Yoga-Institut Helmuth Maldoner Karlsruhe

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Es geht um:

Helmuth Maldoner
»ERNÄHRUNG UND GESUNDHEIT aus östlich-energetischer und westlich-biochemischer Sicht«
Raja-Verlag Stuttgart 2004.

Ich weiß nicht, wann und ob es überhaupt jemals zu einer zweiten Auflage kommen wird; deswegen und auch weil ich glaube daß die Zeit drängt, folgt hier für jene, die so freundlich waren mein Buch über Ernährung zu kaufen, das Vorwort zu einer eventuellen neuen Auflage. Das ist für mich aus Gründen der Verantwortung wichtig, da man neben nützlichen Ergänzungen vor allem einige Präzisierungen zur Öl-Eiweiß-Kost von Dr. Budwig findet, die bei meinen Empfehlungen an oberster Stelle steht.

 

VORWORT ZU EINER (EVENTUELLEN) ZWEITEN AUFLAGE

Die zweite Auflage ermöglicht es dem Autor, anstelle des im Vorwort lediglich zusammenfassenden, extrem verkürzten Anfangszitates von Louis Kuhne dessen markante, wegweisende Originalworte wiederzugeben, bei verschiedenen Themen zusätzliche Bemerkungen anzufügen und einige kleinere Flüchtigkeitsfehler zu berichtigen (wie etwa auf Seite 80, wo nicht stehen sollte: 1750 Gramm Quark plus Yoghurt, sondern: 1500 Gramm Quark plus Yoghurt, das heißt insgesamt 1750 Gramm).

Das Originalzitat von Louis Kuhne lautet: »Jedes Kranksein wird bedingt durch das Vorhandensein von Fremdstoffen im Körper. Es gibt nur eine Krankheitsursache, es gibt auch nur eine Krankheit, die sich durch verschiedene Erscheinungen offenbart. Alle Krankheiten haben ihre Entstehungsquelle im Unterleib infolge einer mangelhaften Verdauung.«

 

Das Wesentliche
Manche Leser bemängelten das Fehlen einiger Dinge: »Warum wurde die Diät X, die Methode Y … nicht beschrieben?« Hier sei erneut gesagt: Interessant ist vieles, von Belang nur weniges. Mit den Worten des Hippokrates: »Die Kunst ist lang, das Leben ist kurz …« Es war der Ehrgeiz des Autors, ein dünnes Buch zu schreiben, in dem nur die wirklich wichtigen Dinge erörtert werden. Es gäbe weitere Hinweise, wie: Man mahle Gewürze kurz vor dem Verzehr und kaufe keine gemahlenen, da drei Viertel von ihnen mit Schimmelpilzen belastet sind; man bewahre ölige Speisen nicht in Plastikbehältern auf, weil Kunststoff ins Öl übergeht; man verwende nicht die zur Zeit massiv beworbenen probiotischen Yoghurtsorten, und so fort. Doch wozu? Damit der Leser entmutigt das Buch zur Seite legt und fragt: Was noch alles? Wer auf dem Weg der bewußten Ernährung mit Bedacht anfängt, entwickelt von selbst die Sensibilität für weitere Dinge.

 

Die Rohkost
Zu dem Thema gibt es Mißverständnisse. Der Satz: »50% einer Mahlzeit sollten aus Rohkost bestehen« darf nicht so interpretiert werden, daß man viel Rohes zu sich nimmt. Es gilt, andere Sätze im  Buch aufmerksam zu lesen: »Die wenige nötige Rohkost sollte von guter Qualität sein. Iß nicht zuviel, iß nicht zu sehr durcheinander. Ungenügend gekaute Rohkost führt zur Darmgärung. Man esse kleine Mengen hochwertiger und gut gekauter Nahrung. Es ist egal, was man ißt, Hauptsache wenig – und viel Bewegung! Beschränke Dich beim Gemüse.«

