dem Hämoglobin des Blutes, desto weniger Sauerstoff steht den Zellen zur Verfügung (der »Bohr-Effekt«). Das gilt für die Atmung im Zustand der Ruhe, also für den größten Teil des Tages und für die ganze Nacht.

Regeln haben Ausnahmen. Manchmal tief zu atmen ist gut, das sagt der gesunde Menschenverstand. Kommt man aus dem überhitzten Saunaraum ins Freie, dann ist es gut, einige Male tief einzuatmen. Reckt und streckt man sich morgens vor dem Aufstehen, dann ist es natürlich, einige Male tief zu atmen. Gähnt man herzhaft, dann atmet man tief, und es ist gesund, weil der Körper danach verlangt. Kommt man aus der Entspannung des Yoga, dann streckt man sich energisch und atmet dabei einige Male tief, um den Kreislauf anzukurbeln: ein natürlicher Vorgang. Weiter ist Tiefatmen gesund in Form des Bhastrika-Pranayama und der vollständigen Atmung; bei beiden aber ist die korrekte Ausführung essentiell: Nach dem Tiefatmen hält man den Atem zur Vermehrung des Kohlendioxyds an; damit ist der Pranayama ein geniale Technik zur Förderung der Zellatmung. Es sollte nicht schwierig sein, dies alles von dem zu Unrecht gepriesenen generellen Tiefatmen zu unterscheiden.

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Die fehlerhafte Gleichsetzung von Ruheatmung und Atmung in Bewegung

8 von 10 Menschen welche hören, man müsse generell weniger atmen, erwidern spontan: »Ich brauche doch mehr Sauerstoff, wenn ich laufe, arbeite, usw.! « Versteht sich das nicht von selbst? Das Mißverständnis mit dem Tiefatmen entsteht, wenn man die Sache mit dem Sauerstoff und Kohlendioxyd nicht bedenkt und wenn man die Ruheatmung nicht von der Atmung in Bewegung abgrenzt. Das sind zwei Welten mit unterschiedlichen Prinzipien. Hier ist von der Ruheatmung die Rede, und von ihr gilt: Man atme langsam, ruhig ein und aus; mit wenig, nicht mit viel Luft.

Oberster Punkt des westlichen gesundheitlichen Denkens ist die Zellatmung. Hier ist Energie das Ergebnis chemischer und elektrischer Vorgänge in den Zellen. In ihnen wird die im Darm in ihre kleinsten Bestandteile zerlegte Nahrung weiter abgebaut zu einer Grundsubstanz, aus welcher in den Mitochondrien der Wasserstoff herausgelöst wird. In der sog. Atmungskette werden der Wasserstoff und der über das Blut in die Zellen gebrachte Sauerstoff durch Übertragung von Elektronen »aktiviert«. Am Ende der Atmungskette verbrennt (oxydiert) der Sauerstoff den Wasserstoff zu Wasser. Die dabei freiwerdende Energie wird, sofern nicht sofort als Wärme verbraucht, in Form der chemischen Verbindung ATP wie in einer Batterie gespeichert, bis sie für alle nötigen Vorgänge im Körper abgerufen wird. Das wird innere Atmung, Zellatmung, biologische Oxydation genannt. Jede Störung der Zellatmung führt zur Krankheit.

Die Zellatmung hängt vom guten elektrischen Potential der Zellen und der Zwischenzellflüssigkeit ab; darunter versteht man die Kraft der Bewegung, mit deren Hilfe die Zellen optimal ernährt und entgiftet werden. Entscheidend dafür ist die Zellmembran, das Tor, durch welches die Ernährung und die genauso lebenswichtige Entschlackung einer Zelle gewährleistet wird. Durch mehrere Faktoren werden Zellmembranen geschädigt und zerstört; die schlimmsten sind: Tausende von Umweltgiften und eine falsche Ernährung. Mit der Schädigung der Membranen kommt es zu Auflösungserscheinungen in den Zellen und schließlich zum Zerfall der Enzymsysteme in den Zellen – die Zellatmung bricht zusammen.

Die Zellatmung ist die alles überragende Sache; sie kann hier nur angedeutet werden. Der Organismus besitzt zwei Methoden zur Energiegewinnung: die primitive anaerobe Gärung (Abbau von Glukose zu Milchsäure ohne Sauerstoff) und den höheren, weit mehr Energie liefernden aeroben Atmungsstoffwechsel. Durch Schädigung der Zellmembranen und durch Zerstörung der in den Zellen befindlichen Atmungsenzyme schaltet die normalerweise atmende Zelle, um zu überleben, auf den anaeroben Vorgang der Glykolyse um; sie gärt. Eine gärende Zelle aber wird, wie wir seit Jung, Warburg und Seeger wissen, zur Krebszelle.