Noch einmal sei auf ein generell nicht genügend beachtetes Prinzip hingewiesen: Darmempfindliche (und im Grunde alle Menschen) sollten Obst – eines der reinsten, leichtesten, besten Nahrungsmittel – niemals mit anderen Speisen mischen; es muß alleine genossen werden. Sofern es yogagemäß gegessen wird (wenig!  Einspeicheln!), wird jedes Obst in Rekordzeit verdaut und entfaltet seine segensreichen Wirkungen. Ißt man jedoch a) zuviel Obst b) zu schnell und c) mit anderen Speisen, insbesondere mit Stärke kombiniert, dann kehren sich seine Wirkungen um, es wird schädlich. Wer sagt: »Obst tut mir nicht gut, ich vertrage keinen Fruchtzucker!«, der sollte erst einmal prüfen, woran das wirklich liegt. Bei der angeborenen Fructoseintoleranz, einer extrem seltenen (1 von 20.000 Menschen) und schweren Stoffwechselstörung, darf gesagt werden, »da kann man nichts machen«. Bei der erworbenen Fructoseintoleranz dagegen, von welcher geschätzte 30 von 100 (!) Personen betroffen sind, sollte einem bereits der Ausdruck »erworben« sagen, daß dies nicht »von Natur aus so ist«, sondern mit Fehlern in der Ernährung zu tun hat und daß durch entsprechende Änderungen sich alles zum Guten wenden kann.

 

Die Budwig-Creme
Offene Fragen gab es auch bei der Öl-Eiweiß-Kost von Dr. Budwig, genauer: bei der Zusammenstellung der Quark-Leinöl-Creme. Hier muß der Autor weiter ausholen, weil die Budwig-Creme seine zentrale Empfehlung darstellt.

Das Originalrezept von Dr. Budwig lautet: 100 g Quark, 40 g Leinöl, 25 g Milch. Weniger genau, weil die Eßlöffel nun einmal keine einheitliche Größe haben: 100 g Quark, 2 Eßlöffel Milch, 3 Eßlöffel Leinöl. 125 g Quark plus Milch geteilt durch 40 g Öl – die Mischung enthält etwas mehr als 30 Prozent Öl; das Verhältnis Quark/Milch zu Öl ist 3 zu 1. Die aus praktischen Gründen in einem Mal hergestellte, für vier bis fünf Tage reichende Menge des Autors, 1750 g Quark/Yoghurt, müßte demnach mehr als einen halben Liter Öl enthalten. Der Autor stellt erneut fest: Für ihn ist das zuviel. Und er würde es nicht wagen, diese Mischung eventuellen Gästen anzubieten: ein zu dominanter Leinölgeschmack, welcher viele Menschen abschreckt und für den Rest ihres Lebens von der wichtigen Öl-Eiweiß-Kost abhalten wird (um ganz genau zu sein – die Mischung des Autors ist 4 zu 1).

Hier gibt es widersprüchliche Angaben. Von Franzosen und Amerikanern wird ein Verhältnis von 2 zu 1, das heißt von 50% Öl genannt, mit der Anmerkung (es wird wörtlich zitiert): »So ist in der Mischung keinerlei Öl sichtbar und absolut kein Leinölgeschmack mehr wahrnehmbar.« Da bleibt für den Autor nur die Frage, ob die Verfasser solcher Artikel die Budwig-Creme ein einziges Mal selber hergestellt haben.

Wieviel Budwig-Creme soll man täglich zu sich nehmen? Einige meinen, es dürfen nicht mehr als 2 Eßlöffel Leinöl täglich sein (nach dem Originalrezept wären das nicht einmal 100 Gramm Quark-Leinöl-Creme), andere sagen, man dürfe 4 Eßlöffel niemals übersteigen. Da mögen die Angaben des Autors vielleicht verwundern, und deswegen sei präzisiert: Die Empfehlung, die Budwig-Creme zu betonen und zu jeder Mahlzeit ein Schälchen davon zu essen (das sind zwei oder drei gehäufte Eßlöffel, 100 bis 150 Gramm), bezieht sich auf die in diesem Buch vorgeschlagene Mischung. Das ist gewiß nicht zuviel Leinöl. Man denke hier an einen Satz von Johanna Budwig: Für Krebskranke (vor allem im fortgeschrittenen Stadium) kommt ausschließlich Leinöl in Frage; alle anderen Fette sind verboten. Das macht pro Tag mehr aus als die oben als Höchstgrenze bezeichneten vier Eßlöffel. Heute wird vor allem und jedem gewarnt, das grenzt  allmählich an Hysterie. Der gesunde Menschenverstand legt natürlich nahe, im Normalfall, in der täglichen Ernährung, neben dem Leinöl (vorwiegend Omega-3-Fettsäuren) auch genügend Omega-6/9-Fettsäuren zu sich nehmen (Olivenöl und andere wertvolle Öle und Fette).

Es sei erneut betont, daß es nicht gut ist, Leinöl pur zu sich zu nehmen; immer ist es, so Dr. Budwig, mit schwefelhaltigem Eiweiß (ideal: mit Quark) zu verbinden. Der Autor wiederholt den Hinweis von Seite 79: »Auch bei der Verwendung der unraffinierten Speiseöle stimmt Dr. Budwig mit der Reform überein. Aber es ist unbedingt erforderlich, daß die entsprechenden eiweißhaltigen Nahrungsmittel mitverabreicht werden, sonst schlägt die günstige Wirkung der Öle in das Gegenteil um!« (Fettdruck = Originalworte von Johanna Budwig)

Weiter: Die Wissenschaft von den Fetten ist höchst komplex und kann in einem kleinen Ernährungsbuch nicht gebührend behandelt werden. Es sei zur Vermeidung von Mißverständnissen zumindest erwähnt: Die Warnung vor der Gefährlichkeit gesättigter Fette betrifft die prozessierten, künstlich hergestellten, nicht die in der Natur vorkommenden gesättigten Fette. Der auch vom Autor empfohlene altindische Weg, in diesem Fall die Verwendung von natürlichem Kokos- oder Palmöl, kann nicht so falsch sein, wie manche es behaupten. Seit langem werden auch in Asien, der »Fortschritt« ist nicht aufzuhalten, die meisten Öle künstlich verändert, und vor dem Verzehr solcher Öle und Fette wird gewarnt. Das naturbelassene, herrlich duftende Kokosöl dagegen, jenes im alten Indien verwendete und bis heute erhältliche, ist etwas anderes. Es enthält MTC-Fette (Fette mittlerer Kettenlänge), welche »bei der täglichen Fettzufuhr neben einem hohen Anteil an essentiellen Fettsäuren ausreichend vorhanden sein sollten« – so steht es präzise formuliert im »Hunnius Pharmazeutisches Wörterbuch«.  Die Verwendung von natürlichen gesättigten Ölen kann nicht so schädlich sein, wie oft behauptet wird. Denn im anderen Fall wären Südindien und Afrika (Hauptfette: Kokos- und Palmöl) menschenleer, weil die Bevölkerung ausgestorben sein müßte.

Durch Prozessierung der Öle wird die Molekularstruktur der Fettsäuren verändert, es entstehen die Trans-Fette, welche extrem schädlich sind. Noch einmal mit den Worten von Dr. Budwig: »Fette, bei denen mit der Fetthärtung die Elektronenwolken entfernt wurden, damit sie haltbar sind, den Sauerstoff nicht aufnehmen, sind nicht nur für die Atmung ein Hindernis. Sie werden vom Herzen bald ausgeschieden und lagern sich als feste organfremde Fettballen am Herzmuskel ab. Das Bild des Herzinfarktes läßt dies eindeutig erkennen. Auch in den Schlagadern werden diese wertlosen, elektrisch indifferenten Fette abgeschieden. Sie geben ja mit Eiweiß keine wasserlöslichen Anlagerungsprodukte mehr. Sie blockieren den Kreislauf, die Herzaktion, die Zell-Erneuerung und den Säftestrom in Blut- und Lymphbahnen.« Nun mag man sagen: »Ich esse nur naturbelassene, ungehärtete Fette« – die Frage bleibt, ob dies stimmt. Wer macht sich bewußt, daß so gut wie alle Bäckereiprodukte, Kuchen, Kekse, Eiscremes, Schokoladen und hundert andere Dinge wie Chips und Pommes frittes Trans-Fette enthalten? Über die Schädlichkeit der prozessierten Fette kann man nicht oft genug sprechen, so wie es die Wegbereiterin Johanna Budwig bereits vor fünfzig Jahren (!) getan hat.