Die Ursache für das Umschalten der Zellen von Atmung auf Gärung ist die mangelnde Verwertung des Sauerstoffs und der damit verbundene Überschuß an Wasserstoff. Dafür verantwortliche Faktoren sind: eine falsche Ernährung und schlechte Verdauung (Wasserstoffüberschuß, Bildung pathogener Substanzen); mangelnde Bewegung und ungenügende Atmung (Sauerstoffarmut); Umwelt- und Nahrungsgifte (Schädigung der Zellmembranen, Verminderung des elektrischen Potentials); chronischer Streß (er führt durch Entgleisungen des Hormonsystems zum Zuckerüberschuß in den Zellen, zur ungenügenden Verbrennung des Wasserstoffs und damit zur milchsauren Gärung). Die Hauptursache für (fast) alle Krankheiten ist die Verschlackung des Blutes und der Gewebe, die Erstickung der Zellen durch Abfallsubstanzen eines gestörten Stoffwechsels, durch Gärungs- und Fäulnisprodukte eines insuffizienten Darms, durch Gifte und Fremdstoffe aller Art. Die verschiedenen Krankheiten zeigen den Ort und den Grad der Belastung an und sind der Versuch des Körpers, sich von diesen Giften zu befreien. Es kann daher nur eine ursächliche Therapie geben: die Ausleitung der Fremdstoffe, die Entgiftung des Organismus mit Hilfe natürlicher Methoden (Diät; Fasten; therapeutisches Erbrechen; Purgieren und andere Darmreinigungen; Wasseranwendungen; Schwitzkuren; Massagen; die Einnahme von Heilkräutern und anderen Naturmitteln).

Von den aufgezählten Faktoren sei hier nur die Sauerstoffarmut genannt. Und genau dieser Begriff wird mißverstanden. Man denke an den großen Satz von Dr. Seeger: »Nicht der Mangel an Sauerstoff ist die Ursache des Krebses. Sauerstoff ist zur Genüge vorhanden, er kann jedoch nicht utilisiert werden!« Durch noch so viel Atmen wird es nicht gelingen, die biologische Oxydation anzuregen, wenn der gewonnene Sauerstoff in den Zellen nicht verwertet werden kann. Diese Feststellung ist sowohl für die Ruheatmung als auch für die Atmung beim Sport bedeutsam.

Die Ruheatmung. Da bei ihr die Muskeltätigkeit – ein Hauptgrund für die Bildung des Kohlendioxyds – auf ein Minimum beschränkt ist, wird auch nur ein Minimum an Sauerstoff gebraucht. Im Zustand der Ruhe tief zu atmen ist unnatürlich und schädlich. Dadurch vermehrt sich der Sauerstoff und vermindert sich das Kohlendioxyd im Blut. Je niedriger dessen Konzentration ist, desto schlechter trennt sich der Sauerstoff von seinem Träger, dem Hämoglobin des Blutes. Je mehr man atmet, desto weniger Sauerstoff steht den Zellen zur Verfügung (der paradoxe »Bohr-Effekt«). Im Ruhezustand soll man langsam und ruhig atmen; mit wenig, nicht mit viel Luft. Dadurch vermehrt sich das Kohlendioxyd, lockert sich die Bindung des Sauerstoffs ans Hämoglobin, gelangt mehr Sauerstoff in die Zellen, um dort den Wasserstoff zu verbrennen.

Die Atmung in Bewegung. Auch bei ihr geht es um nichts anderes als um eine funktionierende Zellatmung; der Sinn von mehr Bewegung ist die Steigerung des Sauerstoffs zur Verbrennung des vermehrt anfallenden und deswegen schädlichen Wasserstoffs. Durch die beim Sport auf höchstem Niveau arbeitenden Muskeln, durch den hochgradig aktiven Stoffwechsel wird ein Vielfaches an Sauerstoff benötigt, um das Gleichgewicht im Organismus aufrechtzuerhalten. Es gilt aber, um die Königsdisziplin des Laufens zu nennen, zu bedenken: Man laufe aerob, man gerate nie in Sauerstoffschuld. Dies wird von vielen Läufern nicht beachtet, erkennbar an den roten, schweißüberströmten Gesichtern und am hechelnden Atem. So kann man durch falschen Ehrgeiz, durch nicht korrekt betriebenen Sport den Körper schädigen, indem man die Zellatmung behindert.

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Diese Seite wurde am 03.02.2010 zuletzt geändert.

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