Die Verwendung von unbehandelten natürlichen gesättigten Fetten (Butter, Kokosöl …) ist unbedenklich – eine gleichzeitige genügende Zufuhr an essentiellen (ungesättigten) Fettsäuren vorausgesetzt. Es ist bezeichnend, daß Trans-Fette z.B. im Verdacht stehen, Darmerkrankungen wie den Morbus Crohn zu begünstigen, während man den MTC-Fetten aus naturbelassenen Ölen eine heilende Wirkung auf Entzündungen im Darmbereich zuschreibt. Dr. Budwig empfahl für die Zubereitung ihres streichfähigen Fettproduktes Oleolux die Mischung aus Kokos- und Leinöl; und über die Butter sprach sie nicht negativ, obgleich sie bei der Beratung von Krebskranken »die Butter zunächst ausschaltete« und praktisch nur Leinöl verordnete.

Bliebe eine letzte, kontroverse Sache: Antioxydantien (insbesondere das Vitamin E) und die Budwig-Creme. Da gibt es die eine Seite, welche sagt: Um die mit dem Leinöl aufgenommenen ungesättigten Fettsäuren im Organismus vor der Oxydation zu schützen, muß man zusätzliches Vitamin E zu sich nehmen, ja: Je mehr Leinöl und andere ungesättigte Fette man ißt, desto mehr kommt man in ein Defizit an Vitamin E. Johanna Budwig und andere dagegen betonen: Diese Oxydation, die Aufnahme von Sauerstoff ist ja der Sinn des Ganzen, und die Einnahme hochdosierter Gaben an antioxydativen Vitaminen ist kontraproduktiv. So weit, so gut. Ärgerlich ist nur, daß niemand, auch nicht Frau Dr. Budwig, willens war und ist zu sagen, was genau »hochdosiert« bedeuten soll. 12 mg Vitamin E täglich, eine verschwindend kleine Menge, ist der RDA-Wert. 100 bis 2000 mg Vitamin E täglich werden heute auf der ganzen Welt in der Therapie angewendet. Bedeutet »hochdosiert« vielleicht 50 mg (dies wäre bereits der mehr als vierfache RDA-Wert), oder doch erst 100, oder 200 …? In der Weigerung, hier Stellung zu nehmen, zeigt sich der für fast alle Genies typische Starrsinn, nur das Eigene zu beleuchten. Mit wachsendem Wissen sollte das Ego nicht mitwachsen, so heißt es in der Lehre des Yoga; aber die Welt dreht sich anders. Wie sonst will man erklären, daß etwa der große Linus Pauling die epochalen Arbeiten von Johanna Budwig kannte – und sie mit keinem Wort erwähnte? Und daß umgekehrt Johanna Budwig die wertvollen Vitaminforschungen von Linus Pauling kannte und nicht willens war etwas tiefer darauf einzugehen? Traurige Beispiele dieser Art aus der Welt der Medizin könnte man dutzendweise aufzählen. Der Autor, ein Anhänger von Johanna Budwigs Öl-Eiweiß-Kost und von Linus Paulings Orthomolekularmedizin, scheut sich nicht, von ihm überaus bewunderte Menschen auch zu kritisieren.

Zurück zum Thema Antioxydantien. Orthomolekulare Substanzen in bestimmter Dosierung sind in der heutigen Zeit sinnvoll, weil wir von zu vielen »Feinden« in unserer beinahe ruinierten Umwelt bedroht sind. Hat Dr. Budwig dies berücksichtigt? Sie behauptete, daß Vitamine nicht imstande sind, die Zellatmung zu fördern. Das kann sein; ihr gegenüber stehen aber zahlreiche namhafte Forscher, die das bestreiten. Was ist zu tun? Da Autoritäten wie die Drs. Pauling, Budwig und andere hier leider schweigen, ist jeder Interessierte mit eigenem Studium auf sich alleine gestellt; der Autor vermag dem Leser in diesem Punkt keine Hilfe zu sein. Er betrachtet es aber als Pflicht, auf dieses ungelöste Problem hinzuweisen und kann nur die eigene Meinung zum Ausdruck bringen (kein Ratschlag): Bei »normaler« Ernährungsweise ist heute die zusätzliche Einnahme von orthomolekularen Substanzen empfehlenswert. Lebt man streng »nach Budwig«, ist dies vermutlich nicht nötig. Wer aber hält sich streng an die Öl-Eiweiß-Kost (= Quark-Leinöl und 80% Rohkost, um es schnell auf den Punkt zu bringen)? »Ich lebe jetzt nach Budwig« – das ist schnell gesagt. Bei näherer Befragung stellt sich meist heraus, daß man zu seiner normalen, gutbürgerlichen Kost noch gelegentlich ein Schälchen Budwig-Creme zu sich nimmt …  

 

Ein Wort zu Dr. Steintel
Es ist ein großer Unterschied, ob man generell Samen »ißt« oder ob man sie gezielt »therapeutisch nutzt«; das hat mit der Quantität zu tun. Samen »essen« tut man, wenn z.B. Getreide und Hülsenfrüchte ein erheblicher Bestandteil der täglichen Ernährung sind; Samen »therapeutisch nutzen« tut man, wenn eine geringe Menge geschroteten Leinsamens in die Budwig-Creme gegeben wird oder wenn einige Aprikosenkerne gegessen werden. Es sei das auf Seite 120 Gesagte wiederholt: »Ißt man weder Eier noch Hülsenfrüchte und vermeidet Weizen und Roggen, dann ist gegen die geringe Menge von täglich ein bis drei Teelöffeln geschroteter Leinsaat nichts einzuwenden.« Im Gegenteil, dies wird von einigen Therapeuten ausdrücklich empfohlen. Leinsamen, bittere Aprikosenkerne, Apfelkerne … enthalten einen Stoff, der in Naturheilkreisen als Anti-Krebsmittel gilt. Kurz: Samen als Nahrung sind für das menschliche Verdauungssystem ungeeignet, hier hat Dr. Steintel recht; bestimmte Samen in therapeutischer Dosierung sind hilfreich. 

 

Das Wahre liegt in der Einfachheit
Eine wissenschaftliche Ernährung in einer modernen Welt, das ist der eine Pol; eine dem gesunden Menschenverstand entsprechende Ernährungsweise, das ist der andere. In diesem Buch wird gesagt, worauf es zunächst ankommt: Auf das Fördern der Verdauungskraft, auf das Kauen der Speisen, auf das Wenig-Essen, auf die Übung des Hatha-Yoga, auf die tägliche (!) Bewegung in frischer (!) Luft. Schafft man es, einige Prinzipien des Hatha-Yoga, Dr. van Aakens Prinzip (wenig essen, viel bewegen) und einige der Grundsätze der Drs. Mayr, Steintel, Lutz und Budwig zu kombinieren, dann braucht man sich keine weiteren Gedanken um die Ernährung zu machen. Sie ist kein Selbstzweck; sie soll zu Gesundheit und Kraft verhelfen, so daß man sich dem höheren Sinn des Lebens zuwenden kann. Zudem ist Ernährung nicht alles in Sachen Gesundheit, wie auch diese Sätze von Johanna Budwig aus ihrem letzten Buch (Krebs, das Problem und die Lösung) zeigen sollten: »Es ist sehr wichtig, daß der Mensch als Einheit von Körper, Seele und Geist gesehen wird. Welcher Faktor im Augenblick vorrangig ist, kann sehr unterschiedlich sein. Ich bin heute noch überzeugt, wenn eine Ehefrau ein sehr schlechtes Eheverhältnis hat, Tag für Tag Unterdrückung und Sticheleien von ihrem Mann ertragen muß, dann kann ich ihr auch nicht mit Quark-Leinöl helfen. Alle drei Faktoren gehören beim Menschen zusammen.«

Fast alle Krankheiten entstehen durch eine schlechte Verdauung, sagten Louis Kuhne und viele andere hier zitierte Größen. Das ist die einfache Wahrheit, und in diesem Sinn seien einige, zum Teil erheblich gekürzte Sätze aus Hufelands »Die Kunst, das menschliche Leben zu verlängern« wiedergegeben, dem wohl besten Gesundheitsbuch aller Zeiten:

»Der Begriff der guten Diät ist etwas relativ; wir sehen, daß gerade die Menschen die ältesten wurden, die gewiß keine ängstliche Diät hielten, aber die sparsam lebten, und es ist ein Vorzug der menschlichen Natur, daß sie alle Nahrungsmittel verarbeiten kann, und nicht wie die tierische, auf eine gewisse Klasse eingeschränkt ist. Es ist ausgemacht, daß ein Mensch, der natürlich mehr im Freien und in Bewegung lebt, sehr wenige Diätregeln braucht. Unsre künstliche Diät wird erst durch unser künstliches Leben notwendig. So viel ist gewiß, daß es nicht sowohl auf die Qualität, aber gar sehr auf die Quantität der Nahrungsmittel ankommt, wenn wir auf Verlängerung des Lebens sehen. Man kann behaupten, daß der größte Teil der Menschen viel mehr ißt, als er nötig hat, und schon in der Kindheit wird uns durch das gewaltsame Hinunterstopfen und Überfüttern der natürliche Sinn genommen zu wissen, wenn wir satt sind.

Nicht das, was wir essen, sondern das, was wir verdauen kommt uns zugute und gereicht uns zur Nahrung. Folglich, wer alt werden will, der esse langsam, denn schon im Munde müssen die Speisen den ersten Grad von Verarbeitung und Verähnlichung erleiden. Dies geschieht durch das gehörige Zerkauen und die Vermischung mit Speichel, welches beides ich als ein Hauptstück des ganzen Restaurationsgeschäfts betrachte, und daher einen großen Wert zur Verlängerung des Lebens darauf lege, um so mehr, da nach meinen Untersuchungen alle sehr alt Gewordenen die Gewohnheit an sich hatten, langsam zu essen.

Man esse nie so viel, daß man den Magen fühlt. Und immer muß die Quantität der Nahrung mit der körperlichen Arbeit in Verhältnis stehen; je weniger Arbeit, desto weniger Nahrung. Zu viel essen heißt, wenn man so lange ißt, bis man nicht mehr kann, und die nachfolgenden Zeichen sind, wenn man Schwere und Vollheit des Magens, Gähnen, Aufstoßen, Schläfrigkeit, Dumpfheit des Kopfes verspürt. Die alte Regel bleibt also immer noch wahr: man höre auf zu essen, wenn man noch essen könnte.

Man gewöhne sich an bestimmte Zeiten des Essens. Nichts ist nachteiliger, als das beständige und unordentliche Essen den ganzen Tag über und außer der Mahlzeit. Zur guten Verdauung gehört, daß der Magen ausdauet, d.h. daß er von Zeit zu Zeit leer wird, damit sich nun seine Kräfte sowohl als die zur Verdauung nötigen Magensäfte sammeln und den gehörigen Grad an Schärfe erlangen können. Nach solchen Pausen geht der Magen mit erneuerten Kräften an sein Werk, welchen Vorteil die verlieren, die unaufhörlich kauen. Daher auch Magenschwäche, ewige Verdauungsfehler, schlechte Säfte … die Folgen sein können. Am schicklichsten scheint mir's eine Pause von 5 bis 6 Stunden zwischen jeder Mahlzeit zu lassen.

Man hüte sich ja, bei Tisch nicht zu studieren, zu lesen oder den Kopf anzustrengen (Anmerkung des Autors: Man mißverstehe die doppelte Verneinung nicht. Gemeint ist selbstverständlich: Man soll bei Tisch nicht studieren). Dieser Zeitpunkt muß dem Magen heilig sein. Es ist die Zeit seines Regiments, und die Seele darf nur sofern mit ins Spiel kommen, als nötig ist ihn zu unterstützen. So ist z.B. das Lachen eines der größten Verdauungsmittel, das ich kenne, und die Gewohnheit unsrer Vorfahren, dasselbe durch Leberreime und Lustigmacher bei Tische zu erregen, war auf sehr richtige medizinische Grundsätze gebaut. Was in Freuden und Scherz genossen wird, das gibt gewiß auch gutes und leichtes Blut.

Man versäume nicht das nötige Trinken. Es geschieht häufig, daß man durch Unachtsamkeit auf die Erinnerungen der Natur zuletzt das Trinken ganz verlernt, und nun gar nicht mehr von der Natur erinnert wird, welches eine Hauptursache der Trockenheit, Verstopfung des Unterleibs und einer Menge von Krankheiten ist. Aber man merke: Nicht unter dem Essen ist die beste Zeit zum Trinken, denn dadurch wird der Magensaft zu sehr verdünnt und die Kraft des Magens geschwächt, sondern nach Tische, etwa eine Stunde nachher. Das beste Getränk ist Wasser.

Man esse abends nur wenig und nur kalte Speisen, und immer einige Stunden vor dem Schlafen. Ein Hauptmittel um ruhig zu schlafen und froh zu erwachen.

Sobald man … diese Anzeichen (von Krankheit) bemerkt, so ist nichts nötiger, als dem Feinde, der Krankheit, die Nahrung zu entziehen, und dem wohltätigen natürlichen Instinkt zu folgen, den jedes Tier in diesem Fall zu seinem großen Vorteil befolgt. Man esse nicht, denn die Natur zeigt uns durch ihre Abneigung, daß sie jetzt nicht verdauen kann; man trinke desto mehr, aber wässrige verdünnende Getränke. Man halte sich ruhig, und am besten liegend, denn die Mattigkeit zeigt uns zur Genüge, daß die Natur jetzt ihre Kraft zur Bearbeitung der Krankheit braucht. Diese einfachen Mittel, die uns die Natur selbst so deutlich vorschreibt, wenn wir nur ihre Stimme hören wollen, sind es, wodurch unzählige Krankheiten gleich in der Entstehung behoben werden können.

Leider muß ich die zu raffinierte Kochkunst, diese Freundin unseres Gaumens, als die größte Feindin unseres Lebens, als eine der verderblichsten Erfindungen zur Abkürzung desselben anklagen. Eine Hauptmaxime dieser Kunst besteht darin, durch die überhäuftesten und unnatürlichsten Zusammensetzungen ganz neue Schöpfungen und neue Reize hervorzubringen. Und daraus entsteht, daß Dinge, welche, jedes für sich, äußerst unschuldig und unschädlich wären, nun durch diese Verbindung ganz neue und nachteilige Eigenschaften bekommen. Man kann es als Grundsatz annehmen: je zusammengesetzter eine Speise ist, desto schwerer ist sie zu verdauen und, was noch schlimmer ist, desto schlechter werden die Säfte, die daraus bereitet werden. (…) Man kann die Einrichtung der Natur nie ohne Schaden überspringen.« (Christoph Wilhelm Hufeland)

 

Der Stellenwert der Ernährung
Zum guten Schluß: In vielen Gesprächen ist der unterschwellige, unausgesprochene Zweifel förmlich zu spüren, ob die Ernährung tatsächlich eine so große Rolle für die Gesundheit spielt, wie es – unter anderem hier – behauptet wird. Ihr wahrer Stellenwert wird vom überwiegenden Teil der Menschen immer noch unterschätzt, sogar von sehr vielen Ärzten und Forschern. Noch vor dreißig Jahren hieß es, Krankheiten hätten mit Ernährung nichts zu tun. Heute hören wir zwar immer wieder ärztliche Ratschläge, uns »gesund« zu ernähren, aber das betrifft eher das aktuelle Thema »Bekämpfung der Fettsucht«. An die heilende Wirkung einer gezielten Ernährung mag man jedoch nicht so recht glauben, wie die krankmachende »gutbürgerliche« Kost in den Krankenhäusern beweist; im Grunde hat sich nichts geändert.

Nun, es wird die Mühe lohnen, intensiv über die folgenden, dreitausend Jahre alten Sätze nachzudenken, welche in den Upanishaden, dem einzigartigen Weisheitsschatz Indiens, zu finden sind.

Chandogya-Up. VI. 5: »Die verzehrte Nahrung teilt sich dreifach. Ihr gröbster Bestandteil wird zu Kot, ihr mittlerer zu Fleisch, ihr subtilster zu Geist. Das getrunkene Wasser teilt sich dreifach. Sein gröbster Bestandteil wird zu Harn, sein mittlerer zu Blut, sein subtilster zum (Prana, dem) Lebenshauch. Die (mit dem Essen) aufgenommene Wärme teilt sich dreifach. Ihr gröbster Bestandteil wird zu Knochen, ihr mittlerer zum Mark, ihr subtilster zur (Energie der) Sprache. Wahrlich, mein Lieber, aus Nahrung besteht der Geist, aus Wasser der Lebenshauch, aus Wärme die Sprache.«

Leuchtender als mit diesen wundervollen Worten kann man die Bedeutung einer rechten, bewußten Ernährung für die psychophysische Gesundheit nicht offenbaren. Natürliche, reine (sattvische), an Lebenskraft reiche Nahrungsmittel und reines, energetisiertes Wasser sind essentiell.

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Diese Seite wurde am 29.08.2010 zuletzt geändert.

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